Interview mit AMAZING BABY


Auf ein Bier mit Will und Don von AMAZING BABY, die mit ihrem psychedelischen Folkrock bald MGMT beerben könnten.



Es ist ein lauer Sommerabend in Kreuzberg und AMAZING BABY geben Interviews, während gleichzeitig das Hoffest ihres Labels und der angrenzenden Mieter läuft. Während nebenan Simon O’Connor und Matt Abeysekera dem Vice Magazin Rede und Antwort stehen, empfängt mich Will Roan mit den Worten „Let’s make this quick“. Es ist ihr achtes Interview heute Abend, gerade haben er und Don Devore erfahren, dass es keine Chicken Wings mehr gibt und insgesamt ist alles ein bisschen hektisch und laut. Als sie jedoch endlich ihr Bier in die Hand gedrückt bekommen, werden beide entspannter und sogar ganz schön redselig.

popmonitor.berlin: Ich habe verschiedene Theorien über Euren Bandnamen gelesen… angeblich stammt er von einem Internetvideo über ein seltsames Wunderbaby, ist das denn wahr?

Will: Er bedeutet überhaupt nichts. Es klingt einfach gut auf der Zunge, und so können wir einfach eine breitere Verbindung zwischen Klang und Bedeutung herstellen. Aber eigentlich bedeutet es überhaupt gar nix.

Und der Name Eures Albums, Rewild? Auf deutsch sieht es geschrieben fast so aus wie „Rehwild“, unsere Freunde aus dem Wald…

Will: Oh, wirklich? Ich mag das, wenn der Titel auf verschiedenen Sprachen einen so unterschiedlichen Klang hat.
Don: Das ist einfach eine Ansammlung von Dingen, Gedanken und Gefühlen… es soll irgendwie alte Gefühle und gleichzeitig einen Neubeginn demonstrieren.
Will: So was wie ein regressiver Fortschritt oder so.

Als ein Haupteinfluss Eurer Musik gilt der deutsche Krautrock. Wie seid ihr denn dazu gekommen?

Don: Ja, das ist einer unserer Haupteinflüsse… das kommt einfach daher, dass wir gute Musik zu schätzen wissen.
Will: Wir mögen alles Mögliche… Kurt Weill mag ich ganz besonders. Und Bertolt Brecht, ich habe viel von ihm gelesen. Deutschland ist echt ein faszinierendes und großes Land.

Ich mag Euren Song ‚Head Dress‘ total und vor allem das Video dazu… Wald, Feuer, elfenartige Mädchen… das passt total zur heutigen Walpurgisnacht… wisst Ihr denn überhaupt, was heute für ein Tag ist?

Will: Ja, meinst Du die Aufstände, die heute Nacht stattfinden? Dieses Video ist was ganz besonderes für uns, es ist schnell und hektisch…
Don: am Set sind so viele Sachen passiert –
Will: wir haben es in der Nähe von Woodstock gedreht –
Don: es war im Oktober und ich musste ins Wasser springen, es war eiskalt und so schattig, dass ich überhaupt nicht abschätzen konnte, wie tief es überhaupt ist. In fünf Tagen gehen wir übrigens nach Paris und drehen ein neues Video für diesen Song.

Warum das denn?

Will: Naja, das Video kam raus, bevor wir überhaupt einen Plattenvertrag hatten, und jetzt soll ‚Head Dress‘ als erste Singleauskopplung gepusht werden und aus einem anderen Blickwinkel gezeigt werden.
Don: …einfach, um was Neues, Frisches zu machen.

Was hat es eigentlich mit dem „Geheimnis eures Erfolgs“ auf sich? Ist es wahr, dass Ihr einfach ein paar Songs ins Internet gestellt habt und dann plötzlich Mark Ronson auf Euch aufmerksam wurde und nicht aufgehört hat, immer wieder von Euch zu reden?

