FLORENCE AND THE MACHINE – Lungs


Florence And The Industry.



Florence Mary Leontine Welch. Der Name schafft Eindruck, und erst recht die musikalischen Referenzen, welche die 23-Jährige aus London mit jenem schmückenden Namen bereits vorweisen kann. Vorband für MGMT und die Altrocker Duran Duran, Auszeichnungen bei den Brit Awards, Nominierung für den Mercury Prize, Zusammenarbeit mit Devonte Hynes aka Lightspeed Champion und Blur-Bassist Alex James, ein Werbespot mit einem bekannten Telefonanbieter – der Hype im Vereinigten Königreich ist groß und in vollem Gange. Böse Zungen dürften nun behaupten, dass mit „And The Machine“ nicht der Teil des Bandnamens der Liveband von Florence gemeint sei, sondern die Maschinerie des Hochjubelns, die von der Musikindustrie angekurbelt wird – „Florence And The Industry“ sozusagen. Ganz so weit ist die Aussage nicht von der Wahrheit entfernt, was bei genauerem Hören des Albums Lungs auch auffällt.

Ohne Zweifel besitzt die junge Engländerin ein Riesenpotenzial. Ihre Stimme – kräftig, variabel, zum Teil auch sehr pathetisch und dramatisiert, aber absolut prägnant – trägt das Album durch seine schwachen Stellen und lässt es bei den guten Parts dem Ruhm gebührend glänzen. Zu jenen glorreichen Momenten gehören die Lieder, die zum Teil bereits zuvor im Internet herumschwirrten, dann im Frühjahr in Form einer EP mit dem doch recht uninspirierten Namen A Lot Of Love, A Lot Of Blood auf dem Markt getestet wurden und großen Anklang fanden. Darunter ist das treibende ‚Dog Days Are Over‘, welches in der Tat ein hervorragender Popsong ist, voll von starken Gesangsparts, rhythmischem Geklatsche und einem infektiösen Refrain. Des Weiteren das indie-kecke ‚Kiss With A Fist‘ mit ironischen, brutalen Lyrics und der vielleicht beste Track ‚You’ve Got The Love‘, eine Neuinterpretation des Hits von The Source und Sängerin Candi Staton. Über Florence Welchs starke Affinität zu Pop und Coverversionen konnte man sich schon abseits der CD beim leicht holprigen, aber wirkungsvollen Cover von Beyonces ‚Halo‘ ein Bild machen – die bessere Hälfte von Rapper Jay Z und auch Rihanna sind Vorbilder der jungen Britin.

Bei den neuen Liedern von FLORENCE AND THE MACHINE trumpfen jedoch nicht viele groß auf, die meisten bestechen eher durch eine zu glatt wirkende, überzogene Produktion, die grundsolides, aber mittelmäßiges Songwriting aufgebläht wirken lässt. Einzig ‚Cosmic Love‘ und ‚Bird Song‘ fallen aus dem Rahmen, wobei letzterer einer von sieben Tracks auf der Bonus-CD ist, die sonst ein kurzes Intro, zwei belanglose, unbeeindruckende Demos bekannter Songs, eine unsinnige Percussionversion und zwei Lückenfüller zählt. Mit Ausnahme des stimmlichen Könnens versagt auch der Rest der Scheibe beim Unterfangen, den Zuhörer mitzureißen und verliert sich in gesichtslosen Hintergrundarrangements ohne Fokus.

Das Werk wirkt somit ein wenig wie die Lyrics von ‚Cosmic Love‘: „No dark, no day, I’m always in this twilight“. Licht und Schatten wechseln sich ab, während es hierbei jedoch eher altes Material ist, was gut produziert in Helligkeit erstrahlt. Aber in diesem Fall sollte man Vorsicht mit allzu vernichzender Kritik am Hype-Child walten lassen, denn Florence Mary Leontine Welch zeigt auf Lungs durchaus
Potenzial. Ob dieses genügt, oder ob es wie so oft nur viel Lärm um Nichts ist, wird sich in der schnelllebigen Musikwelt ziemlich bald herausstellen.

FLORENCE AND THE MACHINE am 12.10.09 live in Berlin/ Frannz Club

FLORENCE AND THE MACHINE
Lungs
(Island Records Group/ Universal)
VÖ: 10.07.2009

www.florenceandthemachine.net
www.myspace.com/florenceandthemachine

Autor: [EMAIL=marius.funk@popmonitor.de?Subject=Kontakt von der Website]Marius Funk[/EMAIL]

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