PLACEBO – Battle For The Sun


Auf der Sonnenseite.



Seit weit über einem Jahrzehnt spielen PLACEBO nun schon den Soundtrack für das düstere, melancholische Outsidertum und all die Herzen, die an unerwiderter Liebe zerbrochen sind. Für die meisten heute Anfangzwanzigjährigen sind sie so etwas wie die „Smiths“ für die heute Anfangdreißigjährigen. Eine Band, die es weiß, den Weltschmerz perfekt in Musik zu kleiden.

Doch jetzt soll alles anders sein. Auf dem sechsten Album Battle For The Sun haben sich PLACEBO entschieden, die sonnige Seite des Weges einzuschlagen, gepackt von Optimismus und Zukunfts-Geilheit. Und so sprießen auch aus den neuen Songs viel Selbstbewusstsein und Temperament. Was nicht zuletzt am neuen Drummer Steven Forrest liegt, der mit seiner Punkband-Vegangenheit und seinen knackigen 22 Jahren auf dem tätowierten Rücken, eine Menge frischen Wind in die gute Stube der ehemaligen „Nancy-Boys“ bringt. Doch scheinen auch Brian Molko und Gitarrist Stefan Olsdal viel aufgeräumter und ausgeglichener zu sein, als sie es vor ein paar Jahren noch waren. Vorbei ist die Zeit, in der sie durch provokante Aussagen das Image der Band polieren mussten. Inzwischen ist man dann doch irgendwie erwachsen geworden und konzentriert sich auf die Musik.

Dabei ist Battle For The Sun sicherlich nicht das Beste, was sie in ihrer Karriere produziert haben, jedoch auch keineswegs das Schlechteste. Es hat seine Schwächen und Stärken und ist gerade durch diese Unperfektion so interessant, denn wen interessiert schon eine Platte, die sich makellos schimpft. Beim ersten Durchhören erscheint es ein wenig belanglos zu sein. Doch wenn man dem Album noch ein bis zwei Chancen einräumt, entwickeln sich die Songs im Ohr und man entdeckt ihre Facetten und Nuancen.
Zwar neigten PLACEBO schon auf ihren früheren Werken zu Experimenten, doch hier addieren sie noch ein paar Verspieltheiten wie Handclaps, Chöre und ein tetris-artiges Sample bei ‚For What It´s Worth‘ dazu. Besonders fallen die Streicher auf, die sich wie ein roter Faden durch das Album ziehen und besonders beim Titeltrack fürs Aufhorchen sorgen. Dieser erweist sich auch als absolutes Highlight und besticht durch seine brachiale, orchestrale, ausufernde Eleganz, die schon fast post-rockige Züge trägt. Auch ‚Julien‘ gehört zu den Besonderheiten und beginnt mit einem schönen stampfenden Elektrobeat. ‚Happy You´re Gone‘ könnte man übrigens als Message an den ehemaligen Schlagzeuger, Freund und langjährigen Weggefährten Steven Hewitt verstehen.

Trotz dieser erfrischenden Dynamik in den Songs fehlt es diesmal an ruhigen Balladen, die PLACEBO bisher immer besonders gut beherrschten. Außerdem scheint der Gewinn an Optimismus den Verlust an textlichem Einfallsreichtum zu bedeuten, vieles wirkt einfach sehr uninspiriert zusammengereimt. Und bei Textzeilen wie „you can run but you can´t hide // because no one here get’s out alive“ könnte man meinen, Brian Molko hätte im Lexikon der Rocksong-Zitate geblättert.

Im Gesamten betracht ist Battle For The Sun jedoch ein schönes Album geworden, das man einfach häufiger hören muss, um es lieb zu gewinnen. Und es entfacht die Neugierde darauf, was man in Zukunft von den „neuen“ Placebo erwarten kann.

PLACEBO am 22.11.09 live in Berlin/ Arena Treptow

PLACEBO
Battle For The Sun
(PIAS/ Rough Trade)
VÖ: 05.06.2009

www.placeboworld.co.uk

Autor: [EMAIL=eric.ahrens@popmonitor.de?Subject=Kontakt von der Website]Eric Ahrens[/EMAIL]

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