Ready Player One: Songs From The Motion Picture

Steven Spielberg wollte es noch einmal wissen und setzte sich selbst, wie auch dem Nerd-Universum aus Filmen und Videospielen ein Denkmal: Ready Player One. Der dazugehörige Score wurde von ALAN SILVESTRI produziert. Der Lieder-Soundtrack dagegen wird als Songs From The Motion Picture verkauft. Er stellt mit seinen 11 Titeln eine völlig beliebige Auswahl der über 30 1980er-Jahre-Pop- und Rockhits dar, die im Film auftauchen. Sind denn nun PRINCE, NEW ORDER oder BRUCE SPRINGSTEEN mehr 1980er als VAN HALEN, JOAN JETT oder EURYTHMICS? Nein, denn der Film wirft auch optisch wahllos mit Film- und Game-Zitaten der 1980er um sich, was seit Stranger Things beliebt geworden ist.

Die Zitatwut erfüllt nur eine Funktion: die Verniedlichung des Entwicklers Halliday, dem als „Erschaffer“ der virtuellen Realität „Oasis“ gehuldigt wird. Er soll als großes, einsames Kind und nicht als der Milliardär gesehen werden, der er ist – ähnlich wie Mark Zuckerberg in The Social Network.

Ein Kampf um die virtuelle Realität? Das erinnert an die Matrix-Triologie, die von Kritikern, die offenbar nur den 1. Teil verstanden haben, als miese Wahl zwischen Pest (digitaler Neoliberalismus = USA) und Cholera (digitaler Maoismus = China) gesehen wird. Hier handelte Messias Neo (alias Keanu Reeves) einen Waffenstillstand mit dem System aus, der jedoch ein revolutionäres Hintertürchen bereithielt: Mit Hilfe des alten und neuen „Orakels“ durften die Menschen nun sich freiwillig von der „Matrix“ abkoppeln und sie umsonst nutzen, wann sie es wollten.

In Ready Player One dagegen erwirkt Easter Egg-Ritter „Parzival“ (alias Tye Sheridan) bei dem digitalen „Halliday“ lediglich die Aufspaltung seiner vererbten Milliarden und „Oasis“-Aktien unter sich und seine Freunde. Die Menschen sind in diesem Film durch die „Oasis“ derart verblödet und verarmt, dass sie ihr reales Elend überhaupt nicht ändern wollen, sondern sich nur eine nicht ganz so kommerzialisierte Virtualität wünschen. Diese Handlung ist letztlich nur eine Variation auf Charlie und die Schokoladenfabrik.

Der ganze Film ist ein Abschied des Kinos und der Popmusik vom Anspruch der Innovation. Der alte Matrix-Soundtrack von 1999 setzte dagegen noch mit NuMetal, Industrial (MINISTRY, DEFTONES, RAGE AGAINST THE MACHINE, …) und Hardcore Techno (THE PRODIGY, …) auf einen zukunftsweisenden Sound statt auf tumbe Nostalgie.

 

Ready Player One: Songs From The Motion Picture
(Decca/Universal Music)
VÖ: 20.04.2018

http://readyplayeronemovie.com/

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