MAMASWEED – Berliner Act des Monats Juli 2005


Die Gewinner der „Jägermeister Rock:Liga“ im Interview mit BiB.



BiB: Zunächst erst einmal noch herzlichen Glückwunsch zum Gewinn der „Jägermeister Rock:Liga“! Was macht Ihr mit der Siegprämie von immerhin 15.000 Euro?
MAMASWEED: Na danke! Das Geld hat die Band bekommen und deshalb wird es auch in die Band fließen. Wir arbeiten gerade, mit Gordon Raphael an den Mixen unserer nächsten LP Electric Zeppelin und an diversen Videos. Das Geld stopft ein paar Löcher, die sich in den letzten Jahren aufgetan haben. Mit anderen Worten: das Geld war schon weg bevor es überhaupt da war.

BiB: Berichtet doch mal kurz von der „Rock:Liga“. Wie kamt Ihr dazu, wie war die Stimmung, wie viele Duelle habt Ihr gespielt, welches war das spannendste?
MAMASWEED: Wir sind für die Band COOL AID ACID TEST eingesprungen, die aus mir unbekannten Gründen aus dem Wettbewerb geschieden sind (die Jungs machen musikalisch einen sehr guten Eindruck) und wir sind dann für Berlin eingesprungen. Unser 1. Gig für die Schnappsfirma war in Berlin gegen München. Danach sind wir nach Rostock gefahren, um dann den Showdown gegen AK4711 in Wolfburg zu spielen. Alle Spiele waren anders und keins wirklich schlechter.

Ich hätte mir gewünscht, dass die Fans aller Bands es geschafft hätten, den Raum mit einer faszinierenden Stimmung zu füllen, anstatt sich gegenseitig anzupöbeln. War ein bisschen wie Fußball, mit dem Unterschied, dass es eigentlich gar nichts zu gewinnen gab, außer einer riesigen Party.
Danke noch mal an all die WEEDHEADS die sich an diesem Film mit einer hohen Portion Geduld beteilig haben und MAMASWEED ins Ziel geführt haben.
Es war auch mal sehr wichtig für uns zu sehen, dass es eine Menge Leute gibt, die hinter uns stehen. Das bekommt man ja sonst nicht so mit, wenn man den ganzen Tag im Studio Musik macht. Es gibt einfach nichts besseres, als wenn viele Leute zusammen Spaß haben und feiern können. Ich hatte den Eindruck, als wäre das bei all den Fans unseren Gegnern außer bei AK4711 nicht der Fall gewesen. Aber vielleicht irre ich mich ja auch nur.
Wir sind nicht wegen dem Geld dabei gewesen, sondern wegen der Konzerte.

BiB: Ein kurzer Abriss über die Bandgeschichte von MAMASWEED wäre toll und wie geht es nach dem Empfang der „Meisterschale“ weiter? Ist ein neues Album in Arbeit? Welche Live-Termine stehen an?
MAMASWEED: Die Bandgeschichte ist etwa 450 Auftritte alt und voll mit selbstgebuchten Touren ins In- und Ausland, voller Ups and Downs, ohne Geld, viel Enthusiasmus und viel Aufregung, auf der ständigen Suche nach dem heiligen Gral und dem wahren Rock’n’Roll-Circus.

Das neue Album Electric Zeppelin ist fertig gemischt und wird noch gemastered. Da ich jetzt schon weiß, dass die Scheibe der Hammer ist, kann ich jetzt noch nicht sagen, wie es weiter gehen wird, denn es kann ja alles passieren. Fakt ist, dass MAMASWEED weiter Musik schreiben wird und live zu sehen sein wird… Öfter und öfter und öfter…

BiB: Ihr habt ein eigenes Label. Wie kam es zu MAMASWEED MUSIC und werdet Ihr auch in Zukunft Eure Platten selber veröffentlichen?
MAMASWEED: Wir haben für unsere letzte LP American Space Cake kein Label gefunden, mit dem wir klargekommen wären. Es war auch zu einer Zeit, als in der Musikindustrie nix mehr ging. Da haben wir uns gedacht, bevor wir uns dieses Gejammer noch weiter anhören müssen, gründen wir einfach selber ein Label und sogleich vergrößerte es die Möglichkeiten und Aussichten. Wir sind eigentlich immer auch an einer Zusammenarbeit mit anderen Firmen oder Konstrukten interessiert, aber wenn das nicht der Fall ist, werden wir uns davon nicht in den Möglichkeiten einer Veröffentlichung unserer Musik hindern lassen und es selber machen. Es ist eine gute Sache einen Plan B in der Tasche zu haben. Wir leben in einer Zeit, wo man in den seltensten Fällen das bekommt, wofür man bezahlt hat oder gekommen ist. Und so lange den Plattenfirmen nicht so ganz klar ist, was sie zu tun haben, ist es eine hervorragende Sache, dass es da noch das Label MAMASWEED MUSIC gibt.

