KIRLIAN CAMERA + AXON NEURON / VAGWA am 18.09.2004 im Kato

Gut Ding will Weile haben …



Gut, dass es Kommunkation gibt.
Weniger gut, dass diese oft nicht funktioniert: War doch im Netz sowie auf Flyern als Beginn des düster-romantischen Events 21.00 Uhr angegeben. Gemeint war aber damit wohl die Enlasszeit.
Jedenfalls stand man sich erst mal eine gute Stunde die Beine in den Bauch, bevor die Tore des Kato sich endlich öffneten, um die inzwischen recht zahlreiche Menge tröpfchenweise einzulassen, so dass sich bis zum tatsächlichen Beginn der Veranstaltung dann noch mal eine erheblich Wartezeit ergab.

Auch stimmte die Anzahl der eingelassen Leute recht bedenklich, da sich spätestens zum Hauptact allgemeines Sardinendosen-Feeling breit gemacht hatte und die kollektive Jagd nach vereinzelten Sauerstoffatomen in vollem Gange war.
Hitzestau mangels ausreichender Belüftung und ein überaus großzügiger Gebrauch der Nebelmaschine taten ihr übriges.

Hier muss organisatorisch besser gearbeitet werden, denn in Bälde stehen weitere Shows von Bands im Kato an, die sich mindestens so großer Beliebtheit wie KIRLIAN CAMERA erfreuen.

Das Publikum selber war wie erwartet recht gemischt: Neben ausreichend Schwarzvolk diverser Strömungen, inkl. einer Handvoll EBMern hatten sich auch einige Normalos dazu gesellt, sowie leider auch eine Reihe der Zeitgenossen, die mitunter Gravitationsprobleme im rechten Arm aufweisen.

Mit dem rechten Stigma kämpfen KIRLIAN CAMERA ja seit Jahren, aber allen Dementierungen, Statements auf der Website, Hinweise auf farbige Mitmusiker und diversen Rundschreiben zum Trotz halten einige sogenannte linke Quellen an entsprechenden Gerüchten fest, ohne zu verstehen, dass sie damit den rechten Zulauf zu KIRLIAN CAMERA – sehr zu deren Leidwesen – nur verstärken, frei nach dem Motto: „Ach echt, die sind rechts? Ich auch, na dann geh ich da mal hin!“

Nun aber endlich zur musikalischen Seite des Abends: Als Vorband wurde uns das Doppelprojekt AXON NEURON / VAGWA präsentiert, wobei hier laut eigener Aussage die neoklassischen Elemente des ersteren mit den Noisestrukturen des letzteren verschmolzen wurden.

Bühnenshowtechnisch wurde sich dann lediglich öfter mal an den diversen Synthies, Samplern und dem auf Verzerrlimit justierten Vocoder abgewechselt. Ab und zu kamen auch noch schöne Trommeln zum Einsatz (s. Foto), aber insgesamt muss ich Folgendes sagen: Es gibt einfach – musikalisch gute – Bands, die müssen nicht live spielen: Die sehr ruhigen, sehr getragenen, sehr langen atmosphärischen Stücke, wurden mit einer Bühnendynamik nahe am Nullpunkt dargeboten, wobei das per Videobeamer im Hintergrund laufende „Metropolis“ von Fritz Lang noch das interessanteste Element war.

Es stellte sich die Frage, wieso man, nachdem man schon Stunden gewartet hatte, dann noch mal eine Stunde lang vier Leuten zugucken musste, wie sie fast bewegungslos mit meist gesenktem Blick an elektronischem Gerät schrauben.
Wie gesagt, die durchaus stimmigen neoklassisch-noisigen Klänge machen sich sicherlich wunderbar im CD-Player als Hintergrund für viele romantisch-verträumte Stunden. Für’s Auge ( und genau das macht doch eine Live-Show aus) hatten die Jungs aber recht wenig zu bieten.
(Fotos: 1-2)

Nach Gott sei Dank kurzer Umbaupause betraten mit gewohnt feierlich-ernster Miene ANGELO BERGAMINI und seine Mannen die Bühne, wobei das eigentlich der falsche Ausdruck ist, da neben Sängerin ELENA FOSSI diesmal auch eine weitere, noch recht junge Dame als Quasi-Nesthäkchen mit an den Synthies stand.

Man gab viele neue und auch eine Reihe alte Stücke zum Besten, wobei ich – leider nicht in Besitz des aktuellen Albums Invisible.Front 2005, was ich nach dem Konzert aber schnellstens nachholen werde – zu diesen nur generell sagen kann: sehr schöner, getragener, melodiöser Darkwave, gekrönt von ELENAs ausdrucksvoller Stimme.

Allerdings war das gesamte Konzert leider von herben Soundproblemen geplagt: Starke Rückkopplungen am Gesang und zu leise Monitorboxen konnten erst nach mehrmaligem Nachfummeln und Abbruchdrohung seitens der Band zumindest auf halbwegs erträglichen Level abgesenkt werden. Ich muss – selbst Frontmann – ehrlich sagen: Ich fand es beachtlich, mit welcher Geduld BERGAMINI das ganze auf sich nahm, mir wäre schon wesentlich eher der Kragen geplatzt.
Auch wenn die Kaumuskeln öfter arbeiteten, so blieben sie doch – den Fans zuliebe – auf der Bühne, und das wurde ihnen auch hoch angerechnet, wie mehrere spontane Zwischenapplause deutlich zeigten.

So wurden denn auch trotz der ungünstigen Rahmenbedingungen sage und schreibe 4 (!) Zugaben gegeben! Deren erste bestand aus den K.C. – All Time Favourites ‚Eclipse‘ und ‚Èrinnerung‘ (mit Text vom deutsch-jüdischen Dichter August Stramm, soviel zum Rechtsvorwurf) .
Bei der dritten Zugabe schließlich wurde dann zur Akustikklampfe gegriffen, was dann doch eine gewisse, angenehme Lagerfeuer-Romantik aufkommen ließ.

Nach der vierten Zugabe schließlich , als man schon das Gefühl hatte, sie würden erst aufhören, wenn sie von der Bühne getragen werden müssen, kam ANGELO noch einmal kurz auf die Bühne, um ein finales Auf Wiedersehen zu sagen und sich bei den Fans für den unglaublichen Support zu bedanken.
(Fotos: 3-12)


Bleibt abschließend festzustellen: Trotz der misslichen äußeren Umstände waren KIRLIAN CAMERA in Höchstform und holten mit Geduld und einer Prise Humor das Menschenmögliche aus diesem Gig, was die Fans ihnen überreichlich zu danken wussten.

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