G Flip | Vom Schlafzimmer auf die Bühne

Foto: Reuben Moore

Nach einer Reihe an Konzerten in England kam G FLIP kürzlich nach Berlin. Kaum angekommen, schrieb die produktive Australierin einen neuen Song. Mit dem Schreiben von Liedern ist die Künstlerin, die bürgerlich GEORGIA FLIPO heißt, bestens vertraut: Seit 2017 hat sie kaum etwas anderes getan. Flipo verbrachte das Jahr in ihrem Zimmer, schrieb Texte und Melodien und brachte sich nebenher selbst das Produzieren von Songs bei. Das zahlte sich aus, denn nachdem sie im Februar 2018 ihren ersten Track „About You“ bei triple j Unearthed hochgeladen hat, wurde sie über Nacht zum Star.

Wie lange bist du jetzt schon unterwegs?

Puh, keine Ahnung. [überlegt] Ich denke etwa einen Monat. Ich habe meine letzte Show daheim gespielt und fünf Stunden später saß ich im Flugzeug nach Übersee. Die letzten Wochen waren verrückt, aber ich habe so viel Spaß!

Warst du auf all das, was gerade passiert, vorbereitet?

Als Drummerin habe ich schon sehr lange live gespielt und ich war noch nie schüchtern oder ängstlich auf die Bühne zu gehen. Ich fühle mich dort sehr zu Hause. Die Frage war: Wie bekomme ich die Songs, die gut in meinem Schlafzimmer klingen, auf die Bühne? Ich habe nicht genug Arme dafür. Einer meiner besten Freunde spielt jetzt mit mir und vor der ersten Show in Texas beim SXSW haben wir diesen anderen Typen in LA kennengelernt und jetzt ist er Teil der Band, weil er großartig ist und zu uns passt. Und dann habe ich ihnen die Lieder beigebracht. Ich verbrachte ein Jahr in meinem Schlafzimmer mit Planen und Musik schreiben und mentaler Vorbereitung, aber ich habe nicht erwartet, dass es so steil nach oben geht.

Es war der Traum deiner Schlagzeuglehrerin, durch die USA zu touren und du hast das an ihrer Stelle getan.

Als sie mir als Kind Schlagzeug spielen beibrachte, sprachen wir über das Touren und wie viel Spaß es machen würde, in einem Tourbus unterwegs zu sein. Um die Welt zu Touren. Ich habe sie vergöttert und es war das Coolste, dass sie in einer Band spielte. Sie wollte immer Touren und hat davon so viel gesprochen. Als sie verstarb, bin ich nicht losgezogen, um das für sie zu machen. Es war immer mein eigener Traum. Aber es wurde mein Traum, weil sie mein Idol war. Sie brachte mir alles bei, was ich wusste und ich wollte Touren, weil wir so viel darüber sprachen, als ich klein war.

Hattest du das Gefühl, dass sie mit dir auf Tour war?

Wenn sie nicht in meinem Leben gewesen wäre, würde ich jetzt nicht hier sitzen. Sie hat mir meine Freude gegeben. Das zu machen ist der ultimative Traum. Alle Menschen, die mir wichtig sind, habe ich kennengelernt, weil ich angefangen habe Schlagzeug zu spielen, daher hat mir meine Lehrerin meine Welt gegeben. Als ich mein Schlagzeug gebaut habe, habe ich es nach ihr benannt und auf der Innenseite steht: „Je Ro Mo – powered by the spirit of Jenny Morrish“ Ihr Geist lebt in dem Schlagzeug und sie reist mit um die ganze Welt.

Du hast also ein Jahr in deinem Schlafzimmer verbracht, um all das, was jetzt passiert, vorzubereiten. Wer hat dieses Engagement finanziert?

Nach dem Aufstehen, also etwa 8:30 Uhr, habe ich angefangen, in Schlafzimmer zu arbeiten, also die Musik zu schreiben und zu produzieren. Das habe ich gemacht, bis meine Schlagzeug- und Gitarren- und Pianoschüler*innen kamen, die ich in meinem Schlafzimmer unterrichtete. Unterrichtet habe ich von 16:30 Uhr bis 20 Uhr, fünf Tage die Woche. In Australien verdient man gut als Lehrer*in. Das bedeutet aber, dass ich jeden Tag den gesamten Tag in meinem Zimmer verbracht habe, der irgendwann ein stinkender Käfig wurde und ich bin auch kein ordentlicher Mensch.

In deinem ersten Musikvideo kann man das ja auch ein bisschen sehen.

Einige der Szenen, die ich mit meinem kleinen Bruder gedreht habe, schafften es mit dem ersten Take ins Video. Wir saßen in meinem Zimmer und haben Ideen zusammengetragen. Für mich war klar, dass ich das Video in meinem Schlafzimmer drehen möchte, weil da alles entstanden ist. Er schlug vor, mir einfach hinterherzulaufen und so war es dann auch.

Warum hast du „About You“ als erstes Lied veröffentlich?

Ich hatte viele Lieder, die ich hätte auswählen können. Das war eines der ersten Lieder, das vollständig fertig war und ich fand, dass es meine Musik als Gesamtkonzept am besten repräsentiert. Ich spiele Schlagzeug darin, es hat Synth-Töne, es hat meine Vocals. Deshalb hatte ich das Gefühl, dass es der richtige Song ist.

Wie viele Lieder hast du geschrieben, die du auch performen würdest?

Aktuell habe ich in meinem Set acht Lieder. Aber ich habe so viele Lieder, die alle in unterschiedlichen Stadien sind. Letzte Nacht habe ich beispielsweise einen guten Pre-Chorus, Chorus und Bridge geschrieben. Nun muss ich nur noch Verse schreiben und habe ein Lied fertig mit Gesang und Gitarre. Und dann nehme ich den Track in mein Schlafzimmer und produziere ihn oder treffe mich mit anderen Produzent*innen, die mir dabei helfen. Und so geht es mir mit vielen Liedern, dass sie auf unterschiedlichen Leveln fertig sind. Allein auf meinem Telefon habe ich 40 Sprachmemos zu verschiedenen Refrains und 40 Bridge-Ideen, die ich zusammenpuzzeln muss.

Das hört sich so an, dass du keine stringente Arbeitsweise im Schreiben deiner Lieder hast, sondern jedes komplett anders entsteht?

Ja, das stimmt. Der Song letzte Nacht wurde durch Emotionen inspiriert. Ich habe etwas Bestimmtes gefühlt. Manchmal stehe ich auf und spiele einfach einige Synths und nach einer Weile kann ich melodische Muster hören. Manchmal setze ich mich ans Piano und spiele einfach Akkorde und fange an zu singen. Das passiert recht häufig, dass ich einfach anfange Wörter auszuspucken, die mir einfallen.

Hast du dein Lied schon einmal im Radio gehört? Und wie hat sich das angefühlt?

Ich habe das Lied heute im deutschen Radio gehört! Wir waren im Auto und es wurde gespielt. Ich habe sofort ein Instagram Video gemacht und bin völlig ausgerastet. [macht ihre Aufregung nach] In Australien habe ich es glaube ich drei Mal gehört und jedes Mal kann ich es nicht fassen.

Gibt es etwas in deinem Leben, das dir so sehr am Herzen liegt wie die Musik?

Verliebt zu sein und Musikerin zu sein sind ungefähr auf gleicher Höhe. Und meine Familie, die in die Liebe-Spalte fällt.

www.gflipmusic.com

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