Moderat – Wir planen generell nicht so viel

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Im Vorfeld der Veröffentlichung des neuen MODERAT-Albums III haben wir die Band zum Interview getroffen.Von Geistermüttern und dem Abschied vom Wilden…

Ihr habt das Album mit den Worten “One would think it gets easier, but it never does.” angekündigt.  Das klingt nach schweißtreibender Arbeit.

Ja, das war es! Moderat ist die größte Herausforderung meines Lebens. Es ist anstrengend, eine Moderat-Platte aufzunehmen und schwierig, alles zu kombinieren. Es geht gar nicht mal um das Organisatorische, eher um den kreativen Prozess. Was wir getrennt voneinander machen, ist komplett anders. Moderat war ursprünglich ja nur ein Experiment.

Das ist inzwischen anders geworden?

Definitiv! Bei der zweiten Platte haben wir schon gemerkt, dass wir fast wie eine Band sind. Bei der dritten Platte haben wir akzeptiert, dass wir eine Band sind.

Aus deinem Mund klingt das fast wie etwas Schlimmes…

Naja, das war schon eine Form des Eingeständnisses. Das ist kein Projekt mehr zwischen Apparat und Modeselektor. Moderat hat jetzt eine eigene Identität

Eine Trilogie war also nie geplant?

Nee, gar nicht! Wir planen generell nicht so viel.

II klang bereits melancholisch, III toppt das Ganze noch mal. Woran liegt das?

Sascha hatte letztes Jahr einen Motorradunfall. Er war ausgeknockt und hatte viel Zeit zum Nachdenken und Texte schreiben. Und dann hat er  geheiratet. Oh, ich weiß gar nicht, ob ich das erzählen darf – naja, egal. Nach diesem Unfall war er jedenfalls ein anderer.

Wie war Sascha vorher?

Sagen wir es so: Sebastian und ich führen ein anderes Leben. Wir haben unser Plattenlabel, eine Booking-Agentur, einen Verlag, Kinder und Familie. Unser Tag beginnt um sechs. Sascha hatte nur sich und seine Kunst und wollte unabhängig von uns sein. Bei II gab es immer Reibereien, weil man früh ins Studio musste. Das ist jetzt weg. Sascha hat jetzt das Wilde rausgenommen.

Am Anfang wollte er ja auch gar nicht singen…

Ja, der traut sich jetzt mehr. Wir haben ihn immer bestärkt! Das war am Anfang problematisch. Jetzt hat er durch die letzte Tour ein ganz anderes Selbstbewusstsein – und das hört man auch. Er kann jetzt richtig laut singen. Sascha ist da sehr ehrgeizig und übt viel.

Was macht die Identität von III deiner Meinung nach aus?

Wir sind zum ersten Mal ganz dicht an dem dran, was wir uns unter Moderat vorstellen. Da einzige, bei dem wir wirklich einer Meinung sind, ist der Sound. Wir spüren alle die Ästhetik. Man kann das nicht in Worte fassen. Dabei unterscheidet sich das, was wir gut finden, total: Sascha ist ein Gitarren-Freak und steht ernsthaft auf Indierock. Das würde ich mir freiwillig nie geben. Er hasst wiederum HipHop. Da sind Sebastian und ich mehr auf einer Wellenlänge.

Auffällig ist, dass der Fokus jetzt auf ausdefinierten Songs liegt.

Das hat damit zu tun, dass wir schon wahnsinnig viele Tracks in unserem Leben gemacht haben und die Inspiration da irgendwann erschöpft ist. Songwriting heißt ja nicht, Mainstream-Pop zu machen, aber in dieser Techno-Welt, aus der wir stammen, konnte wie nie diese deepness schaffen.

Gibt es einen Song, auf den du besonders stolz bist?

Mein Lieblingssong und Seele der Platte ist „Ghostmother“. Der hat auch das Cover inspiriert.

In welchem Zusammenhang steht das Stück zum Artwork?

Es gibt dieses Phänomen der Geistermutter aus den Anfängen der Fotografie. Damals brauchte man lange Belichtungszeiten. Wenn man ein Kinder-Portrait, ist das Kind natürlich nicht 20 Sekunden still sitzengeblieben. Man braucht die Mutter zum Festhalten, die hinter einem Vorhang stand oder mit Ästen geschmückt würde. Das sieht super scarry aus! Wir wollten etwas ambivalentes – und vor allem ein Kind, bei dem man nicht weiß, ob es ein Junge oder Mädchen ist. Auf dem ersten Album war eine Frau, auf dem zweiten eine Frau. Das dritte sollte neutral sein. Mal schauen, was als nächstes kommt.

www.moderat.fm

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