Resist To Exist 2018

Die Polkappen schmelzen, Millionen Menschen hungern oder flüchten und Donald zertrampelt sogar die liberale Wirtschaftsordnung. Was macht eigentlich die Punkbewegung? – Hätte man vor 10 Jahren gefragt. Denn heute beherrscht HipHop den Mainstream und z.T. auch die alternative Szene: So war z.B. der zentrale Mobilisierungssong für den ersten internationalen Großprotest gegen Trump im Juli 2017 Politrap. Er wurde im Juli 2018 wieder auf Youtube hochgespült, da MONO INC. einen Song namens „Welcome To Hell“ veröffentlichten. Die dazugehörige Demo galt als eine Art Rache für den Polizeieinsatz in Heiligendamm 2007.

Um Punk live und szenig zu erleben, ist das „Resist To Exist“-Festival zu empfehlen – in diesem Jahr zum 15. Mal und erneut auf einer Koppel am Rande der Berliner Vorstadt Kremmen. Vom 3. bis 5. August wurde hier zu 36 Bands gepunkt und gerockt. Mittenmang zahlreicher Politik-Stände waren neben dem Headliner TERRORGRUPPE andere typische Deutschpunkbands wie HAUSVABOT, PESTPOCKEN oder KOTZREIZ zu sehen. Spannend und zukunftsweisend zeigten sich etwa COR.

Klassischer Oi war zu hören wie von BERLINER WEISSE …

… und Ska wie von SKARFACE, der von Hunderten mitgefeiert wurde.

Nachts luden BABOON SHOW zu weiblichem Hard Rock und MAD SIN zu launigem Post-Rock’n’Roll ein.

Dennoch kommt selbst ein unkommerzielles Festival seit der Mainstream-Erschließung von Festivals in den 2000ern nicht mehr ganz an HipHop vorbei. Dieser lebt schließlich seit den 90ern von Sex, Drugs und Pöbelei, die der Deutschpunk vorbereitet hatte – und dieser existierte wiederum auf Fundamenten, die die Neue Deutsche Welle setzte. Darum entschlossen sich die Veranstalter, erstmalig am Abend des letzten Tages drei HipHop-Acts auf die Bühne zu lassen.

Zunächst ging es wieder heavy in die Vollen mit dem englischsprachigen Polit-Crossover-Projekt MOSCOW DEATH BRIGADE, denen AUDIO88 & YASSIN im Funrap-Stile von TRAILERPARK folgten, die genau wie die Berliner WAVING THE GUNS versuchten, sich mit Religionskritik beliebt zu machen. Die Rapper lobten die Toleranz und die gute Laune der Punker im Publikum. Man stelle sich nur mal eine Punkband auf dem „Splash!“-Festival vor.

Da liegen Welten zwischen den beiden Festivals. Während HipHop der postmodernen Elektronischen Musik entstammt und der neoliberalen Vereinzelung huldigt, will Punk als Kind des modernen Rock eine Gemeinschaft formen – und genau das schafft das „Resist To Exist“ immer wieder.

www.resisttoexist.de

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