I BLAME COCO – The Constant


Coco crazy.



Es ist immer schwierig, eine musikalische Karriere zu starten, wenn schon der Vater seine Spuren auf dem Musikmarkt hinterlassen hat. Wenn man noch dazu nicht gerade wie Britney Spears aussieht, könnte man im schlimmsten Fall wie Kelly Osbourne enden. Coco Sumner scheint allerdings keine Gefahr zu laufen, diesen Weg einzuschlagen. Ihr Debütalbum, das sie jetzt unter dem Namen I BLAME COCO veröffentlicht, kann sich hören lassen.

Mit 15 begann sie, Songs zu schreiben und jetzt, mit gerade mal 20 Jahren stand sie schon mit Pete Doherty, Fyfe Dangerfield und Miike Snow auf der Bühne und veröffentlicht ihr Debütalbum. I BLAME COCO wird als heiße Ware gehandelt. Dahinter verbirgt sich die Tochter von Sting. Doch eigentlich möchte sie weder Stings Tochter, noch Popstar sein, sondern einfach ein Mädchen aus England, das Musik macht. Mal hören, ob sie sich mit ihrem ersten Album aus dem Schatten ihres Vater freiboxen kann.

Es beginnt mit einer Geschichte über einen Roboter, der darauf programmiert ist, nur sich selbst zu lieben. Deswegen verlassen ihn bald alle seine Roboterfreunde und er ist ganz allein. Das ist nur eins von mehreren eigentlich bedrückenden Themen, mit denen sich Eliot Pauline Sumner aka Coco beschäftigt. Es geht um nicht funktionierende Beziehungen, um Angst und Frustration und unglückliche Katzen. The Constant, das die 20-jährige Engländerin in Schweden aufnahm, scheint nicht gerade heiter und aufbauend zu sein. Doch… Fräulein Coco kann das alles so verpacken, dass man es überhaupt nicht mitbekommt. Oder dass es einen zumindest nicht den Hörgenuss verhagelt.

Wie sieht es nun also aus, das Album, das aufgrund der hohen Erwartungen an den berühmten Namen des Papas wohl nur selten ganz objektiv besprochen werden wird. Und dabei ist das falsch. I BLAME COCO ist ein Projekt, das die Stärke hat, ganz für sich zu stehen. Dieses dünne kleine Mädchen mit dem herben Gesicht und ihrem grungigen Gossip Girl-Look hat zuerst einmal eine Stimme, die an Wiedererkennungswert einiges vorweisen kann. Hinzu kommt, dass sie Texte schreibt, die nicht platt und Plattitüde sind. Sie selbst meint dazu, die Texte würden aus ihrem Unterbewusstsein kommen und immer erst später Sinn ergeben.

Musikalisch bedient sich I BLAME COCO beim Power-Pop (‚Please Rewind‘), beim 80er- und Elektro-Rock (‚Turn your Back on Love‘ oder ‚Caesar‘, zu dem Robyn ein paar Lyrics beigesteuert hat), zuweilen Reggae (‚No Smile‘)… Man hört eine Menge Synthesizer und ab und an sogar ein…. ähm, House-Piano (‚Quicker‘). Irgendwie ist jeder Song eine Single und man kann dazu tanzen wie Roisin Murphy zu ‚The Time is Now‘, nur ohne Slow Motion. Dance-Tracks, catchy Tunes und andere hippe Anglizismen können für die dreizehn Lieder auf The Constant verwendet werden.

Ähnlich wie bei Marina & The Diamonds steht hinter I BLAME COCO ein Konzept, das
funktionieren könnte. Ein Mädchen mit Ideen, einem roten Faden und zeitgemäßer Popmusik. Coco Sumner hat bereits einen Vertrag über drei Alben in der Tasche. Es wird sich also zeigen, ob The Constant ein Buschfeuer oder ein Waldbrand ist. Und falls das bis jetzt nicht richtig rauskam: Fürs erste ist es ein Waldbrand.

I BLAME COCO live am 22.11.2010 in Berlin// Berghain (verlegt vom Roten Salon)

I BLAME COCO
The Constant
(Island/ Universal)
VÖ: 02.11.10

www.iblamecoco.co.uk
www.myspace.com/iblamecoco

Autor: [EMAIL=melanie.gollin@popmonitor.de?Subject=Kontakt von der Website]Melanie Gollin[/EMAIL]

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