GONZALES (Solo Piano Tour) am 10.04.2004 im Hebbel Theater

Chily in F-Mayor.

Keine ausschweifenden Tanzeinlagen?! Keine mutliverbalen Rap-Attacken! Kein Spucken! Kein Safarihut! Keine PEACHES! Kein rosa Plüschanzug! Keine transspirituellen Ergüsse! Kein LOUIE AUSTEN! … konnte es sich hier wirklich um einen GONZALES-Gig handeln??? Ja, es konnte und ich möchte nicht wissen, wie viele der Anwesenden nicht mit dem gerechnet haben, was dann im Endeffekt im HAU 1 das Theater durchströmte.
GONZALES – The Entainest allein und (s)ein Flügel. Was sich am Enddrittel von Presidential Suite andeutete, wurde an diesem Abend klassische Realität. Der Meister kann unterhalten, ohne sich der oben beschriebenen Verhaltensweisen bedienen zu wollen. Im ersten Teil dieser virtuosen Meisterleistung kann ich nicht sagen, ob sich GONZALES seiner oder anderer Kompositionen bediente, doch das spielte beim Genuss dieser nicht die geringste Rolle, und man lauschte und verlor sich in der als Grobmotoriker unbegreifbaren Fingerfertigkeit des Kanadiers. Das war’s dann auch, und man vermisste nichts … überhaupt nichts … nicht mal den tosenden Applaus zur Pause.
In Teil zwei begann GONZALES dann Interpretationen seiner Pesidential Suite, die zu erkennen teilweise eines sehr musikalischen Gehörs von Nöten waren und ließ auch von diesen nicht mehr ab. ‚Shameless Eyes‘, ‚Take me to Broadway‘, ‚Scheme and Variations‘ und das ‚Concerto in F-minor‘ glaube ich in jedem Fall erkannt zu haben.
Ganz ohne mit dem Publikum zu interagieren, ging es dann aber doch nicht. Der gemeine Deutsche Lauscher lernte von GONZALES, dass Kanada kein sehr christliches Land sei, und Kanadier deshalb sehr auf den Schokoladenteil von Ostern fixiert seien, weshalb er persönlich 400 Eier im HAU versteckt habe. Ob die vergebliche Suche nach ihnen dann nur dazu diente an seinen dritten Hoden zu erinnern, werden wir wohl nie erfahren.
GONZALES zog es vor, sich nun auf der Videoinstallation der Klaviatur seines Flügels selbstverliebt beim Spielen zu beobachten.
Ende Teil zwei … tosender Applaus und auf Publikumswunsch eine „fast and strong“-Zugabe. Das Ganze wiederholte sich dann nochmal, und wenn er die zweite einminütige Zugabe nur 30 Sekunden langer gespielt hätte. Ich bin mir sicher, könnte ich nun schreiben, um welches Cover es sich handelte.
Zurück bleibt ein warmes Gefühl, die Gewissheit, an etwas Aussergewöhnlichem teilgenommen zu haben und die Perspektive, dass man nicht schön sein muss, um der Grösste zu sein.

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