SANTOGOLD – Santogold


Es ist nicht alles Gold, was glänzt.



Als SANTOGOLD im letzten Jahr mit ihrer Doppel A-Seite ‚Creator/L.E.S. Artistes‘ zum ersten Mal auf dem Musikradar interessierter Hörer auftauchte geriet sie in ein Dilemma – das erste Stück war ein Clubstampfer, aggressiv und charmant zugleich. Der Schluss lag allerdings nahe, dass sich die in Brooklyn Ansässige auf die künstlerischen Pfade von M.I.A. bewegen würde. Die andere Seite entpuppte sich als eine viel lieblichere Sache, die an die radiofreundlichere Sparte des New Wave erinnerte und den Gedanken aufkommen lies, dass SANTOGOLD nicht die Konsequenz an den Tag legte, die man ihr zunächst zugeschrieben hatte.
SANTOGOLD war in der Vergangenheit nicht untätig: Kollaborationen mit Skagrößen, ein wirklich interessantes Cover von THE JAM’s ‚Pretty Green‘, ein Album für den R&B Act RES und A&R-Tätigkeiten bei Epic. Ziemlich umtriebig also, und so schart SANTOGOLD für ihr selbstbetiteltes Debüt eine Reihe von „Mitstreitern“ um sich, was den faden Beigeschmack von „Trying Too Hard“ nicht mehr unterdrücken lässt.

Dieses „Frau zeigt Welt ihre Idee von anständigem Pop“ ist mittlerweile ziemlich durchgenudelt, muss hier aber noch mal erwähnt werden: weil es SANTOGOLD trotz Attitüde und Einfällen eben nicht gelingen mag, andere Grenzen als ihre eigenen zu überschreiten. Santogold ist eine Platte, die versucht, in schon bestehende Kerben zu schlagen und dabei Popkredibilität zu kreieren. Nicht überraschend ist ‚L.E.S. Artistes‘ als erste Single und Albumopener ausgewählt worden. Es ist solide und erweckt den Eindruck von versteckter Kraft unter der Poppolierung, die nur darauf wartet, auszubrechen, es aber niemals tut. Dieser Eindruck wird von den anderen Song bestätigt: von den progressiveren ‚Creator‘ und ‚Starstruck‘ über die Pop-will-Postrock-sein-Nummer ‚Lights Out‘ zu ‚You’ll Find A Way‘, eine leichte Version von Skapunk.

Auf der Habenseite kann SANTOGOLD ihre vielseitig einsetzbare Stimme verbuchen. Zwischen Kreischen wie eine Furie, sirenenhaftem Popgesäusel und trockenen, gehackten Sprechgesängen kann sie mühelos hin und her springen. Melodientechnisch ist auf Santogold zwar einiges zu finden (besonders zu empfehlen seien hier ‚Shove It‘ und ‚Say Aha‘), allerdings ist es nicht prägnant genug verpackt und läuft damit Gefahr, weder die Anhänger von M.I.A.’s wilden Überfällen zu befriedigen, noch die bunten Neonmassen, die nach der neuesten inhaltslosen Dosis Selbstbestätigung dürsten.

SANTOGOLD am Donnerstag, 22.05.08 live in Berlin/ Tape Club.

SANTOGOLD
Santogold
(Lizard King/ Rough Trade)
VÖ: 09.05.2008

www.myspace.com/santogold
www.roughtrade.de
www.liamr.com/clients/lizardking

Autor: [EMAIL=alexandra.wolf@popmonitor.de?Subject=Kontakt von der Website]Alexandra Wolf[/EMAIL]

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