JEANS TEAM – Berliner Act des Monats Dezember 2006

„Kraftwerk is dead, Depeche Mode is dead! Now Jeans Team!“



Update: JEANS TEAM am Freitag, 27.02.09 live bei „2 Jahre popmonitor.berlin.live“ im Roten Salon @ Volksbühne (w/ Popular Damage + My Sister Grenadine live + Party Indie/Brits/Electro)

Die Vorab-Single ‚Das Zelt‘ war ein ungewöhnlich poppiger Vorbote des neuen JEANS TEAM-Albums Kopf auf (

BiB: Eure Texte auf Kopf auf scheinen sich oft direkt an den Hörer zu wenden…

HENNING: Als wir die Texte aufgeschrieben haben, waren plötzlich alles direkte Anreden – das hat mich auch erst gewundert. Man kann da sicher auch andere Leute angesprochen sehen, wenn man das will. Aber das war nicht unsere Intention.
REIMO: Das ist ein ganz klassischer JEANS TEAM -Charakter: Der Protagonist, der sich selbst anspricht, der nicht sagt „Du, der Zuhörer“, sondern „Du Ich“.
FRANZ: „Mach Dich auf in die Welt“, da geht es um einen inneren Meta-Prozess, eine Option, die gezeigt wird, nicht um einen Befehl oder Aufruf. Es geht darum, dass man eine Befreiung erfahren kann, wenn man innere Reglementierungen hinter sich lässt. Aber es sollen auch Dinge offen gelassen werden für die Interpretation des Hörers.

BiB: Das wird oft mit Bildern von Räumlichkeit, Eingeengtheit, Aufbruch wiedergegeben.

REIMO: ‚Das Zelt‘: Losgehen in die weite Welt. ‚Wandern‘: Die weite Welt ist nur zwischen zwei Wänden. ‚Palme‘: Die Angst, überhaupt etwas neues zu sehen, dass die Angst Dich komplett hemmt vor überhaupt allem. Und dann ‚Kopf auf‘ mit dem „Clean Up!“-Aufruf.
FRANZ: Das hat alles irgendwo etwas mit Grenzen zu tun. Selbst ‚T.Y.T.T.S.‘ mit dem Thema Körperfunktionen.
HENNING: Innere Grenzen und Hemmungen überwinden, die Enge im Kopf gar nicht erst zulassen – das war schon immer eines unserer Grundthemen.
FRANZ: Die einfachsten Dinge sind heutzutage schon mit Bedeutungen überladen. Wir sind beispielsweise bei einem Videodreh ganz normal durch ein Dorf gegangen und da kam ein kleines Schulmädchen um die Ecke. Wir standen da nur und haben die nett mit „Hallo!“ gegrüßt. Und dann kamen wir darauf, dass es in unserer Welt so verrückt ist, dass man gedanklich gar nicht bei dem „Hallo“ bleiben kann und einfach freundlich sein. Da hängt gleich so ein Schwanz von beklemmenden Gedanken mit dran, z.b. denkt die jetzt wir sind irgendwie pervers oder Meuchelmörder… Grenzen in uns drin, dieser ganze Schwachsinn, der uns fernlenkt und im lockersten, natürlichsten Verhalten eingrenzt – dagegen möchten wir etwas sagen. Und da soll die Musik sagen: Hey mach dich mal locker! Bleib dem Natürlichen treu!



BiB: Damit seid ihr schon weit rumgekommen, wart sogar auf Einladung des Goethe-Instituts in Russland unterwegs. Wie war das?

HENNING: Die Reaktionen waren toll.
REIMO: Die haben gerufen [imitiert russischen Akzent]: „Kraftwerk is dead, Depeche Mode is dead! Now Jeans Team!“
HENNING: Im Ausland sind die Reaktionen grundsätzlich erstaunlich gut, wenn man einrechnet, dass wir fast ausschließlich auf Deutsch singen. Manche können auch Texte auswendig ohne überhaupt Deutsch zu können.
FRANZ: Bei uns geht es ja auch weniger um Messages als vielmehr um die Energie und Emotionen.

BiB: Begegnet man euch zu Hause eher skeptisch?

REIMO: Viele Leute haben scheinbar Angst, dass sie verarscht werden bei dem, was wir machen.
HENNING: Die Kritik ist auch häufig auf der Ebene: Jaaa, aber ihr meint das nicht so richtig ernst. Weil wir ja auch Spaß an lustigen Dingen haben, wird dann immer gleich alles in Frage gestellt. Im Ausland wird das offenbar eher so verstanden, wie wir das auch meinen, selbst wenn man es da inhaltlich nicht versteht.
FRANZ: Vielleicht weil wir den Blödsinn nicht in Reinform machen. Es wird immer nach solchen reinen Dingen gesucht, z.B. nach etwas, das reiner Gitarrenpop ist, oder ein reines Technoprojekt. Da kann man sich viel einfacher dahinterstellen und sagen: Ich bin Fan! Sowas würde mich aber so einengen, da hätte ich auch gar keinen Bock mehr, Musik zu machen.
HENNING: Wir haben solche Grenzen auch gar nicht im Kopf.
FRANZ: Man braucht Spielräume. Uns interessiert das Ausprobieren, Anhören und dann nur nach dem Ohr urteilen. Manche Musiker schließen ja schon ganze Instrumentengruppen aus. Wenn ich sowas machen würde, könnte ich mich gar nicht mehr ernst nehmen als Musiker. Man muss auch die Möglichkeit haben, mit einem Nudelholz auf ein Furzkissen zu hauen, und wenn sich das gut anhört, kommt das halt mit rein. Genau deswegen ist eben bei uns auch Gitarre wieder erlaubt.



BiB: Öffnet euch das neue Album mit seinen Pop-Ansätzen ein wenig der breiten Masse?

FRANZ: Aber ich glaube das Gegenteil passiert, denn die breite Masse mag es gern schluckfreundlicher. Dafür gibt es ja Schubladen, die werden ja nicht von den Musikern, sondern von den Hörern erfunden. Wenn mir etwas zu ungebrochen und zu offensichtlich ist, dann kann ich dazu vielleicht gut tanzen. Aber dann sag ich mir: Na gut, dazu jetzt einfach nur ein Bier saufen, ist vielleicht auch okay. Ich muss das Gefühl kriegen, da ist etwas Komplexeres, da ist mehr.

BiB: Ist das euer Maßstab, alles mit Brechungen zu versehen?

HENNING: Nein, das haben wir früher vielleicht auch zu oft gemacht, alles zu brechen und die ganze Zeit oberschlau zu sein. Das kann auch in eine Sackgasse führen und ich versteh‘ auch, wenn Leute dann sagen: Ja gut, da hab ich aber kein Interesse dran, euch zu sagen, ihr habt das schön kaputt gemacht. ‚Das Zelt‘ etwa sollte wirklich genau so rüberkommen. Es ist insofern auch nicht ganz ausgeschlossen, dass wir mal eine Platte machen, die wirklich aus einem Guss ist. Aber ich kann mir vorstellen, dass man danach sagen würde: das kann’s noch nicht gewesen sein.

Das Album:

JEANS TEAM
Kopf Auf
(Louisville/ Universal)
VÖ: 01.12.2006

www.jeansteam.de
www.louisville-records.de

Fotos: © JEANS TEAM
Autor: [EMAIL=sebastian.frindte@bands-in-berlin.com?Subject=Kontakt von der Website]Sebastian Frindte [/EMAIL]

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