INCUBUS + A HUNDRED REASONS live am 20.04.2004 in der Columbiahalle

Nur für Frauen…

Es gibt hundert Gründe, pünktlich auf einem Konzert zu erscheinen. Einer ist, sich den Gig von A HUNDRED REASONS im Vorprogramm von INCUBUS zu gönnen, um den härtetechnischen Ausgleich zum Hauptgig zu bekommen … doch dazu gleich mehr.
Ja leider fiel mir am besagten Abend keiner dieser hundert Gründe ein, was nicht an der Band sondern an mangelndem Zeitmanagement meinerseits lag, denn das, was ich in den letzten fünf Minuten von A HUNDRED REASONS noch mitbekam war straighter Rock, der Lust auf einen noch straighteren Gig von INCUBUS machen sollte.
Die Erkenntnis, dass der Sangeskünstler von A HUNDRED REASONS den gleichen Friseur zu konsultieren gedenkt wie der Gitarrist von INCUBUS gab’s gleich inklusive.

Meine eigentliche Vorband war der arme Bretzelverkäufer, der mit einer Fahrradklingel und einem Grundschul-Fahrradfähnchen bewaffnet, versuchte, seine Backwaren an den Mann oder weil die Wahrscheinlichkeit größer war, an die Frau zu bringen. Das sollte außer einem 0,5 Liter – 5 Euro-teurem Bier leider das Groteskeste sein, was mich an diesem Abend erwarten sollte.

Licht aus … Jubel … Licht wieder an …. wieder aus … wieder Jubel (es funktioniert!) und Simsalabim standen INCUBUS da, um sofort und unverzüglich mit ‚Megalomaniac‘ klar zu stellen, was heute geboten wird – die Tour zu A Crow Left Of The Murder. ‚A Certain Shade Of Green‘ lud dann auch zum Hüpfen ein und bildete den Höhepunkt und das Ende der heutigen Rockshow.
Denn von nun an gab es eine kleine Exkursion darüber, was aus einer Band werden kann, die mit der ähnlichen Genialtität wie FAITH NO MORE ins Rennen ging und vom Erfolg korrumpiert wurde.
Von diesem Zeitpunkt an waren INCUBUS so sehr bemüht, es ihren hauptsächlich weiblichen Fans mit ihren „Och mach mich heut zum Affen-Freunden, …weil ich die Hoffnung hab dich heute abend noch bumsen zu dürfen“, Recht zu machen. Dies gipfelte in einer fünf Songs dauernden Mitsing-Arie featuring ‚Wish You Were Here‘ und diesen Hit, wo es heißt “ bla bla bla bla bla ill beeeeee theeereeee“.

An den sanglichen Künsten von Herrn BOYD und den instrumentalen der restlichen Band gibt es keine Zweifel. Doch immer, wenn ein Sänger das Gefühl hat, dass die Aufmerksamkeit für seine Kollegen zu gering ist, gönnt man diesen Solos. Jenes Defizit durften diese dann auch in vieeeel zu langen Ausschweifungen ihrer Kunst einem frenetisch dazu jubelndem Publikum kund tun.
Dann nochmal ein kurzes Aufbäumen des Rocks, um sofort in die Angst zurückzufallen, die meinungsbildenden Damen zu überfordern.
Bei der Zugabe mit ‚Are You In‘ war ich schon out… geistig.

Im Großen und Ganzen ein bisschen zu wenig musikalischer Wahnsinn. Ich bin mir aber sicher, dass am Ende des Abends viele Mädchen ihren Spaß und viele Jungs noch Sex hatten, was das Konzert in diesem Kontext dann doch zum Erfolg werden ließ.

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