EXPATRIATE – Berliner Act des Monats Februar 2010


Goodbye Australia, hello Berlin! Der Frontmann der australischen Indie-Newcomer über das neue Leben der Band in der deutschen Hauptstadt.



In ihrer Heimat Australien kommt gerade niemand an EXPATRIATE vorbei. Seit 2005 existiert das Quartett, das ursprünglich aus Sydney kommt und im November 2008 den großen Sprung nach Berlin gewagt hat. Ihr Debütalbum In the Midst of This war ein großer kommerzieller Erfolg, und obwohl die Hitsingle ‚The Spaces Between‘ als Werbesong für mehrere Sport-Großereignisse herhalten musste, haben sie es geschafft, ihre Glaubwürdigkeit als Indie-Band aufrechtzuerhalten.

EXPATRIATE bewegen sich geschmeidig zwischen Indie, Rock und Dark Music, wobei die ausdrucksvolle Stimme des Frontmanns Ben King immer wieder an Robert Smith erinnert. Nun also steht die Eroberung Europas auf dem Programm, wobei sie einen berühmten irischen Fan schon in der Tasche haben: Simple-Minds-Chef Jim Kerr höchstpersönlich lud die Aussies dazu ein, seine Tour zu supporten. Nach dem Hitalbum, das unter der Sonne Australiens geschrieben wurde, ist nun das zweite in Arbeit – da wollten wir doch mal wissen, wie die Jungs so zurechtkommen mit ihrem neuen Berliner Leben. Frontmann Ben King stand uns vor ihrem Gig im Magnet Club Rede und Antwort.

popmonitor.berlin: Hallo, Ben. Do you speak German?
Ben: Ein bisschen. Pretty scheiße.

Dann führen wir das Interview besser nicht auf Deutsch, oder?
Nein… aber nächstes Mal bestimmt.

Was hat Euch denn vom sonnigen Sydney ins eiskalte Berlin verschlagen?
Wir wollten unsere Platte in Europa rausbringen und touren hier auch viel… so war es einfach logisch, nach Europa zu ziehen. Als wir uns dann für eine Stadt entscheiden mussten, war Berlin weit vorne. Einerseits haben wir einen Plattenvertrag in Deutschland, andererseits ist das Leben hier günstig, die Stadt hat kulturell viel zu bieten… und wir leben hier alle zusammen ums Eck in einem alten Fabrikloft. Es war wichtig für uns, viel Platz zu haben, damit wir uns nicht gegenseitig in den Wahnsinn treiben. Würden wir in London leben, würden wir in einem größeren Wandschrank wohnen, und das wäre alles andere als gut für uns. Es waren also eher praktische Gründe – wir hatten nicht vor, Teil dieser hippen Berlin-Szene zu sein.

Und jetzt, bei dieser Kälte und dem nicht enden wollenden Winter – bereut ihr Eure Wahl?
Letztes Jahr war es ziemlich hart für uns, wir kamen im November 2008 hier rüber. Dieser Winter war besonders kalt. Aber jetzt geht es eigentlich. Und ich versuche, einmal im Jahr heim nach Australien zu gehen, um meine Leute wieder zu sehen. Es ist verdammt weit, aber es lohnt sich. Gerade ist dort Sommer, ach ja, ich vermisse es schon, das Schwimmen, das Herumhängen in den Parks mit Freunden und Hunden.

Was vermisst Du sonst noch außer Freunden und Familie?
In Australien ist das Leben leicht und locker. Es ist einfach wunderschön dort. Man kann so leicht abschalten – Du nimmst einfach dein Auto und fährst die Küste entlang, oder ins Landesinnere. Da ist einfach so viel Platz. Warst Du schon mal dort?

Nein, aber meine Mitbewohnerin ist aus Australien, aus Sydney. Sie kommt heute Abend und ist ein großer Fan von Euch… sie hat Euch schon mindestens fünfmal gesehen.
Echt? Wie heißt sie?

Hannah.
Cool. Ich hoffe, ihr gefällt es.

Wie alt seid Ihr denn alle so in der Band?
Wir sind alle in den späten Zwanzigern.

Dann habt Ihr vermutlich alle schon Frau und Kinder?
Unser Drummer ist mit einer Australierin verheiratet, Damien hat eine Freundin aus Berlin und Dave und ich sind Single. Zum Glück, weil das hat uns die Entscheidung, nach Berlin zu ziehen, um einiges einfacher gemacht.

Was würdest Du sagen sind die Unterschiede zwischen deutschen und australischen Frauen?
Den Frauen…ääähm…gute Frage. Ich würde sagen, dass deutsche Frauen… ich weiß überhaupt nicht, wie ich das ausdrücken soll…

Na, Du bist Single, dann vergleiche doch einfach mal das Leben im Datingdschungel in den beiden Ländern.
Was das betrifft… es hilft ganz schön, als Australier hier zu sein… es ist irgendwie „exotisch“ und das kommt gut an.

Das ist das, war mir Hannah auch erzählt.
Na klar… sie hat bestimmt alle Chancen, als australische Frau in Berlin…
Ich finde, die deutschen Frauen sind sehr… wie soll ich sagen… sie sind nicht so einfach zu haben. Mit viel Glück kannst Du beim dritten Date endlich ihre Hand halten. Und aber auch nur, wenn Du versprichst, sie beim fünften Date zu heiraten.

