Interview mit THE SONIC BOOM FOUNDATION


Rave On! Die Gewinner des f6 Music Awards im Interview.



Update: THE SONIC BOOM FOUNDATION (+ NACHLADER + Party) am Freitag, 06.03.09 bei popmonitor.berlin.live im Roten Salon

Die älteren Semester erinnern sich vielleicht: Die von 1992 bis 2002 existierende Leipziger Crossover-Formation THINK ABOUT MUTATION [(tam)] mixte in den Jahren ihres Bestehens als eine der ersten deutschen Bands Rave- und Techno-Elemente mit Metal-Gitarren. Donis (voc), Heavy (guit), Rajko (bass, programming), Joey (guit, programming), Steffen aka Herr Gräfe (keyboards) und Kay (drums) veröffentlichten insgesamt fünf Alben und sechs Singles und übten mit ihrem fortschrittlichen Sound einen maßgeblichen Einfluss auf viele andere Bands aus.

Zwei Ex-Mitglieder – Joey und Herr Gräfe – sowie FMLYN (voc) und Flammy (drums) riefen Anfang 2006 ein neues Projekt ins Leben. Sein Name: THE SONIC BOOM FOUNDATION. Die Mission: noch lauter, noch abgefahrener, noch mehr krachende Elektrobeats! Zweifelsohne sehen sich die vier Leipziger nicht als Verwalter des musikalischen Erbes von [(tam)], sondern als etwas völlig Neues, Eigenständiges, das sie selber mit „urbanravesound :: electrorock :: discopunk“ betiteln. Sie bespielten in ihrer noch jungen Bandgeschichte bereits die großen Festivalbühnen (u.a. SonneMondSterne, Frequency, Highfield) und gingen jüngst und verdient als Sieger des „f6 Music Awards“ hervor. Anlass genug, um Joey und FMLYN zu Wort kommen zu lassen:

Zunächst noch einmal herzlichen Glückwunsch zum Gewinn des f6 Music Awards! An die Gratulation schließen sich thematisch gleich zwei Fragen an. Zunächst: Habt Ihr mit einem Sieg bzw. einem Platz auf dem Siegertreppchen gerechnet?

FMLYN: Danke! Nun ja, das war das Finale in Berlin und da im Finale ja bekanntlich immer alles möglich ist: ja!

JOEY: Nach dem Vorausscheid in Dresden schon. Ich dachte, die Bands würden live mehr Dampf machen…, aber dem war nicht so. Und wir machen live richtig Basar. „Oberstes Regal“ sozusagen, um mal ein Zitat zu bringen ;o)

1. Platz beim „f6 Music Award“ und „Becks On Stage Experience“ , 2. Platz beim „Coke Soundwave“…: Woher kommt die Motivation, als gestandene Musiker in den besten Jahren ;) bei solchen Newcomerwettbewerben teilzunehmen?

JOEY: Es gibt jede Menge „Bandcontest-e“, überall auf der Welt. Newcomerwettbewerbe haben immer eine Beschränkung auf das Durchschnittsalter (z.B. „unter 26“ bei „New Chance“ usw.); und man muss wesentlich jünger bei den ganzen Schülerbandcontests sein. Der „f6-Music-Award“ bezeichnet sich z.B. als „Talentwettbewerb“, da kann mitmachen wer will, solange er über 18 ist.

FMLYN: Zudem kann man auf solchen Veranstaltungen immer ein größeres Publikum erreichen und das dann meist noch außerhalb der eigenen homebase. Ist doch super. Vor allem, wenn man gewinnt…

2006 erschien Euer erstes Album „create yourself!“. Was ist bis 2008 alles passiert? Wann und wie hat sich THE SONIC BOOM FOUNDATION als Band gefunden? Und wie fühlen sich diese letzten so erfolgreichen Wochen im Rückblick an?

