FARIN URLAUB am 02.06.05 in der Arena


FARIN URLAUB und seine Selbstinszenierung in der Arena…



Ein alles erfüllender Gong kündigt mehrfach an, dass der tatsächlich vorhandene Vorhang gleich fallen wird. Die fröhlich johlende Menge von etwa 9000 meist jugendlichen Konzertbesuchern geht durch die akustischen Vorboten des herannahenden Concerto Furioso ansatzlos in einen anderen Aggregatzustand über und präsentiert sich bei den ersten Tönen von ‚Mehr‘, zumindest im vorderen „Gefahrenbereich“, als eine amorphe mitschreiende, pogende Masse. Ausnahmslos alle Songs werden mitgegrölt.

Der Kapellmeister selbst gönnt sich mit dem 11-köpfigen, mehrheitlich weiblichen RACING TEAM eine Begleitcombo, die eher an BigBand erinnert als an eine Rockgruppe. Besonders, wenn man das von der Personaldichte her eher bescheidene Bühnenbild der Ärzte zum Vergleich heranzieht. Aber hier steht ja auch FARIN URLAUB mit seinem Soloprogramm auf der Bühne. Auch die Tatsache, dass er nicht ein Stück seiner Hauptband in die Setliste miteinbaut, verdeutlicht die bewusste Trennung der „Projekte“. Mit Unterstützung der glorreichen 4-köpfigen Bläsertruppe von den Busters, schafft es FARIN immer wieder eine im Off-Beat daher schwebende Ska-Atmosphäre in den Saal zu legen, dass man unwillkürlich nach der Sonnenmilch greifen will. Im Kontrast dazu gibt es düstere und ungewohnt rockige Töne, die zumeist dem gerade veröffentlichten, zweiten Soloalbum Am Ende der Sonne entstammen. Der musikalische Teppich ist bei der „Sonnenblumen of Death-Tour“ sehr viel dichter als es bei den Ärzten der Fall ist. Streckenweise schafft es das RACING TEAM allerdings nicht, diesem Anspruch gerecht zu werden. Die Rhythmusgruppe holpert bei Nummern wie ‚Sumisu‘ und ‚Glücklich‘, und die schöne aktuelle Single ‚Porzellan‘ wird aufgrund einer an dieser Stelle leicht verwirrt wirkenden Rachel an den Drums gleich mehrmals vom Chef persönlich eingezählt.

Auf weiten Strecken erreicht die Band jedoch ein druckvolles und geschlossenes Spiel von mitreissender Präsenz und überzeugt im Laufe des über 30 Songs umfassenden Sets, das von Punk über Rock und Ska bis zu Soul ähnlichen Nummern reicht. Verzichten muss man bei dem einzigen Berlin-Gig des Oberarztes auf guten Sound. Fast Schade, dass das Konzert in der Arena stattfindet. Die Akustik in den hinteren Reihen erinnert unweigerlich an eine Bahnhofshalle. So ist bei ‚Phänomenal egal‘, einer der schönsten deutschen Balladen, von Backgroundsängerin Simone nicht nur wegen der fehlenden Körpergröße im hinteren Hallenbreich nichts zu sehen, sondern wegen der miesen Akustik auch nichts zu hören.



Insgesamt hat das Konzert aber sehr viel Spaß gemacht, trotz schlecht gewählter Location. FARIN URLAUB und sein RACING TEAM überzeugen mit einem Programm von großer musikalischen Bandbreite kombiniert mit gewohnt lustigen Ansagen eines begabten Entertainers. Und wie es sich für eine gelungene (Selbst-)Darstellung auf der großen Bühne gehört, verabschieden sich die Protagonisten nach gut zwei Stunden mit einer Verneigung vor dem verehrten und völlig verschwitzen Publikum.

www.farin-urlaub.de

Fotos: © FARIN URLAUB

Autor: [EMAIL=alexander.knoke@b-i-b.de?Subject=Kontakt von der Website]Alexander Knoke[/EMAIL]

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