PINK FLOYD – London 1966/1967


Es gibt Veröffentlichungen, bei denen Bandname, Titel und Format eigentlich alles sagen… Nach der DVD erscheint das faszinierende musikhistorische Material nun auch auf CD.



Angesichts des epochalen Live8-Reunion-Auftritts im vergangenen Jahr im Londoner Hyde Park sowie der anstehenden, nicht mehr unbedingt für möglich gehaltenen Veröffentlichung eines neuen Soloalbums von DAVID GILMOUR inkl. anschließender Solo-Tour ist eine der größten und wichtigsten Rockbands der Geschichte nun auch im neuen Millennium wieder in aller Munde, und es darf wieder munter über weitere Aktivitäten der Herren WATERS, GILMOUR, WRIGHT und MASON sowie eine tatsächliche Reunion des klassischen 70er/80er Line-ups spekuliert werden.

Bereits im September vergangenen Jahres wurde die DVD PINK FLOYD London 1966/1967 veröffentlicht, nun erscheint das auf der DVD enthaltene faszinierende musikhistorische Material in nahezu identischer Form auch auf CD.

Neben der allerersten, knapp 17-minütigen (Live-)Version vom Klassiker ‚Interstellar Overdrive‘ und der 12-minütigen zuvor so gut wie unbekannten Studio-Jamsession ‚Nick’s Boogie‘ in der Besetzung SYD BARRETT, NICK MASON, ROGER WATERS und RICK WRIGHT finden sich auch auf der CD u.a. der Interstellar Overdrive-Film in voller Länge, Interviews (MICK JAGGER, MICHAEL CAINE, JULIE CHRISTIE u.a.) aus Londons pulsierender Künstlerszene der späten 60er sowie ein Interview bzw. kommentierter Überblick von Regisseur Peter Whitehead, der die frühen Sessions der Band seinerzeit filmte. (ts)

Im Folgenden die DVD-Kritik:

London 1966/1967 ist zweifelsfrei ein faszinierender Einblick in die frühe Welt einer der größten Rockbands dieser Welt.
Die DVD beinhaltet seltene Auftritte des klassischen PINK FLOYD Line-Ups der späten 60er Jahre im Sound Techniques London und den legendären „14 Stunden Technicolor Dream Extravaganza“-Auftritt im April 1967 im Alexandra Palace.
Diese historischen Aufnahmen zeigen PINK FLOYD vor der Zeit ihres ersten Plattenvertrages bei EMI in der Besetzung SYD BARRETT (Gitarre), NICK MASON (Drums), ROGER WATERS (Bass) und RICK WRIGHT (Keyboards).
Verantwortlich für diese Aufnahmen ist Filmproduzent PETER WHITEHEAD, der die Band am 11. und 12. Januar 1967 zu den Studiosessions in London einlud.

‚Interstellar Overdrive‘ ist der Titel, mit dem PINK FLOYD berühmt geworden ist und quasi die Geburtsstunde der Band markiert. Hier wird er dem Zuschauer in einer fast siebzehnminüten Fassung in Form einer hypnotisierenden Jamsession (mit Einsprengseln aus dem Londoner Ufo Club) präsentiert. Und wohl bei keinem anderen Stück ist bereits hier erkennbar, was in den Jahren folgen sollte:
PINK FLOYD entwickelten sich schnell zu einer der innovativsten Rockbands. Bereits 1967 entwickelten sie das erste quadrofonische Soundsystem, noch bevor Stereogeräte in Serie produziert wurden. Sie vereinten erstmals wie keine andere Band Musik mit Film, statteten ihre Konzerte mit reichlich visuellen Reizen aus, experimentierten mit Verfremdungseffekten und Realitätszitaten.
Ähnlich angelegt ist auch die Session zu ‚Nick’s Boogie‘, eine Studio-Improvisation, die fast 12 Minuten dauert.

Dennoch: der Psychedelic Rock, den die vier blutjungen Studenten damals zelebrierten, war schräg und sperrig und hatte noch wenig mit dem zu tun, was die Formation mit BARRETT-Nachfolger DAVID GILMOUR später zur größten Pomprock-Institution der Welt und Hitgaranten (‚Money‘, ‚Wish You Were Here‘, ‚Another Brick In The Wall‘ u.v.a.) machen sollte.

Die Filmkunst des PETER WHITEHEAD unterstreicht die Abgedrehtheit der Band: wüste Kameraschwenks, hektische Schnitte, verwackelte Handkamera-Sequenzen wechseln sich mit langen Nahaufnahmen und Farbverfremdungen ab.

Eigentlich wollte PETER WHITEHEAD einen Film (Tonite Let’s All Make Love In London) über die „Swinging Sixties“ in London machen und suchte dafür einen Soundtrack. Und so dient die Musik von BARRETT & Co. als Untermalung einer Bildcollage bestehend aus eingeblendeten Zeitungstitelblättern, Ausschnitten einer Kunstausstellung von und mit ‚Aktionskünstlerin‘ Yoko Ono, gefolgt von Sequenzen, die einen leicht highen John Lennon durchs Bild wackeln lassen. Das Ganze verlangt dem Zuschauer eine Menge ab: die fast gewaltsame Kameraführung, die Schnelligkeit – ein Trip! Historisch dabei – und das nur am Rande – John Lennon und Yoko Ono kannten sich damals noch gar nicht.

Ob diese Aufnahmen dem London der 60er Jahre gerecht werden, darf bezweifelt werden. Das auf der DVD enthaltene Feature Peter Whitehead’s 60’s Experience kommt dem Lebensgefühls der Sixties wohl näher. Buckingham Palace, Queen Mom’s Wachen, Demonstrationen auf dem Trafalgar Square, Teens im typischen Modeoutfit – das sind die Bilder der Zeit, natürlich untermalt mit Musik von PINK FLOYD.

Zusätzlich sind auf der DVD Interviews mit Mick Jagger (The Rolling Stones), den Schauspielern Michael Caine und Julie Christie sowie Pop-Art Künstler David Hockney zu finden. Alle Interviews gibt es nur in Originalsprache ohne Übersetzungen im Untertitel.

Dass das alles auf nur knapp 60 Minuten Spielzeit passt, mutet fast unglaublich an. London 1966/1967 ist ganz sicher ein historisches (Film-)Musikdokument. Leute, die PINK FLOYD lediglich aus GILMOUR-Zeiten kennen, sollten die Finger davon lassen. Hardcore-Fans und Sammler jedoch haben keine Wahl.

PINK FLOYD
London 1966/1967 (DVD)
(Snapper/ SPV)
VÖ: 19.09.2005

PINK FLOYD
London 1966/1967 (CD)
(Snapper/ SPV)
VÖ: 07.01.2006

www.pinkfloyd.com
www.spv.de
www.gordeonmusic.de

Autor: [EMAIL=jana.schuricht@b-i-b.de?Subject=Kontakt von der Website]Jana Schuricht[/EMAIL]

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