FMLYN: Gefunden haben wir uns im Frühjahr 2006 – vor zwei Jahren also. Sind wir ja doch irgendwie auch Newcomer…
Begonnen hat alles mit Aufnahmen, die ich mit Herrn Gräfe (keys) gemacht habe. Der war sofort von meiner engelsgleichen Stimme begeistert und hat das sofort an Joey weitergeleitet. Die beiden waren zu der Zeit gerade auf der Suche nach einem Sänger für ihr Projekt. So kam eins zum anderen und schon vier, fünf Wochen später stand unser erstes Konzert auf dem Plan. Im Conne Island zu Leipzig war ’ne Band ausgefallen und wir mussten/durften ran.
Nachdem wir Ende 2006 – im Sommer war ja nicht viel mit musizieren zwecks WM – unseren ersten Release im Kasten und schon einige Konzerte gespielt hatten, war allen Beteiligten klar: Das (TSBF) wird ’ne ganz große Nummer!
Mit unserem genialen „Notwehr-Management“ im Rücken wurden wir dann 2007 schon auf so manch großes Festival (Highfield, SMS, Nature One, Frequenzy u.v.a.) eingeladen. Die Resonanz vom Publikum war von Anfang an großartig.
Nach unserem Festival-Sommer 2007 („festival frenzy 2000+7“ kommt am 06.06.08 auf DVD raus) haben wir gleich unsere zweite Veröffentlichung Pie & Mash – eine Scheibe mit zusätzlichen Live-Aufnahmen und Remixen – fertiggestellt.
Long story short…: Seit unserer Gründung sind wir viel herumgekommen, haben ’ne Menge interessanter Leute getroffen, viel Spaß gehabt, das ein oder andere Bierchen getrunken und wie jetzt zuletzt beim „f6 Music Award“ fett abgeräumt.
Wie sich das anfühlt? Rock & Roll, Baby!!



„Wenn The Prodigy auch nur ein einziges Instrument spielen könnten, dann würden die pillenschluckenden Insulaner am liebsten so klingen wie das britischste Musikprojekt Sachsens.“ so konnte man auf der Website der VW Soundfoundation lesen. Was fandet Ihr das Treffendste und Schönste, was bisher über Euch geschrieben wurde?

JOEY: Dieses Zitat stammt aus diesem kleinen Artikel:
http://the-sbf.de/sbf/files/Image/presse/vw_soundfoundation-12-2006.jpg.gif
Das ist mein Favorit. Da stimmt (fast) alles.

FMLYN: Das ist ja bisher mein Favorit:
„Been playing your stuff last couple of weeks. Absolutely brilliant. Have you sent copies out to everyone (miles better than the majority of indie-lite student sub oasis-a-like bollocks we get) […] Fantastic and Bonehead was knocked out by the Single. Cheers. Terry“
(T. Christian, BBC Radio Manchester via mail July/2007)
Kennt hier bitte irgend jemand Terry Christian?! Der ist ’ne Ikone in England. Und ja, Bonehead, der Gitarrist von Oasis!

Ihr bezeichnet Eure Musik selbst als „urbanravesound :: electrorock :: discopunk“. Wer sind Eure Referenzen, Vorbilder und Helden? Wer von ihnen sollte – ob tot oder lebendig – auf der Gästeliste Eures nächsten Konzertes stehen?

JOEY: Ich mag es schon immer, Krach mit Elektronik und Pop zu verbinden. Einer meiner Helden ist Lemmy Kilmister von Motörhead, der dich lehrt, eine Sache auch bis zum Ende durchzuziehen. Ansonsten bin ich der elektronischen Musik seit 1991 verfallen, und zwar hoffnunglos. Denkt man bei mir gar nicht, oder? Aber schließlich programmiere ich den ganzen Scheiß ja auch ;o)

FMLYN: Dylan und Shaun Ryder. Ach ja und Keith Richards natürlich! Steht der dann eigentlich bei „tot“ oder „lebendig“? Hahaha…

Was verbindet Euch (musikalisch) mit der Rave- bzw. Madchester-Szene? Schließlich waren diese Bands allesamt „Gitarrenbands“. Eine Gitarre sucht man bei THE SONIC BOOM FOUNDATION jedoch vergeblich… Und gibt es Eurer Meinung nach im Moment andere Bands in Deutschland, die vom musikalischen Stil her mit Euch vergleichbar wären?

