MONDO FUMATORE – Berliner Act des Monats Januar 2009


Drei Akkorde und ein bisschen Kästchenschieben.



Update: MONDO FUMATORE am Mittwoch, 16.12.09 live bei Popmonitor @ Tango 2000 im Bassy

Mitte der Neunziger starteten Gwendolin und mondomarc als klassische Rockband. Seitdem haben sich MONDO FUMATORE stetig weiterentwickelt und einen ganz eigenen, typischen Sound entwickelt: Kollagen aus elektronischen Spielereien, wirren Sounds, Loops und Samples – dazu eingängige Songstrukturen. Seit dem 2008er Album ‚The Hand‘ werden die Berliner durch Schlagzeuger O-Love (Hip Young Things) und Gitarrist Krite (Sharon Stoned) zu einer Art All-Star-Band komplettiert.

Wir treffen uns zum Interview bei mondomarc, der gerade für seine erkrankten Kinder den Lazarett-Vorsteher gibt. Bevor wir mit Gwendolin im Arbeitszimmer Platz nehmen, rauchen wir noch eine Zigarette auf dem Balkon. Damit wäre eine wichtige Frage vorab beantwortet: Das Rauchverbot hat bei MONDO FUMATORE keine tieferen Spuren hinterlassen. Eine Umbenennung in MONDO NON FUMATORE steht nicht zur Debatte.

Gwendolin: Nee, da machen wir nicht mit. Im Gegenteil: Krite, unser Gitarrist, nimmt sich sogar das Recht heraus, auf der Bühne zu rauchen – als Teil der Performance sozusagen. Dann ist das ja auch im Theater erlaubt.

popmonitor.berlin: Euer letztes Album, The Hand, ist Anfang 2008 erschienen. Davor war es ein paar Jahre stiller um Euch. War das nur eine Kreativpause oder gab es so etwas wie eine Krise?
Gwendolin: Weder noch. Wir haben eigentlich keine Pause gemacht. Wir hatten zwar etwas weniger Zeit, aber wir haben stetig gearbeitet.
mondomarc: Ich habe zwischendurch eine Elektronik-Platte gemacht, dann kamen die Kids und es gab Veränderungen in der Band. Zwischendurch sind wir aufgetreten und haben dafür geprobt. Aber im Grunde haben wir nur 2005 etwas weniger gemacht. 2006 haben wir schon wieder angefangen, am neuen Album zu arbeiten. Wie immer: drei Akkorde, ein bisschen Kästchenschieben und sehen, was dabei herauskommt.

popmonitor.berlin: „Drei Akkorde und ein bisschen Kästchenschieben“ – bringt das die Arbeitsweise bei MONDO FUMATORE auf den Punkt?
mondomarc: Im Prinzip schon. Es fängt mit einem Baustein an – eine Gesangsmelodie, ein cooles Sample, ein paar Gitarrenakkorde. Und dann diskutieren wir und probieren herum.

popmonitor.berlin: Bei allem Herumprobieren und Experimentieren sagt Ihr aber: Musik soll eingängig sein und Spaß machen. Wie passt das zusammen?
mondomarc: Die Priorität liegt darin, sich nicht zu langweilen und mit Sounds und kleinen Tüfteleien sein eigenes Spektrum zu erweitern. Aber im Vordergrund steht das Lied.
Gwendolin: Im Grunde gilt: Das Lied muss auch funktionieren, wenn man es nur mit einer alten Schrott-Gitarre spielt. Auch wenn das vielleicht nicht auf alle unserer Songs zutrifft.

popmonitor.berlin: Wer ist der Aktivere, wenn es um die Ideen geht?
mondomarc: Ich gebe mehr den Input, Gwendolin sorgt für die Zensur. Da sind wir mittlerweile ein eingespieltes Team und das erspart uns viel Müll.



popmonitor.berlin: Eure Songs haben bisweilen kuriose Titel wie ‚The Man With The Twisted Hand‘ oder ‚Teenage Cat‘. Wie entstehen die Texte?
Gwendolin: Der Text kommt immer erst am Schluss, und wir graulen uns jedes Mal davor. So schlecht, wie wir tun, sind wir aber gar nicht. Wenn wir uns hinsetzen und sagen: Wir schreiben jetzt einen Text zu dem und dem Thema – dann klappt es auch.
mondomarc: Manchmal haben wir nur eine Zeile oder eine Idee, die wir dann als Thema aufgreifen wie bei ‚The Man With The Twisted Hand‘. Da habe ich wirklich mal einen Mann mit so einer verdrehten Hand gesehen. Wenn ich einen Text auf Spanisch schreibe, geht es übrigens schneller.
Gwendolin: Weil ich dir dann nicht reinquatsche, wahrscheinlich.

popmonitor.berlin: Ist es inzwischen einfacher, Platten zu machen oder wird es immer schwieriger?
mondomarc: Im Grunde ist es einfacher – schon aufgrund der technischen Möglichkeiten. Früher haben wir ja noch mit Acht-Spur-Geräten gearbeitet. Auch wenn das den Vorteil hatte, dass man da jedes Lied wenigstens einmal ganz durchspielen musste. Heute ist das ja alles geschummelt. Also: Technik hilft…
Gwendolin: …aber verwirrt manchmal auch. Es gibt einfach viel mehr Möglichkeiten. Man kann ja aus fünfzig verschiedenen Sounds wählen.
mondomarc: Der andere Punkt ist: Manchmal arbeiten wir an neuen Songs und merken dann: so ein Lied haben wir ja schon. Insofern ist es manchmal auch schwieriger.

