MÚM – Go Go Smear The Poison Ivy


Extravagante Klangästhetik.



Seit dem letzten Album vor drei Jahren hat sich was getan bei den Isländern von MÚM. Die beiden isländischen Soundtüftler Örvan Póreyjarson Smárason und Gunnar Örn Tynes sind jetzt wieder zu zweit, nachdem ihnen Sängerin Kristin Anna Valtýsdóttir und deren Cello spielende Zwillingsschwester Gyða den Rücken gekehrt haben. Macht ja nix, dann machen die beiden eben wieder in ihrer Urbesetzung weiter. Naja, nicht ganz – fünf Gastmusiker unterstützten sie vokal und instrumental bei dem ein oder anderen Song.
Freunde versponnener Musik werden vom MÚMs neuem Album wohl begeistert sein und alle, die bislang nicht viel mit Experimental-Pop anfangen konnten, sollten vielleicht einfach mal in Go Go Smear The Poison Ivy reinhören – vielleicht ändert sich deren Meinung ja dann schlagartig.

Zu Beginn klingt zwar alles mehr nach heillosem Durcheinander und der Hörer sieht sich schon in einem chaotischen Klangteppich versinken. Doch nach und nach lichtet sich das Gewirr, verschiedenste Klänge kristallisieren sich heraus und nach anfänglicher Verwirrung lassen sich wunderschöne Melodien ausmachen. Es klimpert und rasselt, trommelt und groovt, säuselnder Mehrstimmengesang, Synthie-Klänge, Akkordeon, Glockenspiel, Piano und Violine kommen zum Einsatz.
Gleich der Opener ‚Blessed Brambles‘ besticht mit fröhlichen Percussions, kindlichem Glockenspiel, sanft klimperndem Piano und der altbewährte Synthie mischt auch noch mit. Und wie der Opener, so ist auch der Grundtenor des Albums: fröhlich, bunt und verspielt.

Insgesamt ähneln sich die einzelnen Songs zwar, was aber noch lange nicht heißt, sie würden gleich klingen. Vielmehr offenbaren die Stücke in ihrer Gesamtheit ein beeindruckendes Hörerlebnis. Wie bei einem Puzzle werden Elemente zusammengesetzt, die auf den ersten Hinhörer zwar nicht zusammenpassen, dann aber eine ganz spezielle Wirkung entfalten und eine Harmonie ergeben, die dann doch irgendwie passt.
Außerdem loht es sich, immer wieder genau hinzuhören, eine Entdeckung hier, eine Überraschung da – das ganze hat was von einem Spiel, keine Frage. Die anfängliche Begeisterung lässt jedoch im Lauf des Albums nach, manchmal wäre ein bisschen weniger doch mehr gewesen und gegen Ende stellt sich allmählich ein klein wenig Langeweile ein – aber man muss ja nicht zwingend alles am Stück hören…

Nichts desto trotz lässt es sich mit der Scheibe herrlich in musikalischen Sphären schwelgen, da wird gespielt und experimentiert, dass es eine Freude ist – und gute Laune stellt sich ganz von alleine ein.

MÚM spielen live am 30.11.07 in der Volksbühne.


MÚM
Go Go Smear The Poison Ivy
(PIAS / Roug Trade)
VÖ: 21.09.2007

http://www.randomsummer.com
http://fat-cat.co.uk/fatcat/artistInfo.php?id=49

Autor: [EMAIL=susanne.lang@bands-in-berlin.com?Subject=Kontakt von der Website]Susanne Lang[/EMAIL]

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