
Die platinblonde Singer-Songwriterin PHOEBE BRIDGERS kommt aus Kalifornien. Sie schrieb ihren ersten Song mit 11, spielte in den Schulbands EINSTEIN’S DIRTY SECRET und SLOPPY JANE, ging auf Musikhochschulen. Später hatte sie sich solo so bekannt gemacht, dass sie RYAN ADAMS unter seine Fittiche nahm. Zusammen haben sie die Killer EP (2015) herausgebracht. Nun steht auch ihr Solo-Debütalbum an, produziert von „Industrie-Guru“ Tony Berg und ETHAN GRUSKA (THE BELLE BRIGADE). Was kann da schon schiefgehen?
Los geht’s mit einer runtergestimmten, traurigen Gitarre als Sadcore. Der Bedroom-Sound steht ihr mit ihrer klaren, hellen Stimme. Hier sortiert sie auch gleich mal ihren musikalischen Hintergrund in Bezug auf ein Gegenüber vor: „Singin‘ ‚Ace of Spades“ when LEMMY died. But nothing’s changed. L.A.’s alright.“ Noch komplexer: „One of your eyes is always half-shut. Somethin‘ happened when you were a kid. I didn’t know you then and I’ll never understand, why it feels like I did ‚How Soon Is Now‘ in an eighties sedan. You slept inside of it because your dad lived in a campground in the back of a van. You said that song’ll creep you out until you’re dead.“
Doch wer ist dieses Gegenüber? Bei „Motion Sickness“ wird es eklig – und schön gleichzeitig. In zartestem Indierock erklärt sie gleich zu Beginn: „I hate you for what you did and I miss you like a little kid. I faked it every time.“ Autsch. „You were in a band when I was born.“ Okay? Geht es hier um Adams? Der verknallte sich ja nun in den Song „Killer“, der sich auch auf dem Album befindet. Hier läutet ein tragisches Klavier einen bitteren Text über den Verlust einer Liebe ein, die man beerdigen muss.
Diese eisig-einsame Haltung kennt man vielleicht von ANNA TERNHEIM. Doch wirkte diese stets unnahbar entfernt, spricht Bridgers bei Gitarrenfolk ihre Gefühle richtig aus: „Jesus Christ, I’m so blue all the time.“ („Funeral“) Das In-sich-selbst-eingesperrt-Sein, zeigt sich auch im Traum: „And I have this dream where I’m screamin‘ underwater, while my friends are wavin‘ from the shore.“ Ist das ein Gespensterkostüm auf dem Coverbild? Oder eine weiße Burka? „I don’t wanna be stoned anymore. I don’t wanna be alone.“ („Demi Moore“)
Wir erleben eine Frauengeneration, die sich herausnimmt, ebenfalls öffentlich zu leiden. Da kann ein alter Hase wie CONOR OBERST (BRIGHT EYES) nur noch freundschaftlich unterstützen („Would You Rather“). Aber klar hat auch jemand wie Bridgers Vorbilder wie etwa, wenn sie „You Missed My Heart“ von MARK KOZELEK (SUN KIL MOON, RED HOUSE PAINTERS) und JIMMY LAVALLE (THE ALBUM LEAF) covert.
Wow, so ein Album muss man verkraften können. Und es ist kein Warnhinweis für depressive Menschen draufgeklebt. Der hat auch immer bei BILLY TALENT-Alben gefehlt. Trotzdem haben die tolle Platten gemacht und Phoebe macht jetzt ihre auf ihre Weise.
Phoebe Bridgers
Stranger In The Alps
(Dead Oceans)
VÖ: 22.07.2017