Interpol – This Mirror Weighs A Ton

INTERPOL haben einen weiten Weg hinter sich und dürfen inzwischen als Kultband bezeichnet werden. Die letzten Nebenveröffentlichungen waren Antics zum 20. Jubiläum und Live at Third Man Records, beide 2024. Vier Jahre nach The Other Side of Make-Believe erscheint nun das achte Studioalbum mit dem gewichtigen Titel This Mirror Weighs A Ton. Als Producer wurde Andrew Wyatt verpflichtet, der schon für LIAM GALLAGHER (OASIS), LADY GAGA und FLORENCE AND THE MACHINE tätig war. Als Mischer wirkt David Fridmann (THE FLAMING LIPS, TAME IMPALA).

Die aktuelle Besetzung besteht aus Sänger PAUL BANKS (Gitarre), DANIEL KESSLER (Gitarre), SAM FOGARINO (Drums), BRANDON CURTIS (Keys) und BRAD TRUAX (Bass). Dabei auf Europatour ist für die Drums auch MATT BARRICK (THE WALKMEN). Er und BANKS kennen sich noch von der Artrockband MUZZ.

Das Titelstück beginnt als verhaltener Elektro-Indiepop mit Gitarrenakzenten und traumhaften Frauenvocals. Banks‘ Gesang führt durch die schwebende Stimmung. Auch der Refrain funktioniert. Nach diesem ruhigen Einstieg folgt mit „See Out Loud“ ein klassischer Interpol-Postpunk: Chorgesang, Indiegitarre, drückender Bass. Es geht um Freundschaft und Liebe, die sich auf dem Dancefloor wiederfindet: „5am, teeth marked skin, I can see out loud and I know I start to feel pixelated, as we get buried in the sound.“ Auch „Wings On Fire“ ist eher als Single produziert, als etwas Neues zu versuchen.

In „Iron City“ wird am Keyboard New York beschrieben, bevor eine Art dramatischer Indie-Citypop folgt. Auf dieses leichte folgt ein schweres, tolles Stück mit „Wounded Soldier“, das sich aber weiter im Midtempo gemütlich macht.

In „Ever The Actor“ zieht sich Banks von der bitteren Realität in die Kunst zurück: „This is my old country – endless sleep or do tyrants glare? It is over now, obsolete.“ Hier entwickelt sich eine tolle Drum-Gitarren-Dynamik, in die seine Vocals stürzen. Und im winterlichen „So Rides the Reindeer“ wird eine dünne Orgel eingesetzt, wie auch in „Wake Up“ eine spaßige Gitarrenmelodie. Das ist eher Britpop als Postpunk. 

Ein Bisschen einfach fällt der Elektropopsong „Enemy“ samt Frauenbackings und Streichern aus. Spaciger, aber ehrlicher wirkt der Pianotrack „Sudden“.

Ein weiteres annehmbares Album von Interpol liegt also vor, leichter als die meisten vorangehenden. Sie wirken wie TRAVIS, die auch immer entspannter, aber nicht irrelevant wurden.

 

INTERPOL
This Mirror Weighs A Ton
(Partisan Records)
VÖ: 28.08.26

Live

11.11.26, Berlin, Uber Arena
12.11.26, Hamburg, Barclays Arena
14.11.26,  Düsseldorf, PSD Bank Dome
FacebooktwitterpinterestlinkedintumblrmailFacebooktwitterpinterestlinkedintumblrmail