BiB: Außerdem gibt es den Verlag MAMASWEED PUBLISHING und das MAMASWEED Studio, in dem schon Nena, TokTok, Beatsteaks oder Tocotronic produziert haben. Auch die Liste der Zusammenarbeit mit anderen Künstlern liest sich recht eindrucksvoll. Wie kam es zu diesen Kollaborationen und ist die gesamte Band quasi hauptberuflich in das MAMASWEED-„Konsortium“ eingegliedert? Wie wichtig ist es für Euch, alles „in einer Hand“ zu haben?
MAMASWEED: Es gibt nichts Gutes außer man tut es – hat man immer gesagt. Ist was sehr Wahres dran. Es ist uns nicht wichtig, alles in der Hand zu haben. Wir sind energievolle junge Menschen und haben noch viel vor und: wir haben aufgehört zu warten. Ja, es ist unsere Berufung. Wir begreifen das alles auch ein bisschen als Studium. Ich denke, es ist sehr wichtig zu verstehen, worauf man sich einlässt. Wir haben jedes Thema, mit dem wir es als Band zu tun haben aufgegriffen und analysiert. Es geht uns nicht um Kontrolle, sondern eher um Verständniss und Möglichkeiten. Wir arbeiten auch mit dem Verlag B612 für unsere neue Platte zusammen, welcher auch letztendlich dafür Sorge trägt, dass wir beim jm (Jägermeister, Anm. d. Red.) Event mitmachen konnten. Es ist immer sehr gut, wenn man einen Verlag hat, der sich für die Band einsetzt und arbeitet. Ansonsten braucht man auch keinen!
Es macht Spaß und man lernt sehr viel, wenn man sich mit anderen Künstlern einlässt oder sie beim produzieren beobachtet. Es tut gut zu sehen, wenn Menschen Erfolg haben.



BiB: Ihr sagt: „Die Motivation ist der Zeit ihre Musik abzulauschen“… Wie kann man das verstehen? Habt Ihr musikalische Vorbilder? Und könnt Ihr Eure musikalische Ausrichtung kurz beschreiben?
MAMASWEED: Es gibt viele musikalische Vorbilder, aber auch viele die gar nichts mit Musik zu tun haben. Ich versuche seit Jahren unsere musikalische Ausrichtung zu erklären, aber ich kann es nicht.
Wir lernen von so vielen Musikern und Bands und werden uns trotzdem nie nach ihnen anhören. Ich denke, das liegt in der Natur der Sache. Es gibt halt auch nur eine beschränkte Anzahlt an Tönen. Die Frage ist immer, mit welcher Passion und Reihenfolge werden sie gespielt. Mir ist auch egal, wenn jemand sagt, der Song hört sich an wie… . In den seltensten Fällen kenne ich die Künstler, von denen die Rede ist oder es ist so weit weg, dass man nur merkt, dass der musikalische Horizont deines Gegenüber halt nicht sehr weit ist und alles damit verglichen wird, was er kennt. Und wenn ich nur U2 kenne, dann klingt bestimmt auch ein Song von MAMASWEED wie U2. So ist das halt mit Meinungen und eindrücken.
Wir lieben es, Musik zu spielen und neue Musik kennenzulernen und zu schreiben. Musik erreicht mehr Leute als es die Politik jemals vermögen wird.
Es gibt zum Glück keine Grenzen und Personalausweise für Musik. Musik ist so frei wie wir alle gerne sein würden. Sie darf nicht eingeengt werden, sonst geht sie ein. Wie wir Menschen. Deshalb lieben wir sie.

BiB: Habt Ihr schon an anderen Band-Wettbewerben außer der „Rock:Liga“ in der Vergangenheit teilgenommen? Und wenn ja, mit welchem Erfolg? Kennt Ihr beispielsweise das EMERGENZA und wie beurteilt Ihr diesen Contest?
MAMASWEED: Wir sind keine Band, die den Wettbewerb sucht. Haben auch vorher nie bei so was mitgemacht. Was gibt’s da schon zu bewerten? Bei solchen Wettbewerben geht es ja meistens auch nur darum, dass sich Plattenfirmen den Weg in die Klubs sparen und sich alle Bands auf einen Haufen bei ihrem Wettbewerb ansehen. Die Bands sorgen dann dafür, dass der Laden voll wird und sind meistens an diesen Abenden so neben der Rolle, dass sie total vergessen, warum sie eigentlich Musik machen. Ausserdem ist es nicht fair, wenn die Veranstalter den Bands Eintrittskarten geben, damit diese sie an ihre Freunde verticken. (sollte umsonst sein). Wir sind der Meinung, dass Klubs und Veranstalter sich lieber selbst darum kümmern sollten, ihre Läden voll zu kriegen, um ihrem Publikum (Kunden) etwas anbieten zu können. Und wenn sie kein Geld für Musik oder andere Kunst haben, dann werden auch bald keine Leute mehr auf ihre Veranstaltungen gehen. So wie es ja auch schon passiert im Moment. Schließlich wollen sie ja ihren Alk verkaufen. Vielleicht hätten auch mehr Bands Lust, sich um die Fülle des Ladens zu kümmern, wenn sie eine Umsatzbeteiligung auch an den verkauften Getränken bekommen würden. Aber das steht ja seit je her außer Frage. Die Veranstalter saugen die Künstler aus, solange bis ein neues Opfer gefunden ist. Dessen sollte man sich einfach nur bewusst sein. Und Wettbewerbe, wo wir eine Teilnahmegebühr zu erbringen haben, sind auch nicht besonders reizvoll. Weißt du, wenn man die ganze Zeit nur in die Musik investiert und kaum mit den regulären Kosten des Lebens klarkommt, dann will man nicht auch noch für die Rechnungen der Veranstalter aufkommen. Und wenn Veranstalter ihre Läden nicht voll kriegen, sollten sie vielleicht mal über einen neuen Job nachdenken. Als Bäcker oder Bauarbeiter.
Wettbewerbe sind natürlich auch ein gutes Sprungbrett für aufstrebende junge Bands, um vor einem größeren Publikum zu spielen. Aber dafür bezahlen – ich glaube nicht!!!

