OOMPH! + EXILIA + VELCRA am 02.05.2004 in der Columbiahalle

Da steppt(e) der Bär: Laut bandeigener Aussage OOMPH!s bisher größter Headliner-Gig …

Rund 2.500 zahlende Gäste versammelten sich am 02.05. in der Columbiahalle, um ein neues Kapitel Berliner Musikgeschichte zu schreiben oder einfach nur, um ein ereignisreiches erstes Maiwochenende mit musikalischen Höchstleistungen ausklingen zu lassen.

Doch nicht nur die sehnsüchtig von ihren Groupies und Altfans (an dieser Stelle einen Gruß an den OOMPH! -Stammtisch, früher beheimatet im Rosengarten) erwarteten OOMPH! brachten die Halle in Bewegung. Bereits bei VELCRA fingen einige der „good old“ EBM-Schädel an, das Tanzbein zu schwingen, auch wenn gitarrenlastige „New Rock“ und Crossover-Klänge, wie sie von VELCRA und EXILIA präsentiert wurden, wohl kaum zu den in diesen Kreisen gebräuchlichen Hörgewohnheiten passen.
Ihrer Rolle als „Anheizer“ wurden die mit sehr charismatischen und gesangsstarken Frontfrauen ausgestatteten Formationen wirklich mehr als gerecht. Besonders für EXILIA zeichnet sich schon jetzt ab, dass diese Tour erheblich zur Vergrößerung ihrer Fangemeinschaft beitragen wird, die sie ja schon durch ihre kürzliche Tour mit IN EXTREMO ausbauen konnten. So wirbelt ihre aktuelle Single Stop Playing God inzwischen in den zweistelligen Bereichen der DAC umher.

Wie nicht anders erwartet, bildeten jedoch OOMPH! das musikalische Highlight des Abends.
Deshalb hier ein kleiner Einblick in Gedanken um und über die Band sowie den Gig. Mit ’Augen auf!’ haben die Jungs von OOMPH! vor einigen Wochen einen Nummer-1-Hit in Deutschland gelandet und die Single-Charts mächtig aufgemöbelt. Dabei kannte bis vor kurzem noch kaum jemand den Bandnamen der drei Wolfsburger, obwohl diese schon seit ca. 15 Jahren als Band aktiv sind und immerhin schon als Vorbild für keine Geringeren als RAMMSTEIN fungiert haben.
Diesen haben sie es nun nachgemacht und mit ihrem Album Wahrheit oder Pflicht sicherlich den einen oder anderen Euro verdient.

Nun ist es aber so, dass die Meinungen über solche Karrieren stark auseinander gehen: Wo der eine sich freut, dass ein „Newcomer“ frischen Wind in die Musikszene bringt, da meckert der andere über die Kommerzialisierung seiner Helden.
Und die Stimmen der letzteren Fraktion erklangen laut in den letzten Wochen.

Deshalb waren sicher viele Fans insbesondere auf die Tour zum aktuellen Album gespannt. Würden denn nur kreischende Girlies in den ersten Reihen stehen und Kuscheltiere werfen? Oder sollte sich das Publikum trotz Nummer-1-Hit doch nicht bemerkenswert geändert haben?
Letzteres war schwer vorstellbar, wenn man vom Beispiel Berlin ausgeht: Ursprünglich für das ColumbiaFritz gebucht, wurde das Konzert schon nach wenigen Vorverkaufswochen in die weitaus größere Columbiahalle verlegt, und selbst dann noch machten Sold out-Gerüchte die Runde. Also doch die Invasion der Bravo-Charts-Wähler? Diese und andere Gedanken gingen mir auf dem Weg zur Columbiahalle durch den Kopf.
Dort angekommen, überraschte mich jedoch zunächst mal der Anteil des schwarz gekleideten Publikums, zumindest in der hinteren Hallenhälfte. Getrieben vom Gedanken, es aber ganz genau wissen zu wollen, stürzte ich drei Weißweinschorlen runter und mich todesmutig in die vorderen Reihen.
Dort angekommen: ÜBERRASCHUNG! Nix Girlies, nix Kuscheltiere. Kindergeburtstag wurde auch an diesem Sonntag woanders gefeiert.
Die drei Wolfsburger Jungs, in gewohnter Manier in weiße durchgehende Overalls gekleidet, betraten die Bühne und wurden von einem Publikum gefeiert, das – rein äußerlich – das typische OOMPH!-Publikum war: gruftige Mädels, glatzköpfige Männer. Na wer sagt´s denn: Alle Nervosität umsonst! Also Gehirn ausschalten und von der Musike treiben lassen! Und die war von gewohnt guter Qualität. O.K. vielleicht ist das ein bisschen untertrieben, aber man muss ja nicht immer Superlative gebrauchen.

Der geneigte Fotograf des Abend möchte hier jedoch einwerfen, dass – zumindest in seinem Umfeld und mit der unverfälschten Erste-Reihe-Sicht vom Fotograben aus betrachtet – der Teeny-Faktor im Vergleich zu früheren OOMPH!-Spektakeln wenn auch nicht überwältigend so doch spürbar gestiegen war.
Besonders auf sich aufmerksam machte ein hormongebeuteltes weibliches Individuum, welches, vom Rang aus über das Geländer gelehnt, ununterbrochen ein einschlägiges T-Shirt schwingend mit erstaunlicher Ausdauer und Stimmvolumen „Dero!!! Dero!!!“ brüllte. Als selbiger es dann tatsächlich entdeckte und den Fehler machte, kurz hoch zu winken, wäre es vor Ekstase fast über die Reling gestürzt, so dass einem – direkt darunter befindlich – neben Angst um Gesundheit und Fotoausrüstung wieder einmal bewusst wurde, wie gefährlich weibliche Teenager heutzutage leben.

OOMPH! beschränkten sich indes keinesfalls auf das Auf- und Abwärtsspielen der aktuellen CD. Vielmehr verstanden sie es, das Repertoire des Abends gekonnt auch mit „Klassikern“ zu durchmischen. Jedoch war eindeutig zu bemerken, dass die epochale Verteilung einen deutlichen Schwerpunkt auf die neuere, mit dem Album Plastik eingeleitete, rockigere OOMPH! – Phase setzte.
Viele Herzen sprangen eindeutig höher, als Titel wie ‚Feiert das Kreuz‘, ‚Supernova‘, ‚Gekreuzigt‘ oder ‚Unsere Rettung‘ die Columbiahalle zum Beben brachten.
Insgesamt eine gekonnte Symbiose aus Musik, Performance, Light- und Videoshowelementen die mit mehreren Zugaben, inklusive dem schon seit längerem zu einem allseits beliebten A Capella-Titel mutierten Stück der ersten Stunde ‚Mein Herz‘, abgerundet wurde.

Am Ende des Abends schien es, als wären Band und Publikum positiv überrascht voneinander: die Band von der Ausdauer und Freude im Publikum, das nicht müde wurde weitere Zugaben einzufordern und das Publikum von der sehr überzeugenden Präsentation der Band.
Ein paar Wermutstropfen gab es dennoch, denn zum Einen hätten sicherlich nicht wenige Fans gerne noch mehr ältere Werke gehört und zum Anderen muss jeder noch so schöne Abend irgendwann mal enden.


In 100%iger Vorfreude auf ein weiteres Wiedersehen und –hören…

http://www.ooomph.de

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