In der Tat ein schweres Los. Themenwechsel. Was hältst Du von der Berliner Musikszene? Kennst Du Bands von hier?
Ich hatte noch nicht wirklich die Gelegenheit, hier auf Konzerte zu gehen. Wir sind gerade ständig auf Tour und wenn wir dann in Berlin sind, versuche ich, mich auszuruhen. Aber ich habe eine Band gesehen, Warren Suicide, die sind großartig!

Die haben für Popmonitor gespielt.
Oh cool… die sind wirklich toll. Wie gesagt… Konzerte habe ich noch nicht viele besucht. Ich gehe aber hier gerne in Clubs, ich liebe elektronische Musik. Neben Expatriate mache ich auch andere, eher elektronische Sachen, wahrscheinlich bringe ich da dieses Jahr noch was raus.

Warst Du schon im berühmten Berghain?
Noch nicht, Damien war aber schon da. Ich habe gehört, es ist nicht leicht, da reinzukommen. Im Picknick, Weekend und Cookies war ich aber schon ein paar Mal.

Wie läuft die Arbeit an Eurem neuen Album
Gut, wir haben über 30 neue Lieder…

…alle in Berlin geschrieben?
Nicht alle, aber viele davon, bevor wir auf Tour gegangen sind. Es war eine ziemlich intensive Zeit. Wir sind die eine Nacht ausgegangen, haben uns abgeschossen, sind dann in der nächsten Nacht zu Hause geblieben und haben nachts die Songs geschrieben… und am nächsten Tag das gleiche wieder… eine Nacht Party, eine Nacht Lieder schreiben.

Inwiefern hat Berlin Euer Songwriting beeinflusst?
Vieles von dem, was wir hier geschrieben haben, könnte man als „dark and delicate“ beschreiben. Der erste Winter, den wir hier durchgemacht haben, war einfach schrecklich, wir haben fast den Verstand verloren. Es ist weniger rockig als unser erstes Album, eher atmosphärisch und experimenteller.

Welche Bands magst Du eigentlich persönlich?
Jede Menge… ich bin mit Nirvana, den Pixies und Sonic Youth aufgewachsen und diesem ganzen Seattle-Sound. Ich mag aber alles Mögliche. Meine erste CD, die ich überhaupt gekauft habe, war George Michaels Listen Without Prejudice. Ich bin ein Song-Junkie, es ist mir völlig egal, ob es Country oder Pop oder sonstwas ist… wenn es ‚Click‘ bei mir macht, muss ich diesen Song haben. Besonders wichtig sind Bands wie The Cure, Depeche Mode und Killing Joke für mich. Ich mag es, wenn man sein Herz auf der Zunge trägt, über die dunkleren Seiten des Lebens singt und das dann auf so eine unglaublich romantische Art und Weise darbietet. Vor allem aus männlicher Perspektive, diese ganzen Songs über Lieben und Leiden. Das hat mir gezeigt, dass es okay ist, darüber zu singen, wie beschissen es Dir wegen einer Frau geht.

Was ist das Beste und das Mieseste, was Du bisher über Eure Musik hören musstest?
Schlechte Sachen, na ja, die Leute können Dich für eine Million Gründe hassen, aber was soll’s, ist halt so. Gute Sachen… ich mag es einfach, wenn Leute nach der Liveshow zu Dir kommen und sagen, dass es ihnen gefallen hat. Neulich kam ein Typ zu uns und sagte, dass er und seine Freundin sich zum ersten Mal zu unserem Song ‚The Space Between Us‘ geliebt haben… das war einfach ‚wow‘. Und das ist jetzt ihr Song, für immer. Sowas hör ich gerne!

Welche Musik läuft bei Euch im Tourbus?
Das bestimmt eigentlich unser Sound-Guy… immer, wenn er fährt, müssen wir diesen schrecklichen Death Metal hören. Wir haben aber zum Glück unsere Ipods dabei. Ich höre momentan Fever Ray, die perfekte Busmusik!

Hast Du wirklich nur guten Musikgeschmack – oder auch ein paar Leichen im Keller?
Oh, jede Menge Leichen. Vor allem in Sachen Popmusik. Vielleicht so ein J-Lo-Song, ‚Waiting for Tonight‘ oder irgendwas in der Art… aber das sollte ich wohl lieber nicht sagen…

Verrätst Du uns noch, was die Ketten um Deinen Hals bedeuten?
Eins ist ein mexikanischer Sonnengott, das andere ist ein Vogel. Eine Freundin von mir hat die Kette gemacht, es soll an unseren Song ‚Black Bird‘ erinnern. Sie hat es mir per Post geschickt – die Leute heutzutage schicken ja gar nichts mehr mit der Post, das war total süß von ihr.

Vielen Dank für das Gespräch, wir wären dann fertig, oder hast Du noch was Wichtiges zu verkünden?
Unser Album wird hoffentlich im September/Oktober rauskommen, wenn alles klappt. Und wir möchten uns noch bei allen in Deutschland bedanken, die uns unterstützen und an uns glauben!

www.expatriateband.com
www.myspace.com/expatriateband

Autor: [EMAIL=sandra.wickert@popmonitor.de?Subject=Kontakt von der Website]Sandra Wickert[/EMAIL]

Facebooktwittergoogle_pluspinterestlinkedintumblrmailFacebooktwittergoogle_pluspinterestlinkedintumblrmail