GRINDERMAN am 14.10.2010 in der C-Halle


„It makes it hard to relax!!!“



Dem noch in den Gliedern steckenden Jetlag war es geschuldet, dass die Autorin unverzeihlicherweise den Beginn des GRINDERMAN-Spektakels versäumte. Schon vor der C-Halle war der Opener des ersten Albums Get it On zu vernehmen. Da hieß es: Beine in die Hand genommen, Jacke in die Garderobe geworfen und in die Menge gestürzt. Da das Publikum, wie zu erwarten, hauptsächlich jenseits der 35 anzusiedeln war, ließ sich schnell in die vorderen Reihen vordringen. Dort tummelte sich auch die energetischere Fraktion des Abends, die der teuflischen Predigt CAVEs mit ekstatischen Gebärden Tribut zollte.

Einer Feuerwalze gleich überrollte GRINDERMAN die Halle, und manch einem stellten sich die Haare auf, denn nicht jedem haben der Sturm aus den Boxen und die Brachialität, mit der ziemlich das komplette Material beider Veröffentlichungen präsentiert wurde, zugesagt. Dabei lieferten CAVE, ELLIS, CASEY und SCLAVUNOS die Blaupause einer Rockshow ab!!! Vielleicht beflügelt durch die Tatsache, wieder in der geliebten Stadt Berlin zu spielen oder weil die Mondphase die Werwölfe in ihnen kitzelte, berserkerten sich GRINDERMAN durch ihre Songs.

NICK CAVE erschien an diesem Abend bartlos, was WARREN ELLIS mit seiner immensen Gesichtsbehaarung, die seine Tollheit noch unterstrich, wieder ausglich. Jener malträtierte die Violine im Taumel, dass die Rosshaare rissen und sich kräuselten; fehlte nur noch, dass ELLIS sich selbst beim Barte genommen hätte, um über die Saiten zu fegen. Bei ‚Evil‘ beugte und drehte sich CAVE wie ein Matador, der den Stier bezwingen möchte. Mit durchdringendem Eisblick und ausladenden Gesten beschwor er das Publikum im Graben vor ihm. Man wirbelte vom Menschlichen ins Animalische, man schnaubte und prustete. Bei ‚Honey Bee‘ legte NICK CAVE die Arme an, schlug mit seinen „Flügeln“ und summte wie ein ganzer Schwarm tödlicher Insekten.

Irgendwann muss WARREN ELLIS verrückt geworden sein, denn als er in für den Zuschauer nicht nachvollziehbarem Rhythmus Becken und Rasseln drangsalierte, erntete er selbst von CAVE eine hochgezogene Augenbraue. Aber selbstverständlich wusste der Genius, was er dort tat. Der Frontmann (auch wenn es streng genommen bei GRINDERMAN keinen solchen gibt) selbst schien ebenfalls jenseits von Gut und Böse angekommen zu sein, als er geschlungen in Mikrofonkabelei die Frustration des ‚No Pussy Blues‘ von der Bühne brüllte: „Damn!“ – Großartig!

Die Ausbrüche und Eskapaden waren durchsetzt von rituell anmutendem Instrumentalen, während derer voodoo-esque Tanzbewegungen zelebriert wurden. Die Menschen vor der Bühne sollten auf die Knie fallen und den Hohepriestern huldigen. Der Puppenspieler CAVE hatte alle Fäden in der Hand!

Mit vier Zugaben wurde das Berliner Publikum belohnt. Das bis dahin in Türkis und Lila hypnotisierende Licht schwenkte zu blutigem Rot und Gold und tauchte die Band in einen heiligen Glanz. Der Antichrist sang „I’m the grinderman, anyway I can / In the silver rain / In the pale moonlight…“ und bezirzte seine Jünger.

Als GRINDERMAN ihre Bühne verließen, blieb die Entrückung – der Ritt durch die Hölle, der an Expertise kaum erreicht werden kann, war überlebt worden.

www.grinderman.com

Autor: [EMAIL=alexandra.wolf@popmonitor.de?Subject=Kontakt von der
Website]Alexandra Wolf[/EMAIL]

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