INTERPOL – Antics

Die oftmals gültige Formel „Brillantes Debütalbum = schwacher Nachfolger“ geht bei den New Yorker Postpunk-Wavern glücklicherweise nicht auf…

Mit Turn On The Bright Lights lieferten die New Yorker vor zwei Jahren gleich mit ihrem Debütalbum einen schwer zu überbietenden Meilenstein in Sachen rückwärtsgewandtem, aber grandios wiederbelebtem Postpunk-Gitarrenwave.
Wo sich gegenwärtig im 80er Retro-Boom Bands wie THE KILLERS explizit auf THE CURE und DURAN DURAN oder die schottischen Durchstarter von FRANZ FERDINAND auf die TALKING HEADS oder WIRE beziehen, war bereits auf INTERPOLS brillantem Debüt insbesondere die Affinität zum Sound von Bands wie JOY DIVISION, den COMSAT ANGELS oder den CHAMELEONS nur allzu offensichtlich.

Dieser Tage erschien nun also der mit großer Spannung erwartete Nachfolger, und so richtig wusste man gar nicht, ob man nun auf einen erneuten (und kaum für möglich gehaltenen), stilistisch unveränderten Geniestreich hoffen oder sich von einer wie auch immer gearteten Weiterentwicklung überraschen lassen sollte.
Mit dem Opener ‚Next Exit‘ führt Antics zunächst auf eine leicht abseitige Fährte, dunstig-spaciges Keyboard-Wabern trifft hier auf schleppende Düsternis, die sich zum Ende hin allerdings in vorsichtig optimistische Helligkeit verwandelt. Mutet dieser Sound im INTERPOL-Kontext zunächst einmal zumindest etwas ungewöhnlich an, werden gleich im Anschluss etwaige Gedanken hinsichtlich einer eventuell vorgenommenen musikalischen Kurskorrektur mit dem eingängig-rasanten ‚Evil‘ förmlich weggeblasen, das ebenso wie die vorab veröffentlichte Single ‚Slow Hands‘ die charakteristischen Uptempo-Ingredienzen des Debütalbums von Songs wie ‚PDA‘ oder ‚Roland‘ aufgreift und mit fesselnden Killer-Refrains, phräsenden Postpunk-Gitarren und dem außergewöhnlichen und stets eindringlichen Gesang von PAUL BANKS besticht.

Doch auch den gefühlvoll-atmosphärischen und sehnsüchtigen, die für die 80er Jahre typischen Gitarren-Delayeffekte hochleben lassenden Songs wurde wieder Platz eingeräumt, wie die mit intelligentem Songaufbau und hypnotischen Melodien aufwartenden ‚Take You On A Cruise‘ oder ‚Public Pervert‘ eindrucksvoll belegen.
Neben dem ungewöhnlichen Opener setzen INTERPOL aber auf Stücken wie ‚Not Even Jail‘ oder ‚Lengh Of Love‘ auch noch häufiger auf weitere, von ihnen bislang weniger bekannte Kost, wenn sie mit recht Keyboard-lastiger Instrumentierung oder fast munter swingenden Melodien vom ansonsten dominierenden Sound abweichen.

Insgesamt erreichen INTERPOL auf Antics vielleicht nicht ganz die kohärente Klasse und überragende Qualität ihres meisterhaften Debütalbums, doch frönen sie erneut mit großen Songwriter-Fertigkeiten und charmanter Coolness ungeniert ihrer ganz eigenen Vision von einer zwar nostalgisch angehauchten, aber derzeit ja ebenso zukunftsweisenden, leidenschaftlichen Gitarrenmusik zwischen aufwühlender Leidenschaft und sentimentalem Gefühl.


INTERPOL
Antics
(Labels/ EMI)
veröffentlicht

http://www.interpolny.com
http://www.labelsmusic.de

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