popmonitor.berlin: Ist es schwierig, in der Live-Situation Euren Sound zu reproduzieren?
mondomarc: Mit der richtigen Technik ist das kein Problem – wir arbeiten viel mit Playback. Früher waren wir zu zweit, da haben wir 20.000 Spuren vom Band gehabt. Jetzt versuchen wir, das wieder abzuspecken. Wir sind ja jetzt zu viert und haben eigentlich die beste Besetzung, die wir je hatten.
Gwendolin: Die alten Lieder klingen jetzt auch viel besser als wir sie damals aufgenommen haben. Wir müssen allerdings aufpassen, dass wir nicht wieder zu sehr zurück in den Rock rutschen.



popmonitor.berlin: Auf The Hand gibt es einen Gastauftritt von J. Mascis. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Gwendolin: Meine Freundin ist mit ihm verheiratet. Als ich sie besucht habe, haben wir gerade an unserem Album gearbeitet. Ich habe ihn gefragt, und nach ein paar Tagen hat er mir dann die Sachen zurückgegeben.
mondomarc: Wir haben auch vier Shows im Vorprogramm von Dinosaur Jr. gespielt. Das war neben der Tour mit den Sternen das größte Ding was wir gemacht haben – eine interessante Erfahrung.

popmonitor.berlin: Ihr seid auch in der Berliner „Szene“ verwurzelt. Zum Beispiel hat Jens Friebe die Presse-Info zur letzten Platte geschrieben.
mondomarc: Wir haben Oli, unseren Schlagzeuger, über Jens kennen gelernt.
Gwendolin: Die Kontakte ergeben sich automatisch, wenn man häufiger auftritt und andere Bands kennen lernt. Jens haben wir gefragt, weil er gut schreiben kann. Wir selbst konnten das nicht – und wollten das auch gar nicht. Was soll man schon über sich selbst schreiben?

popmonitor.berlin: Wie beurteilt ihr die derzeitige Berliner Musikszene?
Gwendolin: So richtig eröffnet sich mir die aktuelle Szene nicht – vielleicht weil wir einfach etwas älter sind.
mondomarc: Wir kennen eher die Szene Ende der Ende der Neunziger, Anfang 2000 mit Bands wie Sitcom Warriors, Mina, Contriva, Stereo Total und so weiter. Da ist man zu einem Konzert gegangen…
Gwendolin: …und hat dort alle getroffen. Wahrscheinlich gibt es heute auch so eine Szene, die wir aber nicht kennen.

popmonitor.berlin: Musikfilme sind ja gerade wieder sehr populär. Wenn die Karriere von MONDO FUMATORE mal verfilmt wird, wer sollte Euch spielen?
Gwendolin: Die junge Anjelica Huston.
mondomarc: Schwierig, vielleicht Gregory Peck oder Clint Eastwood.

popmonitor.berlin: Für welche Persönlichkeit würdet Ihr gerne einmal spielen?
Gwendolin: Wenn hier auch Tote gelten, würde ich Gram Parsons wählen.

popmonitor.berlin: Wenn MONDO FUMATORE eine Farbe wäre, welche?
mondomarc: Rot fällt mir jetzt als erstes ein.

popmonitor.berlin: Welches Instrument würdet Ihr gerne noch lernen?
Gwendolin: Cello.
mondomarc: Ich würde gerne einmal richtig gut Klavier spielen können.
Gwendolin: Ich bekomme jetzt eine Geige. Die wird bestimmt auch auf dem nächsten Album zu hören sein.
mondomarc: Au ja: wir machen jetzt wieder analogen Noise.



popmonitor.berlin: Am 23.01.09 steht der Auftritt bei popmonitor.berlin.live an. 2008 habt ihr schon einige Konzerte in Berlin bestritten – unter anderem im Lido und im Bang Bang. Wie sind die gelaufen?
mondomarc: Immer besser. Der Record Release im West Germany war noch etwas wackelig. Aber bei den letzten Konzerten habe ich gedacht: Wow, wie eine „richtige“ Band!

popmonitor.berlin: Zum Auftritt im Rosi’s: Was für ein Programm kann man erwarten? Habt ihr Lieder, auf die Ihr Euch besonders freut?
mondomarc: Wir spielen nicht nur Stücke vom letzten Album, sondern queerbeet.
Gwendolin: Das Lied ‚Rosi‘ vom letzten Album passt ja diesmal wie die Faust aufs Auge.
mondomarc: Besonders freuen wir uns auf eine Cover-Version, die wir spielen werden.

popmonitor.berlin: Welche?
mondomarc: Das verraten wir nicht, wirst Du ja dann beim Konzert hören…

Update: MONDO FUMATORE am Freitag, 03.07.2009 bei popmonitor.berlin.live im NBI (w/ LEASH).

Das aktuelle Album:

MONDO FUMATORE
The Hand
(Rewika/ Alive)

www.mondofumatore.de
www.myspace.com/mondofumatore
www.rewika.de

Fotos: © Max Zerrahn / Rewika
Autor: [EMAIL=arne.wellding@popmonitor.de?Subject=Kontakt von der Website]Arne Wellding[/EMAIL]

Facebooktwittergoogle_pluspinterestlinkedintumblrmailFacebooktwittergoogle_pluspinterestlinkedintumblrmail