Will: Es fing eigentlich an, nachdem (überlegt eine Weile)… weißt Du, wie das ist, wenn man versucht, mit den Erwartungen seines eigenen Lebens zurechtzukommen? Vor ungefähr eineinhalb Jahren sind meine Werte, die ich bis dahin angenommen hatte, total auseinander gebrochen. Ich hatte so viel Geld und Zeit verschwendet, persönliche Beziehungen hatten auch was damit zu tun, und irgendwie ging es nicht weiter. Simon hatte zu dieser Zeit eine ähnliche Phase durchgemacht. Wir waren befreundet, zwar nicht supereng, aber wir hatten beide den gleichen Drang, irgendwas zu tun, weil wir mit der gegenwärtigen Situation nicht glücklich waren. Und so hat es ziemlich schnell „Klick“ bei uns gemacht.
Wir wussten gar nicht so genau, was wir machen wollten, wir haben erstmal drei Songs aufgenommen, bevor wir überhaupt ans Hochladen gedacht haben. Und dann kamen die anderen und als letzter Don dazu… wir haben alle davor in total unterschiedlichen Projekten gespielt und jetzt wissen wir einfach, dass das genau das ist, was wir für den Rest unseres Lebens machen wollen. Wir haben einfach Glück gehabt.
Will: Und hier sitze ich und rede mit meiner Schwester via Computer, trinke ein Bier und gebe ein Interview. Jeder hat hier gute Laune, das Wetter ist gut und die Stadt scheint irgendwie mit uns zu vibrieren. Ich glaube, ich habe jetzt gerade mehr Spaß, als wenn ich in Manhattan wäre.

Gestern hat hier in Berlin eine andere Band aus Brooklyn gespielt…

Don: Au Revoir Simone?

Ja genau, kennt ihr die etwa?

Will: Weißt Du was? Darüber kann ich dir ne super Story erzählen! Ich habe Erika und die anderen kennen gelernt… 2004 habe ich in Upstate New York eine Show mit ihrer alten Band gespielt. Es war mein allererster Auftritt mit meiner damaligen Band. Ich und meine damalige Freundin fanden die total klasse, deshalb wollten wir die auf unser Collegefestival holen. Wir haben also mit dem Festivalkomitee verhandelt und ich musste zehn Dollar von meinem Zimmernachbarn borgen, um ihnen einen Kasten Bier zu kaufen… es ist einfach brutal, wie pleite man manchmal ist. Ich hatte sie gebeten, direkt vor so einer Neunziger-Jahre Noise-Rock-Band zu spielen. Und dann war da auch diese Band namens „Bunny Brain“ und der Sänger John hasste mich damals total. Das ist echt so ne Type… er war totaler Fan von eben dieser Noise-Rock-Band. Er hatte einen Plattenladen und ich bin damals in ein Gebäude eingebrochen, das er verwaltet hat und habe ein paar Sachen mitgenommen, seitdem hatten wir einen Riesenkrach.

Jedenfalls spielte er auch auf diesem Festival in meinem College in der Nähe von Woodstock und er wollte unbedingt vor der Noise-Rock-Band spielen, aber sie wollten nicht, dass es noch ein Noise-Set vor ihnen gibt, und so wurden wir gefragt, ob wir dazwischen auftreten wollten. John ist daraufhin total ausgeflippt. Er hasste mich ja sowieso schon, aber von da an erst recht. Ich kenne Au Revoir also schon eine ganze Weile… vor einem Monat habe ich sie wieder getroffen, als Mark Ronson in New York ein Konzert zur Eröffnung eines Top-Shops gegeben hat und wir ein paar Songs mit seiner Band gespielt haben und sie waren da als stylische Gäste im Publikum. Sie sind wunderschöne, coole Mädchen. David Lynch ist ein Riesenfan von ihnen.

Vielen Dank für das Gespräch, ich hoffe, ihr bekommt noch was ab vom Buffet.

Will: Danke Dir, wir sehn uns heute Abend bei der Show!

www.myspace.com/theamazingbaby
www.theamazingbaby.com

Autor: [EMAIL=sandra.wickert@popmonitor.de?Subject=Kontakt von der Website]Sandra Wickert[/EMAIL]

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