MONKEEMAN – Berliner Act des Monats Februar 2007


Auf der Suche nach guten Gitarrenpopsongs ist die Band um Songschreiber RALF LÜBKE definitiv fündig geworden.



RALF LÜBKE hat schon einen relativ weiten musikalischen Weg zurückgelegt. In den 90ern avancierte er u.a. mit seiner schon zu Schulzeiten in Wilhelmshaven gegründeten Band The Colour Red mit zwei veröffentlichten Alben zum Kritikerliebling, arbeitete nach dem Ende der Band überwiegend als Studio- und Livemusiker für Künstler wie Bela B., Rosenstolz oder die Lemonbabies, um sich schließlich seit einigen Jahren zusammen mit ZORAN GRUJOVSKI (Gitarre, Keyboards), THOMY JORDI (Bass) und ACHIM FÄRBER (Drums) unter dem Bandnamen MONKEEMAN wieder verstärkt der musikalischen Selbstverwirklichung zu widmen.
Sowohl das 2005er Debütalbum Burn To Shine als auch der nach dem letztjährigen US-Release nun endlich auch in Deutschland kurz vor der Veröffentlichung (VÖ: 09.02.07) stehende, von Patrik Majer (u.a. Wir Sind Helden) produzierte Nachfolger Jumping On The Monkey Train zeigen RALF als versierten Songschreiber mit einem nicht zu überhörenden Faible für einen urbritisch gefärbten Gitarrenpop in der Tradition der Kinks und Beatles. Mit dem wundervollen Sehnsuchts-Kleinod ‚The Man In My Head‘ hatten MONKEEMAN bereits im vergangenen Sommer einen kleinen Hit und kamen verdientermaßen zu Rotations-Ehren auf hiesigen Radiostationen.
Wir sprachen mit RALF über seine musikalische Sozialisation, das überraschende internationale Feedback und natürlich die Pläne und Ziele von MONKEEMAN.

BiB: Mit Jumping On The Monkey Train steht am 09.02.07 die Veröffentlichung Eures neuen, des zweiten Albums nach Burn To Shine (2005) an. Das Album erschien ja im Mai vergangenen Jahr bereits in den USA und wird nun unter neuem Titel in Deutschland und anderen Ländern veröffentlicht. Wie kam es zur Vorabveröffentlichung in den USA und zur Zusammenarbeit mit dem Berliner Label El Muto, warum wird es unter einem neuen Titel veröffentlicht?

Ralf Lübke: Wir haben im April eine Seite für die Band auf Myspace eingerichtet. Dort wurde ein amerikanischer und sehr einflussreicher DJ eines Collegeradios auf uns aufmerksam. Er schickte sofort „raving emails“ an seine beiden Lieblingslabels, und wir mussten innerhalb von drei Wochen den Labels CDs liefern. Die dortige Powerpopszene hat uns mit offenen Armen empfangen, wir sind auf Platz 19 der 100 besten „Powerpop“- Releases 2006 gewählt worden. Das ist natürlich fantastisch. Das Album ging per Mailorder in der ganzen Welt herum. Nun haben wir mit El Muto endlich auch einen coolen Partner hierzulande gefunden, und ich hatte nun auch die Zeit für einen vernünftigen Albumtitel und ein schönes Artwork, welches Kati Matthies (Lemonbabies) für uns entworfen hat.

Wie sind generell die Rezeption und das Feedback im Ausland im Vergleich zu Berlin? Wo bzw. habt Ihr schon im Ausland gespielt?

Wie eben schon erwähnt, sind wir in der US-Powerpopszene mächtig eingeschlagen. Das Netzwerk funktioniert weltweit generell gut, so dass es geile Reviews und jede Menge Airplays bei entsprechenden Radiostationen gab und gibt. In Italien ist beispielsweise ein Jahr lang ein Song des ersten Albums für einen Werbespot gelaufen, dort haben wir gerade eine Anfrage der dort größten Plattenfirma erfüllt, die uns auf einer Compilation der besten Werbesongs 2006 haben wollen. Ich habe aus Kostengründen unplugged 2006 in England gespielt, und die Reaktionen waren sehr gut. Wir hoffen, in diesem Jahr die USA und Italien zu bespielen.

Jumping On The Monkey Train zeichnet sich durch hochwertiges Songwriting und ebensolche Musikalität aus. Es scheint fast, als wärt Ihr auf der Suche nach dem perfekten Popsong (mit ‚Moving In Circles‘, ‚The Man In My Head‘ oder ‚No Kicks‘ sind diesbezüglich ja auch sehr schöne und gelungene Kandidaten vertreten). Ist es Dir wichtig, dass offensichtliche musikalische Referenzen zu Bands wie The Jam/Paul Weller, The Kinks oder den Beatles erkennbar sind, oder ergibt sich das einfach? Welche Bands würdest Du selbst als explizite Referenzen anführen?

