KEVIN DEVINE – Brother’s Blood


Zwischen Built To Spill und Simon & Garfunkel…



Es gibt unzählige gute Singer/Songwriter, insbesondere aus den Staaten – und gerade bei der Veröffentlichungsflut dieser oft jungen und leidensfähigen Männer fällt es schwer, den Überblick zu behalten. Nun denn; es gibt ziemlich feste Spielregeln beim Erscheinen eines neuen Albums dieser talentierten, gerne auch kauzigen US-amerikanischen Songschreiber: 1. Alle (Kritiker) bejubeln jene Albumveröffentlichung, dieses fantastische, weil andersartige Debüt als ein geniales Meisterwerk, das in seiner Ursprünglichkeit so nur wahlweise in einer verlassenen Waldhütte oder hinter den verschanzten Mauern eines Studios in Nashville entstehen konnte. Und auch wenn es sich hier ein wenig anders verhält – Achtung, jetzt kommt’s!: Tusch! Trommelwirbel! Applaus!: Ein neuer Star seines Genres betritt die Bühne. Sein Name: KEVIN DEVINE. Herkunft: New York, Brooklyn, USA. Sein Alter: 29.

Nun ist KEVIN DEVINE bei weitem kein unbeschriebenes Blatt mehr. Während seines Journalismus-Studiums an der Fordham University sammelt er erste Bühnenerfahrung, u.a. mit seiner Band Miracle of 86. Nach seinem Uni-Abschluss 2001 konzentriert er sich ganz auf die Musik und veröffentlicht 2002 sein Solo-Debüt Circle Gets The Square. 2006 erscheint auf Capitol Records sein viertes Album Put Your Ghost To Rest; ein kurzes Intermezzo mit einem Major, denn DEVINE wird nach dem Zusammenschluss von EMI/Capitol Records und Virgin gedropt und ist daraufhin fast drei Jahre lang auf Tour. Zwischen Juni 2006 und Dezember 2008 spielen er und seine GODDAMN BAND über 600 Konzerte.

Insofern ist seine aktuelle, fünfte Veröffentlichung Brother’s Blood sowohl als Ergebnis als auch als Reaktion auf seinen Status Quo der vergangenen drei Jahre zu verstehen. Entstanden ist ein Album, das in seiner enormen musikalischen Vielschichtigkeit wohl den Höhepunkt seines bisherigen Schaffens darstellt. Das absolute Highlight bildet dabei das überwältigende, knapp achtminütige Album-namensgebende ‚Brother’s Blood‘: ein hymnischer, komplexer und wütender Rocksong mit gleichermaßen dichten, bewegenden Gitarrenriffs und einer wunderbaren, verschlungenen Melodie. Fans von Neil Young und Built To Spill werden hoch erfreut sein. Dennoch ist Brother’s Blood natürlich keine Rockplatte; und so sind die vielen anderen Höhepunkte der Platte eher die ruhigen Momente wie beispielsweise das gemeinsam mit Jesse Lacey von Brand New vorgetragene ‚Tomorrow’s Just Too Late‘. Hier kommen dann Freunde des wohl weltweit aller Zeiten erfolgreichsten Folk-Duos Simon & Garfunkel voll auf ihre Kosten.

Zwischen Built To Spill und Simon & Garfunkel – was zunächst wie ein Antagonismus erscheint, unterstreicht auf den zweiten Blick die ausgeprägte Vielseitigkeit von KEVIN DEVINE. Sanfte Gitarren-Passagen, rhythmisches Finger-Picking, zumeist zurückhaltender Gesang stehen einem satten Einsatz der Gitarre und einer kehligen Stimme gegenüber. Dass Brother’s Blood dennoch wie aus einem Guss wirkt, ist große Kunst. Und wenn jemals eine Stelle des Pioniers in der post-alternativen Folk-Szene (oder wie man es auch immer nennen mag) zu vergeben wäre, mit KEVIN DEVINE gibt es einen ernst zu nehmenden Kandidaten dafür.

KEVIN DEVINE spielt live am 13. Dezember 2009 im Privatclub.

KEVIN DEVINE
Brother’s Blood
(Arctic Rodeo/ Alive)
VÖ: 06.11.2009

www.myspace.com/kevindevine
www.favoritegentlemen.com
www.arcticrodeorecordings.com

Autor: [EMAIL=jana.schuricht@popmonitor.de?Subject=Kontakt von der Website]Jana Schuricht[/EMAIL]

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