SAMBA – Aus Den Kolonien

Die Münsteraner Gitarrenpop-Kryptiker finden auf ihrem neuen Album zurück zu alter Klasse. Live in Berlin am 09.10. im Magnet

Was mit ihren ersten beiden Platten Zuckerkick (’96) und t.b.a. (’97) im Zeichen eines frech-forschen Indierocks unter wohlwollender Kenntnisnahme der Öffentlichkeit und gerne gezogenen Vergleichen zu den seinerzeit aufsteigenden Hamburgern von TOCOTRONIC doch äußerst hoffnungsvoll begann, verlief dann mit den folgenden, zwar keinesfalls enttäuschenden, aber doch etwas halbgaren Alben leider etwas im Sande. Zwar zeichneten sich diese sicherlich durch eine gewisse musikalische Weiterentwicklung bzw. dezente Stilvariation aus, doch den zuvor erreichten Standard in Sachen schwungvoller Indiepopsongs mit packenden Melodien konnten sie nur schwerlich halten.

Drei Jahre nach Komando wagen die Münsteraner um Frontmann KNUT STENERT mit dem neuen Album Aus Den Kolonien auf dem sympathischen Hamburger Label ‚tapete records‘ nun also noch einmal eine Art Neuanfang.
Dass sie darauf nun aber gleich derart schwungvoll und leidenschaftlich zu Werke gehen würden, allen überflüssigen Ballast über Bord werfen und dabei gleichzeitig aber so was von abgeklärt klingen, hätte man in dieser Konsequenz wirklich nicht erwartet.

So kommt Aus Den Kolonien also wieder wesentlich abgespeckter, kompakter und auch eingängiger daher, auf überflüssiges Brimborium wie elektronische Versatzstücke, pathetische Streicher-/Keyboard-Arrangements oder allzu aufgesetzt Balladeskes haben die Münsteraner zugunsten vieler kleiner und feiner, gleichermaßen schwung- wie gefühlvoller Gitarrenpop-Songs diesmal verzichtet.

Gleich zu Beginn zeugt die fabelhafte Single ‚Bis Der Tag Beginnt‘ von diesem scheinbar wieder Einzug gehaltenen, grenzenlosen Enthusiasmus, überhaupt besticht das Album durch einen durchgängigen, entspannt-gutlaunigen Flow, der sich einfach in einem reifen und wohldurchdachten Songwriting und unwiderstehlichen Melodien (‚Aus Den Kolonien‘, ‚Gib Mir Karma‘) manifestiert, und auch die geschätzten, mal mehr, mal weniger abstrakten und kryptischen Texte von KNUT STENERT lassen wieder genug Raum für eigene Interpretationen.
Hier und da werden wie selbstverständlich Mundharmonika, Bläser oder Banjo in den Sound integriert, nie aufdringlich, stets dezent unterstützend. Selbst zunächst etwas schleppend beginnende und ruhigere Songs zünden mit fortdauernder Spielzeit oder spätestens mit Einsetzen des Refrains dann meist doch noch und erwärmen dann das Herz (‚Hochtief‘).

SAMBA überzeugen auf ihrem neuen Album größtenteils mit einem ungemein sonnigen und beschwingt-kraftvollen, wieder an ihre glorreiche Anfangszeit angelehnten Gitarrenpop, dem mit jedem einzelnen Ton Ausdruck verliehen wird und der zudem mit vor Optimismus nur so strotzenden Melodien begeistert. Die Münsteraner haben definitiv zu alter Klasse zurückgefunden.


SAMBA
Aus Den Kolonien
(tapete records/ Indigo)
veröffentlicht

SAMBA spielen am 09.10.04 in Berlin im Magnet Club (Greifswalder Str. 212/213, Prenzlauer Berg) .

http://www.samba-pop.de
http://www.tapeterecords.de

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