Vorab: All die genannten Bands sind meine größten Einflussquellen, das schon mein Leben lang. Ich schreibe in dem Stil, es ist irgendwie in mir drin. Wichtig ist mir das nicht, aber wenn du in englischen Kritiken als neuer Paul Weller bezeichnet wirst oder Paralellen zu den Beatles gezogen werden, ist das natürlich ungemein schmeichelhaft, so was würde ich mich nicht trauen zu sagen.Ich kann nicht sagen, dass wir auf der Suche nach dem perfekten Popsong sind, nur auf der Suche nach guten Songs. Es muss zur Stimme und der Akustikgitarre funktionieren, sonst taugt es nichts. Wir haben bei diesem Album die Arrangements live im Proberaum erarbeitet und dann mit unserem Produzenten Patrik Majer im Studio verfeinert. Das kann er gut, deswegen hat er ja letztes Jahr auch den Echo gewonnen ;).



Kannst Du kurz etwas über deine musikalische Sozialisation und Deine in den 90ern relativ bekannte Band The Colour Red sagen? Was habt ihr mit The Colour Red für Musik gemacht, wurdet ihr damals vom aufkommenden Britpop und Bands wie Oasis, Blur oder Teenage Fanclub beeinflusst? Warum kam es nach zwei Alben zum Ende der Band?

The Colour Red gab es 11 Jahre. Wir haben nach der Schule damit angefangen, der Weg endete mit zwei Alben bei einer Major Company und Videorotationen auf Viva. Als wir den Plattenvertrag hatten, dachten wir, es würde jetzt besser, als immer mit einem klapprigen Ford Transit zu den Gigs fahren zu müssen, was leider ein Irrtum war und zum Burn-out der Gruppe führte. The Colour Red wollten wie The Jam klingen, und irgendwie waren wir damals auch unserer Zeit voraus, da unser Debütalbum zwei Jahre vor dem ersten Oasis-Album und dem Britpop-Revival erschien.

Wie stehst Du als jemand, der ja auch mit Punk und Wave aufgewachsen ist, zum Rock/Postpunk/Wave-Revival der vergangenen Jahre um Bands wie The Strokes, Franz Ferdinand, Bloc Party etc. Registrierst bzw. magst Du das?

Musik ist zyklisch, wenn du solange dabei bist wie ich. Gitarren kommen und gehen, aber ich freue mich, dass solche Musik gerade wieder trendy ist. Besser als elektronische Mausclickerei auf jeden Fall.

Du hast in den vergangenen Jahren viel als Songwriter und Studio- bzw. Livemusiker für andere Musiker gearbeitet, unter anderem gab es da (für mich) teils überraschende Kollaborationen mit Diane Weigmann (Lemonbabies), Bela B., Rosenstolz oder gar den No Angels. Wie kam es dazu, stehst Du zu den Sachen oder ist Dir im Rückblick vielleicht auch irgendetwas peinlich? Oder betrachtest Du das ganz pragmatisch als Möglichkeit, mit der Musik Geld zu verdienen, um nebenbei deinen eigentlichen Leidenschaften frönen zu können?

Ich hatte nach der Auflösung von The Colour Red eine schwierige Phase in meinem Leben. Keine Band mehr, kein Label und kein Geld. Von meiner letzten Mark habe ich mir dann ein 8-Spur-Gerät gekauft und neue Songs aufgenommen, von denen die meisten auf dem ersten MONKEEMAN-Album gelandet sind. Zu der Zeit haben mich der Hamburger freibank Verlag und vor allem Markus Linde massiv unterstützt. Natürlich habe ich meine Zeit als Studio- und Sessionmusiker ganz pragmatisch gesehen, aber 2004 konseqent damit aufgehört, als es nur noch um andere Musik in meinem Sein ging. Ich bin wohl mehr Künstler als Musikbeamter, nützt nix.
Peinlich ist mir von den Sachen, die ich gemacht habe, nichts, da habe ich eine gesunde Distanz und respektiere Leute, die Musik anders empfinden, als ich das tue. Aber natürlich läuft viel von dem Zeug nicht auf meiner heimischen Stereoanlage. Meine Gold- und Platinscheiben hängen neben dem WC nicht einmal Spritzwasser-geschützt, so was bedeutet mir nichts. Qualität lässt sich nicht in Verkaufszahlen messen, dann käme die Bild Zeitung ja gleich nach der Bibel.

