KASHMIR – Trespassers


Durch Unbekanntes zu Vertrautem.



Schnelllebig ist sie geworden, die Welt. Wo man sich früher noch stunden-, tage-, vielleicht gar wochenlang mit einem einzigen Album beschäftigen und an einer Entdeckung erfreuen konnte, überspült einen heute tagtäglich eine immense Flutwelle an Veröffentlichungen und potenziellen neuen (Lieblings-) Bands. Was durchaus alles andere als schlecht ist, jedoch eben auch Zeit und Muße bedingt.

Wie schön (und wichtig) ist es also, wenn parallel dazu Gegenkonstanten existieren, auf die man sich einfach mal so verlassen kann – beispielsweise KASHMIR. Das dänische Quartett veröffentlicht seit nunmehr 16 Jahren mit einer Selbstverständlichkeit und qualitativen Verlässlichkeit Alben, die nicht nur andere Künstler erblassen lassen, sondern vor allem geneigte Hörer erfreuen und ihnen ein Lächeln auf die Lippen zaubern dürften.

Bereits mit der ersten Single ‚Mouthful of Wasps‘, die gleichzeitig Trespassers eröffnet und laut Kasper Eistrup „ein Bild für den aggressiven und bissigen Wortstrom, den wir Menschen manchmal von uns geben, wenn wir unsere Frustrationen für lange Zeit zurückgehalten haben“ darstellt, ist man wieder zu Hause, zu Hause bei vier merklich gereiften Musikern, die sich seit dem letzten Release No Balance Palace im Jahr 2005 Zeit gelassen und währenddessen diversen Nebenprojekten gewidmet haben.

„The title of the album is referring to how the songs came along in the process. Placing yourself in an unfamiliar situation, in an unknown or uncanny forest can be creatively very conductive“, sagt Kreativkopf Eistrup weiterhin, und man ist froh, dass er und die anderen drei dennoch (oder vielleicht gerade auch deswegen) nun genau dort zurück sind, wo sie hingehören – und dies ist durchaus im positivsten Sinne gemeint.

Trespassers greift auf, was seine Vorgänger bereits meisterlich beherrscht haben: eindringliche, überaus markante Vocals sowie großartige Arrangements und Melodien, die mal hier, mal da durch orchestrale Einsätze ergänzt werden und dabei einerseits verträumt wirken und sanft zu wahren Gedankenstrudeln verleiten, andererseits aber eine stets so immense und treibende Kraft besitzen, dass man seine Augen schließen, die Arme in die Luft reißen und schlicht in Bewegungen verlieren möchte – ‚Manta Ray‘ oder ‚Still Boy‘ seien hierfür zum Beispiel wärmstens empfohlen.

Und auch, wenn nicht zuletzt wegen jener Wirkung auf den Rezipienten immer wieder gerne (und ja, zugegebenermaßen nicht ganz unberechtigte) Parallelen zu dieser englischen Band namens Radiohead gezogen werden, sollte man KASHMIR doch vor allem eines zugestehen: dass sie selbst inzwischen ein ziemlich massiver (und eigenständiger!) Fels in der Brandung geworden sind, der Vergleiche dieser Größenordnung keinesfalls zu scheuen braucht.

KASHMIR am 11. Mai 2010 live in Berlin/ Frannz Club

KASHMIR
Trespassers
(Sony Music)
VÖ: 05.03.2010

http://www.kashmir.dk
http://www.myspace.com/kashmiryeah

Autor: [EMAIL=verena.gistl@popmonitor.de?Subject=Kontakt von der Website]Verena Gistl[/EMAIL]

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