FMLYN: Diese Gitarrenbands – Du meinst jetzt die Roses und die Mondays und wie sie alle heißen. Die eigentliche Szene aber war ja eine Verschmelzung von acid house, den besagten Bands sowie diversen anderen „Dingen“. Die jungen Leute waren darauf aus zu feiern; das machen sie bei uns auch! Madferit!
Musikalisch kommt unser ‚Solar Kid‘ dem Sound von damals vielleicht am nächsten. Das ist aber gar nicht unser Ziel. Wir wollen natürlich immer noch einen draufkellen.
Andere Bands, die hier sowas machen, kenn‘ ich nicht. Soll aber nicht heißen, dass es sie nicht gibt – keine Ahnung.



Ihr kommt aus Leipzig, gemeinhin auch L.E. genannt und die „Boomtown“ im Osten Deutschlands. Welche Bands aus Eurer Umgebung könnt Ihr empfehlen. Gibt es Netzwerke? Wie ist es um die Leipziger Clubkultur bestellt? Welche Clubs habt Ihr in Eurer Heimatstadt schon bespielt und wie unterscheidet sich ein Gig zu Hause von einem (Festival-)auftritt außerhalb Leipzigs?

JOEY: Unbedingt erwähnenswert sind Matthias Tanzmann und Brockdorff Klanglabor und wer’s metallisch-anspruchsvoll mag auch disillusion. Jede Szene hat in Leipzig ihr Auskommen, egal ob Techno, D’n’B, House, New Rave, …whatever.
Wir haben deutschlandweit bekannte und renommierte Clubs in der Stadt: so das Conne Island, ein Club, in dem selbst die Toten Hosen oder die Ärzte inkognito auftreten. Einer der ältesten und berühmtesten Technoläden: die distillery ist ja sicherlich auch ein Begrif und das Ilses Erika hat’s im Intro-Jahrespoll auf einen 4. Platz geschafft. Es gibt aber unzählige Clubs – kann man nicht alle aufzählen. Letztens waren wir bei UFFIE & FEADZ im Lagerhof… ich wusste gar nicht, dass so ein Club existiert…

FMLYN: Ein Gig zu Hause ist natürlich immer etwas ganz besonderes. Wir haben unseren Fans der ersten Stunde hier in Leipzig viel zu verdanken. Unsere Musik ist aber so animierend, dass es uns auch außerhalb gelingt, die crowd zu rocken.

Ein kleiner Ausblick auf die nächsten Monate: Was ist für 2008 konkret geplant? Seid Ihr intensiv auf Labelsuche? Oder lasst Ihr Euch finden? Wird man THE SONIC BOOM FOUNDATION wieder live auf den großen Festivals erleben können?

JOEY: Gegenfrage: Was kann ein Label uns im Jahr 2008 noch bieten? Ich schätze mal, in fünf Jahren gibt es keine Labels mehr… nur noch uns Musiker.

FMLYN: Uns gibt’s dieses Jahr unter anderem auf dem SonneMondSterne, Sputnik Springbreak, in der Schweiz auf dem Gampel Open Air u.v.a.
Von den Labels kann man halten, was man will. Wir konzentrieren uns auf das Wesentliche. Wir werden weiter Musik machen. Wie sich der Rest entwickelt, das wird man sehen.
Rave on!

www.the-sonic-boom-foundation.de
www.myspace.com/thesonicboomfoundation

Fotos: © THE SONIC BOOM FOUNDATION / schmidtshot.de
Autor: [EMAIL=jana.schuricht@popmonitor.de?Subject=Kontakt von der Website]Jana Schuricht[/EMAIL]

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