NADA SURF am 14.11.2012 im C-Club


Zu Besuch bei guten Freunden.



Die Aussicht darauf, eine seiner absoluten Lieblingsbands zu sehen, ist ja immer ein Grund zur Freude. Manchmal wird’s schön, oft wird man eher enttäuscht. Meistens aber wird es einfach ein netter Abend und man hört die Lieder eben mal nicht von der Platte, sondern live. Bei NADA SURF sieht das alles ein bisschen anders aus. Ein Nada Surf Konzert ist wie ein unvergesslicher Abend mit Freunden, mit richtig guten Freunden, die nebenbei auch noch ein wenig Musik machen.

Was sich ja inzwischen herum gesprochen haben sollte, ist, dass Nada Surf nicht nur selbst eine der besten Livebands überhaupt sind. Nein, auch ihre Support-Auswahl ist unvergleichlich. Unter den Berliner Fans hatte sich das offenbar herumgesprochen, der kleine C-Club war schon beim ersten Support EZRA FURMAN gut gefüllt. Der junge Musiker, der wie Nada Surf in New York lebt, stand barfuß mit Gitarre und Blümchenkleid auf der Bühne und spielte Lieder, die mich an meine persönlichen Indiefolkhelder der Neunziger, Granfalloon Bus, erinnerten. Gespickt mit Texten, die rotzig, frech aber vor allem ehrlich sind. Sein im Februar erschienenes Solodebüt The Year Of No Returning, so munkelt man, sei wohl eine der besten Veröffentlichungen des Jahres. Als er sich dann nach knapp 40 Minuten mit den Worten „You don’t have to be normal. Have courage. Good Night.“ verabschiedete, hatte sicher nicht nur ich bereits gegoogelt, ob für Ezra Furman bereits eine eigene Tour geplant ist. Leider waren die Shows mit Nada Surf aber seine vorerst einzigen Termine auf deutschem Boden, wir werden uns also wohl noch gedulden müssen, bis wir den sympathischen Rebellen mit der Wunderstimme wiedersehen.

Auch die zweite Vorband war eine positive Überraschung. TALL SHIPS klingen ein klein wenig wie die frühen Okkervil River, verträumt, aber durchaus tanzbar. Die drei charismatischen Jungs aus England führten mit melodiös-melancholischem Indierock musikalisch schon eher in Richtung Nada Surf, dennoch konnte Ezra Furman aber allein schon durch seine Bühnenpräsenz einen nachhaltigeren Eindruck hinterlassen.

Der spannendste Moment bei Konzerten ist für mich immer die Pause zwischen Support und Hauptband. Da dies nicht meine erste Nada Surf Show war, konnte die Vorfreude nicht größer sein, wusste ich doch ungefähr, was mich erwartet. Und die Erwartungen wurden noch weit übertroffen.

Mit ‚Clear Eye Clouded Mind‘, dem Opener vom aktuellen Album The Stars Are Indifferent To Astronomy, begann eine grandiose Vorstellung. Nada Surf beherrschten die ausgewogene Mischung aus alten und neuen Songs einfach perfekt, und auf ‚Waiting For Something‘ folgte ‚Do It Again‘ vom Album The Weight Is A Gift. Schon jetzt war das Publikum wie elektrisiert, und die Band hatte alle mit ihrer fast kindisch guten Laune angesteckt. Zu Anfang wirkte es kurz, als habe Matthew Probleme mit seiner Stimme. So vorhanden, hatten diese sich aber spätestens bei ‚Whose Authority‘ aufgelöst.

Als die ersten Klänge von ’80 Windows‘, einem der älteren Songs von Nada Surfs zweitem Album The Proximity Effect, ertönten, merkte man klar den Altersunterschied, der innerhalb der Publikums herrschte. Während die zahlreichen Besucher unter 25 eher verhalten reagierten, war für die „älteren“ Fans wie mich der Höhepunkt des Abends erreicht. Immerhin ist ’80 Windows‘ doch eines der charakteristischsten älteren Nada Surf Lieder. Und auch wenn Matthew inzwischen komplett ergraut ist, so hört man seiner Stimme die letzten 14 Jahre kein bisschen an. Nachdem es dann bei ‚Beautiful Beat‘ fröhlich und ausgelassen wurde, ging es anschließend um ein sehr ernsthaftes Thema, als die Band auf die katastrophalen Auswirkungen des Klimawandels aufmerksam machte und die kurze Ansprache durch den kritischen Titel ‚No Snow On The Mountains‘ vom aktuellen Album noch unterstrich. Nach ‚The Way You Wear Your Head‘ verließen Nada Surf dann zunächst unter tosendem Applaus die Bühne.

Inzwischen hat es sich bei vielen Musikern scheinbar eingebürgert, gar nicht erst auf Zugabe-Rufe zu warten, sondern die Bühne wie selbstverständlich nach wenigen Sekunden wieder zu betreten. Das gespannte Warten und die Unsicherheit, ob noch weitere Songs folgen, gehen dabei verloren. Aber nicht so bei Nada Surf. Sie ließen das Publikum einige Minuten zappeln, bevor sie zurück auf die Bühne kamen, um mit ‚See These Bones‘ regelrechte Freudenstürme auszulösen. Drei ihrer besten Lieder hatten sie sich für die Zugabe aufgehoben und so folgten ‚Always Love‘ und als endgültiger Abschluß ‚Blankest Year‘, bei dem die Fans zum Schunkeln und Mitsingen animiert wurden und für einige Minuten pure Partystimmung herrschte.

Viele Besucher verließen den C-Club direkt im Anschluß an die Show und verpassten dadurch den obligatorischen Besuch der Bandmitglieder im Publikum, der wohl nach jedem Auftritt erfolgt. Mit nettem Smalltalk, Autogrammen und Fotos ging dann ein durch und durch perfekter Abend zu Ende, und jetzt heißt es nur noch, auf die nächste Nada Surf Tour zu warten. Denn wenn eines klar ist, dann, dass man sich kein Konzert dieser fantastischen Band je entgehen lassen sollte.

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www.trinitymusic.de
www.c-club-berlin.de

Autor: [EMAIL=esther.vomfelde@popmonitor.de?Subject=Kontakt von der Website]Esther Vomfelde[/EMAIL]

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