NAKED LUNCH – Songs For The Exhausted


Fünf Jahre nach dem großartigen Love Junkies kehren die Österreicher nun also doch noch mit einem neuen Album zurück. Vom Ausgebranntsein wahrlich keine Spur…



Wäre man zynisch, könnte man hinsichtlich der vielen Rückschläge (u.a.Verlust von Plattenvertrag und Management) und einer insgesamt brüchigen Bandhistorie ja schon fast von einem Glücksfall sprechen, eine derart umfassende Promotion-Offensive anlässlich der Veröffentlichung von Songs For The Exhausted wurde ihnen – wenn überhaupt- wohl nur zu Beginn ihrer ‚Karriere’ zuteil.

Im Falle von NAKED LUNCH ist das nach der Leidenszeit der letzten Jahre aber auch unbedingt berechtigt, zu großartig waren zudem ihre Alben in den 90ern, auf denen eine beeindruckende Entwicklung von recht heftigem, aber unglaublich emotionalem Grunge auf Naked und Balsam, über die schon gemäßigte Variante von Superstardom bis hin zu den großartigen Gitarrenpop-Hymnen auf Love Junkies vollzogen wurde (erinnert sich noch jemand an das seinerzeit auf Viva Zwei heftigst rotierende Video zu ‚Closed Today‘, in dem die Bandmitglieder nacheinander während des Livespielens das Zeitliche segneten? Einen besseren, wenn auch ungewollt metaphorischen Ausblick auf die bevorstehende ungewisse Zukunft der Band konnte es ja eigentlich gar nicht geben).

Nun kehren sie also mit neuem Album und ihrem endgültig festen Mitglied OLAF OPAL zurück, bestens bekannt als Weilheimer Familienproduzent und auch schon auf den letzten NAKED LUNCH-Alben als Produzent und Musiker tätig.

Songs For The Exhausted
beginnt düster und emotional mit der Killer-Single ‚God‘, JOHN LENNON-artiger Gesang trifft auf herrliche, bedrohlich eiernde MY BLOODY VALENTINE-Gitarren, übrigens kongenial im dazugehörigen Video umgesetzt, das die Band unter widrigen Bedingungen beim mühsamen Erklimmen frostig-schneeverwehter Berggipfel zeigt. Auffällig sind bereits bei ‚God‘ die ungewöhnlichen, sich allerdings noch eher im Hintergrund haltenden Piano- und Keyboard-Sprengsel, die im Folgenden schon mal zu dominant knarzender und bisweilen orchestraler Elektronik Weilheimscher Prägung ausgeweitet werden, was sicherlich auch dem Einfluss von Neumitglied OLAF OPAL zuzuschreiben sein dürfte.

Die gelegentlichen NOTWIST-Referenzen (in ‚First Man On The Moon‘ oder ‚Lost It All‘ ) stellen eine zwar auffällige, aber insgesamt unbedeutende Randerscheinung dar, die nach wie vor hohen Songwriter-Qualitäten der Klagenfurter Band um Sänger und Gitarrist OLIVER WELTER stehen schließlich weiterhin völlig außer Frage.
Mit ‚King George‘, ‚In Your Room‘ oder ‚The Deal‘ gibt es ohnehin auch noch genügend Songs, in denen sie den entspannt-schrammeligen Gitarrensound (im positiven Sinne) vor allem ihrer letzten beiden Alben gekonnt aufgreifen und diesmal noch eine Spur melancholischer und emotionaler aufbereiten.

Songs For The Exhausted ist die reife und absolut konsequente Weiterentwicklung ihrer letzten beiden Platten, die bereits auf Love Junkies dezent angelegte Elektronik erfährt eine leichte Steigerung, und die Songs sind auch nach der langen Pause immer noch das, was sie immer waren: zeitlos und bewegend.


NAKED LUNCH
Songs For The Exhausted
(Motor Music/ Universal)
veröffentlicht

http://www.nakedlunch.de

Autor: [EMAIL=thomas.stern@bands-in-berlin.com?Subject=Kontakt von der Website]Thomas Stern[/EMAIL]

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