MOHNA + TOUCHY MOB am 21.10.2010 im Bang Bang Club


„Es gibt nichts Ärmeres als eine Wahrheit, ausgedrückt wie sie gedacht ward.“



Vielleicht wird er immer der „bärtige Mann“ sein, den man aus der Notwendigkeit einer automatischen Klassifizierung heraus als den Einsiedler visualisert, der an mehr und mehr Abenden hinaus aus dem urbanen Naturreich in verschiedene Clubs transplantiert wird, um dort den Rausch seiner Bilder zu besingen.

„clean as i have never been before your face got washed off my shirt.“
TOUCHY MOBs Bühnenkunst ist keine dichte Masse, sondern die fragmentarische Erzeugung einzelner, verdeckter Melodien, die gerade durch ihre sorgfältige Streuung großen Nachhall erzeugen. Es gibt elektronisch aufgebaute Wellen neben akustischer und ins Besondere stimmlich beeindruckender Songgerüste; alles ist schwankend zwischen Empfindsamkeit und Widerborstigkeit, Verletzlichkeit und Zerstörung (es ist sehr schön, dass sich viele dieser Lieder kostenlos auf TOUCHY MOBs Homepage finden lassen).

MOHNAs Erkundungen einer Kinderseele wurden das erste Mal publik schon vor vielen Monaten, als sie ihr Debütalbum 1985-1994 veröffentlichte; sie bewegen die Hamburger Musikerin heute Abend wieder dazu, in vorsichtiger Tonkunst Rückwendungen in die Vergangenheit zu betreiben. Vielleicht, um passierte Zerstörung und Leid ungeschehen zu machen, vielleicht auch einfach, um zu verweilen und zu erinnern durch eine Musik, die erlaubt, das Fremde zu verstehen, ohne dass es aufhört, fremd zu sein.

Kraft ihrer Stimme spinnt Mona Steinwidder Märchen wie mit ‚On the Quiet‘, von dem es auch ein Video gibt, in welchem sich die Künstlerin Stück für Stück den Mund mit schwarzem Klebeband zuklebt. Es sind nur wenige Klavieranschläge nötig, um die zerbrechliche Traurigkeit dieser Stimme zu unterstützen, die paradoxerweise immer gleichzeitig virtuos und sehr, sehr zurückhaltend klingt. Dass MOHNA dabei in ihrem Versuch, „lauter als Ludwig“ (aka TOUCHY MOB) zu sein, scheitert, hindert sie nicht daran, seiner Aufforderung nachzugehen, ihm eine eigene Coverversion zu widmen. Diese wiederum zeigt wieder, wie gut alles an diesem Konzertabend zueinander passt. Gemeinsam schaffen TOUCHY MOB und MOHNA in Berlins Mitte eine Atmosphäre voller Magie und Seltsamkeit, die langsam unter den ruckelnden Schienen der S-Bahnen verhallt.

http://www.mohna.net
http://www.myspace.com/mohna
http://touchymob.com
http://www.myspace.com/touchymob

Autor: [EMAIL=lisa.forster@popmonitor.de?Subject=Kontakt von der Website]Lisa Forster[/EMAIL]

Facebooktwittergoogle_pluspinterestlinkedintumblrmailFacebooktwittergoogle_pluspinterestlinkedintumblrmail