LAIBACH am 30.11.2004 im ColumbiaClub

„Deutsches Volk, komm tanz mit mir “ …


„Im traurigen Monat November war’s …“ – um’s mal mit Heinrich Heine zu sagen – da fand ein gar freudiges Ereignis statt: LAIBACH, Hauptformation des slowenischen dissidentischen Künstlerprojektes NSK – Neue Slovenische Kunst, beehrten den ColumbiaClub, um auf gewohnt provokante und kryptische Art Kritik an Staat, Macht und Wirtschaft zu üben.


Im anfangs noch recht leeren Saal angekommen, stach zunächst der auf’s grellste beleuchtete Verkaufsstand ins Auge, an dem sich der geneigte NSK-Anhänger mit LAIBACH-Merchandise eindecken sowie per amtlichem Formular die NSK-Staatsbürgerschaft beantragen konnte, um einige Wochen später einen entsprechenden Pass zu erhalten.
Unvergessen in diesem Zusammenhang die Volksbühne-Aktion von anno x-und-neunzig, während derer die NSK die Volksbühne „besetzte“ und zum NSK-Territorium erklärte, das man nur mit Pass und Visa und nach entsprechenden Kontrollen betreten durfte.
Noch heute erinnert eine entsprechende in die Mauern der Volksbühne eingelassene Metallplakette an dieses denkwürdige Ereignis.


Der Stand fand denn auch regen Zuspruch, so dass die Zeit bis zum tatsächlichen Beginn recht schnell verflog.
Eine Vorband stand nicht auf dem Programm, und das um eine Drummer sowie einen Gitaristen und Bassisten bereicherte Live-Lineup legte auch gleich mit einer Instrumentalversion von ‚B Mashina‘, dem ersten Track des aktuellen Albums WAT los.
Darauf hin betrat Frontmann MILAS FRAN die Bühne, es ging nahtlos weiter mit der quasi WAT-Hitsingle ‚Tanz Mit Laibach‘, und so stand denn auch der Hauptteil des musikalischen Programms an diesem Abend im Zeichen der neusten Scheibe, welche darüber hinaus unter anderem mit ‚Achtung!‘ , ‚Now You Will Pay‘ , ‚Du Bist Unser‘ und ‚Das Spiel Ist Aus‘ vertreten war.


Aber auch die Klassiker, speziell die Düster-Bombast-Coverversionen, kamen nicht zu kurz: Von ‚Life Is Life‘ über ‚Final Countdown‘ bis hin zum als Zugabe dargebotenen ‚Geburt Einer Nation‘ war alles vertreten ,was über die Jahre an Titeln in größerem Rahmen mit dem Namen LAIBACH in Verbindung gebracht wurde.


Ein wenig störend waren die latenten Soundprobleme, die sich als trommelfellbelastende Übersteuerungen äußerten. Allerdings konnten die zwei später hinzugekommenen, strammen Trommlermädels, die schon wie zum WAT – Volksbühnenauftritt im Herbst vergangenen Jahres die Sticks schwangen, mit knappen Outfits, herrlich bösen Minen und mechanischen Bewegungen darüber bedingt hinweg trösten.


Nicht trösten konnten sie allerdings über die knapp hinter mir befindlichen Mitbürger, die das LAIBACH-Konzert wohl mit Karl Moiks Musikantenstadl vewechselt hatten und wirklich zu jedem Lied im Rhythmus johlen und klatschen mussten. Die schnelle Erkenntnis, dass hier wohl bewusstseinserweiternde Drogen im Spiel waren, milderte die Atmosphärenstörung leider auch nicht …
Bei‘ Life is Life‘ holte die eine fehlplatzierte Gestalt doch tatsächlich ein Feuerzeug raus und schwenkte dieses mit glasigem Blick.
Nun ja, den gut gefüllten Saal konnte das jedoch nicht vom mitwippen bzw. -pogen abhalten.


Auch wenn viele alte Laibach-Fans und Kunst-Fuzzies es bedauern: Ich finde ihren Wandel vom stark experimentellen zum Tanzbaren durchaus begrüßenswert.
Also hört uff mit dem pseudo-intellektuellen Geschwafel: Orntlich Rummsen musset! ;-)


Nach einer oder sogar zwei Zugaben – das habe ich im Eifer des Gefechts vergessen – war der Spaß dann auch schon wieder vorbei, die arbeitende Bevölkerung trollte sich gen Heimat, die arbeitslose oder studierende in Richtung K17, wo noch eine LAIBACH-Aftershowparty mit kostenlosem Eintritt gegen Konzertticket angesagt war.


Als Fan der neueren Laibach-Epoche fand ich das Konzert insgesamt gut gelungen, besonders da ich letztes Jahr in der Volksbühne leider nicht hatte teilhaben können.
In diesem Sinne: „Jaaa, Jawoll!!! Gebt mirrr ein Leitbild!!“


Das haben sie getan.

Nicht zuletzt ja auch für Bands wie RAMMSTEIN. ;-)

http://www.laibach.nsk.si

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