BiB: Welche Bühnen in Berlin habt Ihr schon bespielt? Und unterscheidet sich für Euch das Berliner Publikum im Vergleich zu anderen Städten?
MAMASWEED: Wir spielen sehr gerne in Berlin. Und vor allem dort, wo man uns hören will. Aber wir spielen auch überall anders sehr gerne und werden von Freunden in ganz Europa gebucht. Berlin – der Nabel der Welt?
Es gibt so viele schöne Städte in der ganzen Welt. Es ist ein Unterschied, ob man auf einer Party spielt, die auch ohne Band eine Party ist oder auf einem Konzert, wo die Leute direkt danach wieder nach Hause gehen. Ich spiele lieber auf Partys als auf regulären Shows. Die Klubs in Berlin sind sehr durchwachsen (meist von Pilzen). Viele stinken nach altem Alk und Rauch, sind düster und haben unfreundliche Leute an der Bar und am Einlass. Was sehr schade ist, aber nach jahrelanger Benutzung ist da wohl auch nichts anderes mehr zu erwarten. Viele Klubs erinnern mich an Trinkställe für Mastkühe. Man geht hin – säuft das Zeug was man an der Tanke zum halben Preis kaufen könnte und torkelt nach Hause.
Ich hoffe, es wird sich wieder ändern. Im Sommer ist es sowieso viel schöner draußen zu sein. Die jungen Kids haben das schon ganz gut begriffen und gehen erst gar nicht in Klubs, die scheiße sind.
Je weiter man von Zuhause weg ist, desto interessanter wird es für das Publikum und dann auch für die Band. Hat wahrscheinlich alles was mit dem Fremden-Bonus zu tun. Berlin hat uns aber auch gezeigt, dass es mit uns mitreisen würde, wenn es sich ergibt, so wie auf dem jm Event.

BiB: Welche Berliner Bands mögt Ihr persönlich und musikalisch gern? Mit wem habt Ihr schon zusammen gespielt?
MAMASWEED: Es gibt eine sehr gute und große Musik-Comunity hier in Berlin. Bands und Freunde für uns hier in Berlin sind z.B. warren suicide, earthbend, impure thoughts, beatsteaks, seeed , ak4711, gods of bliz, ojo rojo, demba, ganjaman & randy junior, susie van der meer, drive by shooting, feueralarm u.v.a.m.. Alles Bands, die ihr euch, wenn ihr euch für Musik aus Berlin interessiert, mal anhören solltet. Aber das gute an Berlin ist, dass es nicht ruht und immer wieder neue Bands das Licht der Welt erblicken.

BiB: Gibt es irgendetwas, was Ihr jungen Newcomerbands mit auf den Weg geben würdet?
MAMASWEED: Lasst euch nicht von den ganzen Pennern, die immer alles besser wissen, irre machen. Wenn es alles immer so einfach wäre, wie es manche sagen, warum machen sie es dann nicht selber? Weil sie es nicht können!
Von euch hängt die Zukunft der Musik ab. Und nicht von denen. Spielen, spielen, spielen und auch mal für kein Geld, aber bitte nicht immer für kein Geld. Musik hat auch seinen Preis und wir alle bezahlen ihn (es sei denn es gibt Backstagepässe). Lasst euch nicht eure Träume wegreißen.

…. we do it fort he kids and to keep the dream alive ….

BiB: Wir danken Euch für Rede und Antwort! Alles Gute für MAMASWEED!
MAMASWEED: Danke auch!

(Email-Interview von Jana Schuricht mit Gogo für MAMASWEED)

MAMASWEED spielen live am 22.07.05 im Tacheles, am 23.07.05 im Rahmen des SkyWayJam in Luckenwalde und am 13.08.05 in Immenried beim Independence Festival.

Mamasweed Homepage

Fotos: © MAMASWEED

Autor: [EMAIL=jana.schuricht@b-i-b.de?Subject=Kontakt von der Website]Jana Schuricht[/EMAIL]

Facebooktwittergoogle_pluspinterestlinkedintumblrmailFacebooktwittergoogle_pluspinterestlinkedintumblrmail