Wer gehört außer Dir noch zur Band? Würdest Du MONKEEMAN als echte Band oder eher als Projekt bezeichnen, sind alle Mitglieder beim Songwriting involviert? Wie sehen Eure Pläne generell und für 2007 aus, wohin wollt ihr mit der Band?

MONKEEMAN ist eine feste Band, und ich bin stolz, mit so tollen Musikern wie ZORAN GRUJOVSKI, THOMY JORDI und ACHIM FÄRBER zu spielen. Die Songs schreibe ich zwar alleine, aber arrangiert werden sie gemeinsam. Wir vertreten die Philosophie, nur live zu spielen, wenn wir Lust dazu verspüren, denn es ist wirklich schwer, die Songs und Shows sonst frisch zu halten. Gigs als Schwerpunkt sehe ich nicht, dazu ist die Clubszene immer noch zu sehr angeschlagen. Ich würde gerne verstärkt im Ausland spielen, das ist eine neue Erfahrung.

Lebst Du zurzeit eigentlich in Berlin, und was hat Dich vor Jahren überhaupt konkret von Wilhelmshaven nach Berlin verschlagen? Gibt es für Dich in Berlin ein bestehendes Netzwerk an Künstlern, mit denen Du häufiger arbeitest oder dich austauschst, wie es beispielsweise bei vielen (Indie-) Bands der jüngeren Generation der Fall ist? Verfolgst Du überhaupt in irgendeiner Weise die Berliner Musikszene?

Ich habe in Berlin 1996 angefangen, mit Sven und Jan Schumacher Musik zu machen, die man vielleicht noch von der Band Gum kennt. Mit den beiden habe ich damals in Wilhelmshaven meine erste Punkband gegründet. Dann habe ich so nach und nach weitere Leute hier kennen gelernt. Ich habe ein kleines Studio in Wilhelmshaven und Berlin als weiteren Standort. Zwischenzeitlich habe ich auch in Münster und Hamburg gelebt. ACHIM und THOMY leben hier, zur Probe geht es dann aber meistens ins schöne Friesland, wo es einen guten Griechen mit freiem Ouzo-Ausschank gibt ;).
Mein Berliner Arbeitsumfeld befindet sich rund um das Freudenhaus Studio von Patrik Majer, ich habe während der WM auf Ex-Lemonbabie Diane Weigmanns kommendem Album Gitarre gespielt, sie gehört ebenso wie Kati von den Lemonbabies, die ja das Artwork und Konzept zum neuen Album betreut hat, zu meinen Freunden. Aber ehrlich gesagt, verfolge ich Musik anderer Künstler nur dann, wenn mich ihre Alben begeistern, egal ob sie aus Kreuzberg oder Kleinklotzdorf kommen. Dennoch liebe ich Berlin, für mich im Moment die spannendste Stadt in Deutschland.

Wie stehst Du zu den Möglichkeiten des Internets, siehst Du darin im Sinne einer globalisierten Community eher Chancen für die Künstler (Stichwort „Myspace“), und auch die Möglichkeit, weg vom Primat der Plattenfirmen zu kommen und mehr in Eigeninitiative zu versuchen bzw. zu unternehmen? Bist Du regelmäßig auf Eurer Myspace-Seite und verfolgst das dortige „Geschehen“ und die Kommentare? Nimmst Du aktiv (beispielsweise per Blogging) an der Kommunikation teil?

Ich finde es spannend, Musik ins Netz zu stellen und Reaktionen aus der ganzen Welt zu bekommen. Ich beantworte brav Messages und schicke Promo-CDs raus, an der Kommunikation darüber hinaus nehme ich nicht teil, der Monkeeman gehört ins Studio und soll komponieren! Aus eigener Erfahrung halte ich das Internet für eine gute Plattform für Promotion, ob das Labels komplett ersetzen wird, wird sich zeigen. Wäre doch schön ;).

Das Album:

MONKEEMAN
Jumping On The Monkey Train
(EL Muto/ Our Distribution)
VÖ: 09.02.2007

Record Release Party am 13.02.07 im Magnet Club (Berlin-Prenzlauer Berg, Greifswalder Str. 212-213) um 21 Uhr. Eintritt: VVK ab 11 EUR (Trinity Concerts)

www.monkeeman.de
www.myspace.com/monkeemanmusic
www.el-muto.com

Autor: [EMAIL=thomas.stern@bands-in-berlin.com?Subject=Kontakt von der Website]Thomas Stern[/EMAIL]

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