Interview mit GIRLS IN HAWAII


Interview mit Sänger Antoine und Bassist Daniel anlässlich der Veröffentlichung des neuen Albums „Plan Your Escape“.



Vor vier Jahren lösten die GIRLS IN HAWAII mit ihrem Debüt From Here To There in Belgien eine kleine Hysterie aus. Vier Jahre lang warteten die Fans auf ein neues Album. Um zur Ruhe zu kommen und zu sich selbst zu finden, richteten sie sich nur mit ein paar Schlafsäcken in einem abbruchreifen Haus in einem halb verlassenen Dorf in den Ardennen ein. Die Frucht dieser Klausur ist das neue Album Plan Your Escape (

Seht Ihr Euer zweites Album als logische Fortsetzung des ersten? Wie auch Euer Bandname spielt es wieder auf „Flucht“ an. Flucht wovor? Ist Belgien denn so langweilig, dass Ihr Euch in andere Welten flüchten müsst?

Antoine: Manchmal ja (lacht). Nein, für mich ist das Album keine Fortsetzung. Es gibt zwar einige musikalischen Verbindungen, aber in der Machart ist es komplett anders. Für mich ist es unser zweites erstes Album – aber als professionelle Band. Jetzt, wo wir wirklich begriffen haben, dass wir Vollzeitmusiker sind, haben wir mehr Sinn für unsere Lyrics, die Melodien und den Sound. Wir wollen mit unserer Musik persönlicher und kreativer sein und mitteilen, was in unseren Leben vor sich geht.

Interessant, dass Du das sagst. Ich habe gehört, dass Euch Texte eigentlich ziemlich egal sind und für Euch einzig und allein die Melodie zählt.

Antoine: …und auf dem ersten Album war genau das der Fall! Worte waren uns total egal. Wir haben in englisch gesungen, weil wir schon immer englischsprachige Musik gehört haben und uns das logisch erschien. Und wir haben uns überhaupt nicht um den Sinn der Worte geschert. Das ändert sich jetzt aber mehr und mehr und die Lyrics werden uns immer wichtiger.

Als ich das neue Album verschiedenen Leuten vorgespielt habe, wurden die unterschiedlichsten Vergleiche bemüht: California-Beach-Sound, Grandaddy, Air, Coco Rosie, sogar Coldplay und Weezer. Niemand hat nur im entferntesten vermutet, dass Ihr aus Belgien kommt. Wie kamt Ihr zu diesem Sound und wer beeinflusst Euch?

Daniel: Sowas wie einen typischen belgischen Sound gibt es nicht, also muss man als belgische Band seinen eigenen Sound finden. Wir hören alle unterschiedliche Musik, wie natürlich auch kalifornische Musik, aber auch englische Musik, Grunge, und alles mögliche weiter… deshalb gibt es keine exakte Ecke, aus der wir kommen. Aber ja, die von Dir genannten sind alles Bands, die wir mögen.
Antoine: Stimmt, das beeinflusst uns alles, wie auch zum Beispiel Radiohead –
Daniel: …und wir hören viel die Beatles, das White Album.

Ihr habt das neue Album in einem einsamen Haus in den Ardennen aufgenommen. Wie hat der Lagerkoller Euer Album beeinflusst?

Antoine: Wir haben in Brüssel mit dem Songschreiben angefangen, aber der Druck der Stadt und die Lebensweise dort war nicht gerade inspirierend für uns. Wir wollten uns frei von stressigen Zeitplänen machen.
Daniel: Und wir wollten so eine Art Abenteuer, sechs Leute die ganze Zeit auf kleinem Raum zusammen.
Antoine: Wir haben ein Jahr lang nur zu dritt am Album gearbeitet. Als es dann ans Aufnehmen ging, war die Idee, in den Wald zu gehen, kein Telefon oder Internet zu haben, sehr verlockend. Also haben wir ein Haus gemietet und darin ein ganzes Studio aufgebaut. Und unser Produzent Jean Lamotte ist für einen ganzen Monat mitgekommen.
Daniel: Es ging also nicht nur darum, zusammen Musik zu machen, sondern zusammen zu leben, gemeinsam zu essen, ins Bett zu gehen, wenn die anderen ins Bett gehen…
Antoine: …und wir hatten weder unsere Eltern, Freunde noch Freundinnen dabei. Wir hatten nur uns und die Musik. Und für unseren Produzenten war das auch echt gut, weil wir das erste Mal mit ihm zusammengearbeitet haben. Anfangs hatten wir Angst, durch die Arbeit mit einem Produzenten unsere Identität zu verlieren. Aber so konnten wir uns gegenseitig kennen lernen und haben gemerkt, dass wir durch ihn nichts verlieren werden, sondern dass er etwas von uns enthüllt.

Auf Euren Konzerten passieren manchmal die seltsamsten Dinge… Was können wir für Berlin erwarten?

Antoine: Was wir am besten können, ist eine Atmosphäre auf der Bühne zu kreieren. Zu jedem Song spielen wir ein Video ab. Und wir mögen es, wenn bei manchen speziellen Liedern die Blicke der Leute nicht auf uns, sondern auf die Videos gerichtet sind. Wir spielen auf den Konzerten mit fast zwanzig verschiedenen Instrumenten und wir ändern oft die Arrangements… wir versuchen, eine magische Atmo zu schaffen.
Daniel: Ja, nicht einfach nur sechs Leute auf der Bühne, die ihre Instrumente abspielen.

Eine letzte Frage: Wart Ihr eigentlich jemals in Hawaii oder habt Ihr vor, dort hinzugehen?

Antoine: Bis jetzt noch nicht. Wenn uns jemand bitten würde, würden wir sicherlich gehen. Wir hatten mal die dumme Idee, tatsächlich dort hinzugehen. Also sind wir ins Internet und haben uns das angeschaut… aber da waren überall diese hässlichen Gebäude.
Daniel: Hawaii ist in unseren Köpfen so viel aufregender als in Wirklichkeit – deshalb ist es ein schönes Symbol für uns.

Antoine und Daniel, wir danken für das Gespräch!

www.myspace.com/girlsinhawaii
www.planyourescape.be

Autor: [EMAIL=sandra.wickert@popmonitor.de?Subject=Kontakt von der Website]Sandra Wickert[/EMAIL]

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