NOFX – They’ve Actually Gotten Worse Live!

NOFX - They've Actually Gotten Worse Live!

Livealben sind zwar kein neues Studioalbum, aber mehr als ein Best-Of, vor dem sich manche Bands ob des drohenden Prädikats „Ausverkauf“ drücken. Sie sollen die Atmosphäre eines typischen Konzerts widerspiegeln, die Gruppe als Könner auszeichnen und die harten Fans bei Laune halten. All das gelingt den US-Neopunk-Urgesteinen NOFX mit Leichtigkeit auf ihrem zweiten Konzertmitschnitt. Nach I Heard They Suck Live ist bereits das Best-Of The Greatest Songs Ever Written (By Us) veröffentlicht worden, weshalb man wirklich darauf achten musste, keinen Song zu oft herauszubringen. So wird auch nichts von der letztjährigen LP Wolves in Wolves Clothing gespielt.

Schon 1983 entstand die Band aus San Francisco, erlebte einige Mitgliederverschiebungen und besteht aktuell aus Sänger FAT MIKE (Bass), Co-Sänger EL HEFE (Gitarre), ERIC MELVIN (Gitarre) und Drummer ERIK „SMELLY“ SANDIN. Die vier jung gebliebenen Herren äußern sich im lustig aufgemachten Booklet über die 3-Tage-Tour. In ihren Lageberichten spielt Alkohol keine Nebenrolle…
So findet man sich, hörbar gut gelaunt, an einem Januarabend auf der Bühne des San Franciscoer Club Slim’s zusammen. „Ah Shit, time to go to work“, stellt EL HEFE fest und begrüßt auf diese Weise Fans vor Ort und an den Audioapparaten zu Haus. Die Jungs haben auf der Minitournee bereits ein Konzert hinter sich, und FAT MIKE versichert: „This is gonna be the best show.“ So beginnt ein Gig aus dreckigen Witzen (oft über die Fans) und hämmerndem Schlagzeug. Der Hybrid ‚Intro/Glass War‘ macht das deutlich.

Ein Track (‚You’re Wrong‘) mit der typisch antreibenden NOFX-Dynamik schließt sich an und ist „the first part in a series of taking an old slow song and making it really fast.“ Er ist sowohl lustig und melodiös als auch kritisch und ernst. „This sex song is for all the Christians, Jewish people, Moslems and Buddhists out there, ‚cause you‘re all fucked. And if you believe in god, you‘re wrong.“ Tatsächlich existiert für die Punks in den USA folgende Gleichung: Religion = George W. Bush = Krieg.

So wie im Anschluss „Those accords were wrong“ eingestanden wird, spart die Band nicht mit Geplauder über die eigenen Auftritte, obwohl schon das poppige ‚Franco Un-American‘ ein gelungener Durchlauf wird.
Hier zeigen sich NOFX vor allem erholt von der 2004er Wahl-Katastrophe. Im Vorfeld hatten sie sich mit ihrem bislang politischsten Album The War On Errorism (2003), von dem der Song stammt, an der öffentlichen Debatte um den Irakkrieg beteiligt. Sie wurden wie die gesamte amerikanische Linke von Bushs Wiederwahl hart getroffen. Das Schlimme – letztendlich bestätigte sie das, was NOFX eigentlich ironisch überspitzt kritisiert hatten: die blindwütige Mitläuferschaft der US-Bevölkerung.

Nach dieser Bush-Hass-Tirade schließt sich ein besonders schöner Dialog an:
ERIC MELVIN (zu FAT MIKE): „I gonna name my icecream after you: FAT MIKE“
EL HEFE: „Junky-Drunky!“
FAT MIKE: „If sight saying, you know, if what sight saying: Adolf Hitler – pretty much.“
ERIC MELVIN: „No, I didn‘t name icecream after Hitler.“
FAT MIKE (lacht): „Ah no!“
EL HEFE: „It‘s okay. We like Hippie Music. It‘s okay.“
FAT MIKE: „Let me be good with all. You know, personally I love strawberry-Hitler-icecream.“
ERIC MELVIN: „Pretty into Hitler?“
FAT MIKE: „It got little tiny nutsys in it. It‘s good.“
Solche Unterhaltungen machen den Charme von Punkkonzerten aus. Vergleichbar dazu wäre das BLINK 182-Livealbum The Mark, Tom & Travis Show sowie deren Song ‚Give Me One Good Reason‘ mit dem NOFX-Stück ‚What’s The Matter With Parents Today?‘ – textlich und stilistisch.
Eine ähnliche Vergleichsmöglichkeit bietet ‚The Longest Line‘ und die Band selbst: „This song is about being backstage in the BOUNCING SOULS-Show.“ Das Lied enthält zudem eine Zeile vom GREENDAY-Hit ‚Basket Case‘.

Damit ist jedoch noch nicht der Spielraum songlicher Möglichkeiten abgesteckt. Stimmungsvoll wird es mit den Reggae/Ska-Stücken ‚Eat the Meek‘ und ‚We March To the Beat of Indifferent Drum‘ mit getragenen Keyboard-Parts und Trompeten. Zusätzlich zeigen die Kalifornien-Punker ihre Möglichkeiten an kurzen heftigen Punksongs, wovon die meisten B-Seiten sind. Der kürzeste ist ‚Juice Head‘ mit gerade mal 16 Sekunden.

Mit all den kleinen Überraschungen der lässigen Spaßvögel ist eine empfehlenswerte Werkschau entstanden, die sich für jeden deutschen Fan angesichts der wenigen Konzerte hierzulande und auch für NOFX-Einsteiger zum Kennenlernen eignet.

NOFX
They’ve Actually Gotten Worse Live!
(Fat Wreck Chords/ Epitaph)
VÖ: 20.11.2007

www.nofx.org

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