SAVOY GRAND am 27.05. 2004 im Knaack


Wunderbar zurückgelehnter Gig der britischen LoFi-Melancholiker.

Dass es eine gefühlvolle und ruhige Angelegenheit werden sollte, war natürlich jedem der Anwesenden von vornherein klar, doch im Gegensatz zum Gig von vor zwei Jahren wurde diesmal zudem beispielsweise auf die Integration diverser Blasinstrumente, die damals noch für so manche Überraschungsmomente in Form von irrwitzigen und lautstarken, fast an Free Jazz gemahnnde Ausflüge sorgten, verzichtet.

Ganz im Stil der Anfang des Jahres erschienenen Lost Horizon-EP fiel die Instrumentierung diesmal deutlich spartanischer, und das Konzert dementsprechend noch eine Spur zurückgelehnter aus, ohne auch nur ansatzweise an Faszination und Intensität einzubüßen. Folgerichtig begann der Gig mit ‚Reason To Leave‘ und ‚Between Two Rivers‘, den ersten beiden Songs der EP, später folgten dann im Wechsel Stücke ihrer ersten beiden Alben mit einigen (wenigen), von LANGLEY flüsternd angekündigten neuen Songs, bevor schließlich auch noch ‚Life By The Roadside‘ und ‚From The Gold Hotel‘ von der Lost Horizon-EP gespielt werden sollten.

Insgesamt wurden diese irgendwo zwischen DAKOTA SUITE, THE WHITE BIRCH oder MARK HOLLIS einzuordnenden zerbrechlichen Songs mit einer gleichermaßen imponierenden Lässigkeit und Spielfreude vorgetragen. Die Drums vom am Fuß verletzten Drummer wurden dabei eher gestreichelt, der zweite Gitarrist sorgte in erster Linie für dezent atmosphärische Klangtupfer, und die Vocals des gerne im Zeitlupen-Rhythmus mit geschlossenen Augen versunkenen Frontmanns erstrahlten in packender Klarheit, überhaupt wurde jeder einzelne Ton mit großer Leidenschaft zelebriert.
Natürlich wartete (und hoffte) man auch auf das majestätische ‚The Mirror Song‘ vom 2002er Album Burn The Furniture, das grazile Schönheit mit für SAVOY GRAND ungewohnt treibender Dynamik vereint und gerade live –wie auch an diesem Abend- immer mit fulminanten Gitarren aufwartet und, gegen Ende in bester MOGWAI-Manier eine atemberaubende Dichte und Wucht erzielend, für den einzigen wirklich ROCK-Moment und ekstatische Begeisterung unter den Besuchern sorgte.

Die dem Nachstimmen dienenden relativ langen Pausen zwischen den Songs wurden von LANGLEY auf seine unnachahmlich sympathisch-zurückhaltende Art mit einigen Entschuldigungen für –nicht weiter ins Gewicht fallende- technische Probleme und Danksagungen für die positive Publikumsresonanz überbrückt, und außerdem outete er sich angesichts der bevorstehenden EM als Fußball-Fan und übermittelte sichtlich geschockt das Ergebnis inkl. Torschützen der deutschen Mannschaft gegen Malta.

Nach gut 90 Minuten rundeten zwei Zugaben, deren erste LANGLEY alleine zur Gitarre bestritt, diesen rundum faszinierenden Gig ab, der schon mal richtig Lust auf das hoffentlich demnächst endlich erscheinende neue Album machte.

Den später nachgelegten Joke, dass Deutschland gegen Malta in Wirklichkeit leider verloren hätte (da war wohl der Wunsch Vater des Gedankens), konnte sich GRAHAM LANGLEY am Ende doch nicht verkneifen. Aber das zuvor verkündete Ergebnis von 7:0 gegen die unglaublich starken Malteser entsprach natürlich schon der Wahrheit. So watch out, England!

http://www.savoygrand.co.uk
http://www.glitterhouse.com

Autor: [EMAIL=thomas.stern@b-i-b.de?Subject=Kontakt von der Website]Thomas Stern[/EMAIL]

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