KING CREOSOTE – Flick The Vs


Tausche Kamel gegen Frau. Oder vielleicht nehm‘ ich doch lieber diese Platte.



Nicht im geringsten ist dieses Album so, wie es anfängt. Erst nach zwei Minuten des ersten Stücks ‚No One had it Better‘ kommt Flick the Vs mit dem hervor, was es ist, sein will oder kann. Was es ist, sein will oder kann ist: Ein Singer/Songwriter-Album. Allerdings keins der üblichen Sorte. Wie kann man das nur am besten beschreiben?

‚No One had it Better‘ also ist der Start in ungefähr 50 Minuten Musik, die es erstmal genau zu betrachten gilt, bevor man genaueres darüber sagen kann. Man würde zur eher zarten Stimme, die keinen Zweifel daran lässt, dass man es hier mit einem klassischen Songschreiber zu tun hat, eher ein Bett aus Gitarren erwarten. Was man allerdings hört, sind Synthesizer, Drum-Machines oder Vocoder. Natürlich auch Gitarren, eben nur nicht vordergründig.

Das existenzielle Element auf Flick The Vs ist aber die Stimme. Es kann einem fast vorkommen, als würde Kenny Anderson aka KING CREOSOTE hinter einem Vorhang versteckt seine Platte einsingen, so verhalten nimmt er sie in Anspruch. Das Wort ‚grazil‘ mutet wahrscheinlich in diesem Zusammenhang eher merkwürdig an, trotzdem kann es schon mal durch den Kopf huschen, wenn man KING CREOSOTE so zuhört. Dennoch heißt das nicht, dass die Songs in irgendeiner Weise leise eingesungen wären. Allein die Stimmfarbe erweckt mit den hohen Ausschlägen einen unbeschreiblichen Eindruck.

‚Camels Swapped for Wives‘ ist dann allerdings tatsächlich schon fast gitarrenlastig. Es klingelt und klimpert sich durchs Album, irgendwie entsteht doch ein klassisches Gefüge – in dem Sinne, dass alles so passt, wie es muss und stimmig klingt. Manchmal sogar, als würde mit Gabeln auf Gläsern herum gespielt. Es ist ein auf und ab zwischen ausschließlich elektronisch erzeugtem Sound und realen Instrumenten.

Die Titelnamen scheinen indes alle, passend zum Albumcover, ein wenig ins altertümliche zu gehen: ‚Camels Swapped for Wives‘, ‚Fell an Ox‘ oder ‚Saw Circular Prowess‘ zum Beispiel. Obwohl Kenny Anderson selbst eher ans Fischen denkt, wenn er sowohl an seine aktuelle als auch seine letzten zwei Alben denkt. „Flick The Vs sollte eine ruhige Angelpartie werden“, meint der Schotte, der bis jetzt auf einen 24 Alben umfassenden Back-Katalog zurückblicken kann.

Die ruhige Angelpartie ist an manchen Stellen dann aber doch nicht ganz so seicht geblieben. ‚Coast On By‘ oder ‚Rims‘ ziehen auch schon mal einen flotteren Kreis im Gewässer, während man zu ‚Curtain Craft‘ wiederum passabel Walzer tanzen könnte. Es läuft von fast akustisch (‚Nothing Rings True‘) zu ausgeschmückt mit Bläsern oder Backgroundchören.

Eine Popplatte (und weil manche es immer noch nicht verstanden haben, dass ‚Pop‘ kein Schimpfwort ist, soll das hiermit noch einmal gesagt sein) ist Flick the Vs, eine gute dazu. Ein Album für alle, denen Get Well Soon zu artsy sind.

KING CREOSOTE
Flick The Vs
(Domino/ Indigo)
VÖ: 24.04.2009

www.kingcreosote.com
www.myspace.com/kingcreosote
www.dominorecordco.com

Autor: [EMAIL=melanie.gollin@popmonitor.de?Subject=Kontakt von der Website]Melanie Gollin[/EMAIL]

Facebooktwittergoogle_pluspinterestlinkedintumblrmailFacebooktwittergoogle_pluspinterestlinkedintumblrmail