JA, PANIK – The Angst And The Money


Und so feiern wir die Angst als Möglichkeit zur Panik.



JA, PANIK sind zurück. Wir haben sie ja schon immer gemocht. Gott sei Danke besteht mit dem neuen Album The Angst And The Money keinerlei Grund, damit aufzuhören. Wieder ist es wunderbar und wieder haut Sänger Andreas Spechtl die Weisheiten raus, als hätte er im Keller noch drei Paletten stehen. Die 5 Burgenländer Jungs haben auf ihrem neuen Album elf Songs zusammengeklöppelt. Komischerweise sind die alle gut. Solche Alben gibt’s ja. Dieses gehört ab jetzt dazu.

War es auf dem letzten Album der Song ‚Thomas sagt‘, der Fäuste in die Luft fliegen ließ, recken sich die Ärmchen diesmal zu ‚Also habe ich…‘. Es geht um Liebe, ein bisschen Randale und was einen halt so beschäftigt, wenn man jung ist und irgendwie unzufrieden. Andreas Spechtl kann das aber auch zu gut, das mit der aufrührerischen Stimme, da muss man nur mal ‚1000 Times‘ anhören.

Außerdem fällt auf, dass der gemeine Österreicher an sich wohl schon von Natur aus einen feineren Wortschatz hat als der grobschlächtige Deutsche. So findet man Wörter wie „grausen“, „Depp“ oder „Abgesang“ in den Texten von JA, PANIK. Überhaupt: Die Texte von JA, PANIK! Meine Herren. Das ist fast Dichter als Goethe und philosophischer als Platon. The Angst And The Money bietet Wortneuschöpfungen, Schlachtrufe und tausendundeine Parole für noch zu kahle Häuserwände.

Das alles nicht nur in einer, sondern manchmal in bis zu drei Sprachen. Deutsch alleine ist zwar schön, doch schon auf dem letzten Album haben sich JA, PANIK schon mit dem Englischen angefreundet und laden dieses auch diesmal zum Tee ein. Da man sich aber von Platte zu Platte steigern soll, gesellen sich diesmal auch ein paar Fetzen Französisch hinzu.

Musikalisch hören wir das von JA, PANIK gewohnte: die Schrammelgitarren, das Klimperklavier. Es gibt Frauenchöre, ruhiges Gesinge, halb Gesprochenes. Trotzdem passt alles noch zusammen.

Produziert hat diesmal übrigens Moses Schneider, seines Zeichens für den Feinschliff von den Beatsteaks, Tocotronic und anderen ähnlich bedeutenden Bands zuständig. The Angst And The Money wurde nicht unter dem goldenen Dach von Innsbruck aufgenommen oder wartet durch sonstwie fancige Gimmicks auf. Österreich kann deutschen Indie-Rock. Und weil die Kombination ‚deutsch‘ und Indie-Rock immer so einen negativen Beigeschmack hat, muss man noch hinzufügen: Österreich kann deutschen Indie-Rock in gut. Obwohl die Mitglieder von JA, PANIK mittlerweile ja auch in Berlin wohnen.

Gut, manchmal rutscht ein Song in Richtung Schmonzette ab. Um sich an ‚Blue Eyes‘ zu gewöhnen, muss man sich zuerst sehr an den guten Strophen festhalten, bevor man auch den schmalzigen Refrain akzeptiert. Trotzdem kann man das mögen. Sollte man sogar. Denn gleich kommt schon das Klavier wieder um die Ecke und macht einem klar: Rein gar nichts ist hin, hin, hin. JA, PANIK sind die beste Band der… na, aber wenigstens die beste Band aus Österreich.

JA, PANIK live in Berlin am 28.11. im Festsaal Kreuzberg.

JA, PANIK
The Angst And The Money
(Staatsakt/ Rough Trade)
VÖ: 25.09.09

www.ja-panik.com
www.myspace.com/japanik

Autor: [EMAIL=melanie.gollin@popmonitor.de?Subject=Kontakt von der Website]Melanie Gollin[/EMAIL]

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