FEHLFARBEN – 26 1/2


Kreativer Geburtstag: Wir feiern sechsundzwanzigeinhalb Jahre FEHLFARBEN.



Der mathematischen Korrektheit wegen: das 25jährige Jubiläum der FEHLFARBEN war bereits 2004 fällig, von daher haben alle richtig gezählt: 26 1/2 Jahre ist es her, als aus den Düsseldorfer Bands Mittagspause, Charley’s Girls, DAF und Der Plan PETER HEIN, THOMAS SCHWEBEL, FRANK FENSTERMACHER, MICHAEL KEMNER, UWE BAUER und MARKUS OEHLEN zusammenfanden, um, angesteckt vom Two-Tone-Fieber während eines Englandurlaubs, die erste, sehr Ska-lastige Single ‚Abenteuer & Freiheit‘ aufzunehmen. Mit dem Abschluss eines Vertrages bei der Plattenfirma EMI lösten sich die FEHLFARBEN vom Ska-Sound und aus dem Status einer Untergrund-Band. Für viele Punk-Weggefährten waren sie mit dem Major-Deal die Verräter der Bewegung. 1980 erschien dann das Debütalbum Monarchie und Alltag, das bis heute als eines der besten und wichtigsten deutschsprachigen Rockalben gilt und den FEHLFARBEN-„Übersong“ ‚Ein Jahr (Es geht voran)‘ enthält, der gegen Widerstände der Band quasi in letzter Minute noch auf die Platte gepresst und erst viel später, im Rahmen der „Neuen Deutschen Welle“ und zum Leidwesen der FEHLFARBEN, zum Hit wurde.

Kurz nach Veröffentlichung des Debüts trat PETER HEIN aus der Band aus, um bis 2003 einer Anstellung bei Rank Xerox nachzugehen, um die sich zahllose Legenden ranken (Jürgen Teipel schreibt hierzu in Verschwende Deine Jugend: „Arbeitet seit gut 25 Jahren in undurchsichtiger Position im Lager von Rank Xerox“).
Für FENSTERMACHER, der bei Der Plan einstieg, kam UWE JAHNKE (git) von S.Y.P.H in die Band, HEINs Part am Mikro übernahm SCHWEBEL (git), 1982 wurde Bassist KEMNER durch HANS MAAHN ersetzt. Ohne HEIN nahm die Band zwei weitere Alben (33 Tage in Ketten, 1981 und Glut und Asche, 1983) auf, die beide sogar in die Charts einsteigen konnten. Ende 1984, nach ewigen Ein- und Austiegen und Querelen mit dem Label lösten sich die FEHLFARBEN auf.

1989 traf sich die Band, initiert durch ihren EMI-Entdecker Horst Luedtke nach fast zehn Jahren erstmals wieder in Originalbesetzung, 1991 erschien Die Platte des himmlischen Friedens (benannt nach dem Massaker auf dem „Platz des himmlischen Friedens“ in China, das am gleichen Tag stattfand, an dem sich die Band 1989 zum ersten Mal seit der Trennung wiedertraf), 1995 das bisher unveröffentliche Album Popmusik und Hundezucht“ (aufgenommen 1984, ohne HEIN). Der Beginn des neuen Jahrtausends markierte einen weiteren Meilenstein in der Geschichte der FEHLFARBEN: nach 20 Jahren gab es die „Goldene Schallplatte“ (250.000 verkaufte Einheiten) für Monarchie und Alltag! 2002 dann quasi das zweite Comeback der FEHLFARBEN: Das Album Knietief im Dispo erschien und auch ausgelöst durch Teipels Buch Verschwende Deine Jugend, einem Doku-Roman über die deutsche Punk-Szene, erhält das Interesse an der Düsseldorfer Legende einen zusätzlichen Schub.

Nun also 26 1/2, das ausdrücklich „kein Tribut und kein neues FEHLFARBEN-Album“ darstellen soll. Ein neues Album ist es keinesfalls, ein Tribut aber sehr wohl, was sonst ist es denn, wenn Freunde und Bewunderer der Band Klassiker (neu) interpretieren!? Einigen wir uns darauf: auf 26 1/2 spielen die FEHLFARBEN (aktuelle Besetzung: PETER HEIN (voc), MICHAEL KEMNER (bass), FRANK FENSTERMACHER (keys), UWE JAHNKE (git), SASKIA VON KLITZING (dr), PYROLATOR (keys) und THOMA SCHWEBEL (git)) ihre eigenen Lieblingssongs und lassen sie von prominenten deutschen Stimmen singen.

Die Highlights: gleich zu Beginn, NILS KOPPRUCH (FINK) gibt ‚Das sind Geschichten‘ in bester Hamburger-Schule-Tradition zum Besten. Ganz großes Kino liefert HELGE SCHNEIDER mit ‚Einsam‘ ab, der übrigens – noch relativ unbekannt – auf Die Platte des himmlischen Friedens bei drei Songs Klavier und Hammond-Orgel spielte. Auf die Version von ‚Der Himmel weint‘ von SVEN REGENER (ELEMENT OF CRIME) alias DIE FALSCHEN FARBEN habe ich schon zeitlebens gewartet. Abgesehen von CAMPINOs Version von ‚Paul ist tot‘ (wie immer unerträglich) und ‚(Geh) Du ran Du ran‘ mit FRANCOISE CACTUS (STEREO TOTAL) (nervt und passt nicht) haben fast alle Songs die richtigen Interpreten gefunden. JOCHEN DISTELMEYER (BLUMFELD) scheint in ‚Alkoholen‘ förmlich aufzugehen, die ‚Internationale‘ mit DIRK VON LOWTZOW (TOCOTRONIC) steht dem im nichts nach. HERBERT GRÖNEMEYER überzeugt mit einem rotzig-rockigem ‚Grauschleier‘ ebenso wie BERND BEGEMANN mit seiner poppig-schluffigen Version von ‚Die kleine Geldwäscherei‘.

Mit ‚Chirugie 2010‘ enthält 26 1/2 auch ein neues Stück der FEHLFARBEN, die damit ein hoffentlich neues Kapitel ihrer grandiosen Bandgeschichte aufgeschlagen haben. Oder wie PETER HEIN sagt: „Alte Männer gehen auf die Bühne und fallen tot um.“ So weit ist es hoffentlich noch nicht. Ach ja, und danke für den ‚Club der schönen Mütter’…

FEHLFARBEN
26 1/2
(V2 Records/Rough Trade)
VÖ: 24.02.2006

www.fehlfarben.com
www.v2music.de

Autor: [EMAIL=jana.schuricht@b-i-b.de?Subject=Kontakt von der Website]Jana Schuricht[/EMAIL]

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