NACHLADER + COBRA KILLER a. 30.09.2004 in der Kulturbrauerei

Berlins Elektropop-Szene wächst und wächst.

Nachdem bereits die MEDIENGRUPPE TELEKOMMANDER und DIE TÜREN in diesem Jahr über die Stadtgrenzen hinaus Erfolge feierten, hat im August auch DANIEL BAUMANN, alias NACHLADER, seine Debüt-Single Arbeitsgeld veröffentlicht. Grund genug, seinen Auftritt im Rahmen eines Popkomm-Showcases genauer zu betrachten.

Pünktlich um 20:30 Uhr betritt NACHLADER die Bühne. Leider ist zu dieser Zeit noch relativ wenig vom Publikum zu sehen. Nur ca. 40 Leute haben sich bisher im Club 23 Silver der Kulturbrauerei eingefunden. Also zum erfreulicheren, das fand nämlich auf der Bühne statt.

Live wird der Soundtüftler, der seine Songs am heimischen Rechner bastelt, durch einen Schlagzeuger und SERGE KOOL, bewaffnet mit einem Umhänge-Synthie und gelegentlich mitsingend bzw. -rappend, unterstützt. Dadurch bekommen die Songs sehr viel mehr Power als auf der Platte und so soll’s ja auch sein. Auch der Sprechgesang wird auf der Bühne deutlich kraftvoller vorgetragen. Sogar die Gitarre, die er laut einem seiner Songs verkauft hat, „weil ich gedacht hab, dass ich lieber programmiere“, kommt gelegentlich zum Einsatz. Den drei Herren auf der Bühne ist deutlich anzusehen, dass sie an ihrer Musik und dem Live-Gefühl jede Menge Spaß haben.
Diese Energie kommt sehr schnell auch beim Publikum an, das fast ausnahmslos mitwippt.
In einem besser gefüllten Raum wären ab dem zweiten Song alle Besucher gesprungen, jede Wette. So aber versucht NACHLADER mit mäßigem Erfolg, das Publikum durch Auslobung von CDs direkt vor der Bühne zu konzentrieren. Viel Zeit für Ansagen bleibt ihm ansonsten aber nicht, zu eng ist der Zeitrahmen bei einem solchen Showcase geschnürt.
In der Zugabe wird sogar noch „Take Me Out“ von FRANZ FERDINAND, textlich verändert, kurz angespielt.
Nach 45 Minuten ist aber endgültig Schluss. Der Applaus der Zuschauer spricht Bände: NACHLADER macht live noch mehr Spaß, als er es auf Platte ohnehin schon tut.

Auf der Bühne geht es auch weiterhin rasant zu. Viel Zeit zum Durchatmen bleibt nicht, schließlich sollen in wenigen Minuten COBRA KILLER die Bühne entern.

Mit etwas Verspätung erscheinen die beiden Berlinerinnen „KWIKEST“ ANNIKA LINE TROST und „WILDEST“ GINA V. D’ORIO in gewohnt knappen Outfits. Das Publikum hat sich mittlerweile verdoppelt – immerhin.
Auf der Bühne herrscht von der ersten Minute an Extase, was das Publikum sofort zum kochen bringt. COBRA KILLER überzeugen mit einer Mischung aus stampfenden Beats, lärmenden Synthis und Samples sowie aggressiv bis kreischend vorgetragenen Texten, oder besser gesagt Slogans.

Ähnlich trashig wie der Sound ist auch die längst berüchtigte Bühnenshow des Duos. So zeigt sich auch heute wieder ihre Vorliebe für Rotwein, den man trinken oder als Dusche benutzen kann. COBRA KILLER machen beides. In regelmäßigen Abständen werfen sie sich auf dem Boden und singen im liegen weiter. Der Rotweingeruch ist längst in den hinteren Reihen angekommen, was wohl das Optimum des Live-Gefühls sein muss, denn bei welchem Konzert (KELLYS zählen nicht) kann man die Künstler schon riechen? Auch der Ausflug in die Zuschauerreihen bleibt nicht aus und zum Perspektivenwechsel wird die Lichttraverse erklommen und für akrobatische Übungen zweckentfremdet. Nach einer knappen halben Stunde – für den Geschmack des Publikums viel zu früh – ist das Spektakel aber auch schon wieder vorbei.

Spaß hat’s gemacht, da sind sich alle einig. Und wenn die Popkomm vorbei ist, wird es trotzdem noch Konzerte in Berlin geben. Bestimmt auch von COBRA KILLER und NACHLADER. Dann hoffentlich etwas länger. Das Hingehen wird sich in jedem Fall lohnen.

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