
Das Silent Hill-Franchise ist gerettet. Nachdem die Videospiele ab Origins (2006) immer langweiliger wurden, mussten dringend frische Ideen her. Schon The Short Message sowie die Neuauflage von Silent Hill 2 setzten im letzten Jahr Impulse. Silent Hill f verbindet nun das Beste beider Games: psychologischer Horror, Coming of Age und ein zeitgemäßes Grafik-Design. Beim Sound setzt man Gottseidank wieder auf AKIRA YAMAOKA, der jedoch mehrere Producer neben sich dulden muss. Das wirkt sich durchaus auf den Soundtrack aus, der im Winter auch als CD-Version erscheint.
Wie in The Short Message ist die Protagonistin mit Hinako Shimizu eine junge Frau, die von ihren eigenen Dämonen verfolgt wird. Sie ist nicht in einem postmodernen Wohnkomplex unterwegs, sondern klassisch wie James Sunderland in einem nebligen Dorf. Diesmal geht es nicht um das amerikanische, moderne Silent Hill sondern um Ebisugaoka, ein japanisches Dorf, das in den 1960ern an der Schwelle zur Moderne existiert. Die dämonische Anderswelt erscheint dann in Hinakos kleiner Welt wie beim Anime Chihiros Reise ins Zauberland (2001).
Hier wird es interessant, denn die Erwartungen an Frauen aus der Vorzeit suchen die Siedlung als Monster heim, die zudem allmählich von seltsamen Pflanzen und Pilzen infiziert wird. Sie versinnbildlichen einen Konflikt, der in vielen asiatischen und afrikanischen Ländern bis heute besteht: Die moderne Gleichberechtigung der Frau hat keinen Platz in den traditionalistischen Denkweisen, die die Menschen noch immer prägen. Und so muss Hinako durchaus mit den Haltungen von Freunden und Familie kämpfen. Aber auch Ängste vor Mutterschaft und sexistischen Angriffen werden visualisiert.
Auf dem einstündigen Soundtrack hat natürlich Yamaoka den Vortritt und gestaltet den Auftakt „Dizziness Drawn To A Faint Flame“ als Mischung aus traditionell-japanischen Klängen, kalten Pianotasten und mystischen Trommeln. „A Murmur from Dim Lips“ klingt nach dem klassischen Yamaoka-Triphop, führt jedoch ebenso die asiatischen Klänge mit Flöten und Trommeln weiter. Zu Akustikgitarre singt dann in „Mayoi Uta“ ein Kinderchor, der später wiederkehrt. Doch die scheinbare Sicherheit der Kindheit ist dahin. Mit „A Night Strained By Phantom Flowers“ deutet sich das Unheil mit schrägen Sounds und Drones an. Danach treten die ersten Monster mit gruseligem Gestöhne und harten Industrial-Beats auf. Wie bei den alten Silent Hill-Teilen spielt wieder ein Kult eine Rolle, der in „An Alluring Bond Descending Into Shadows“ mit Geknarre und Gebetschor vorgestellt wird. Die Drums verfolgen die Heldin.
„Gloomy“ von KENSUKE INAGE lässt J-Horror klanglich wahr werden: Geheimnisvoll und bedrohlich ist die Soundkulisse. Mit „The Wet Garden“ hat Inage ein waschechtes Dark Ambient-Stück dabei, das bei „Corridors of Darkness“ wieder zu J-Horror-Sounds wechselt. Inage hat mit „The Bird’s Lament“ ebenfalls einen Kinderchor dabei.
XAKI bietet mit „Tsukiyonoinerime“ zusätzlich spannende japanische Weltmusik an und DAI mit „Shichibi no Tasogare“ typisch kindliche Anime-Musik. Das Titelstück von Yamaoka ist ein Cyberpop-Stück, das keinerlei Bezug zum Rest des Soundtracks hat. Für Vielfalt ist also gesorgt, so faszinierend wie die komplexe Geschichte des Spiels von Horrorautor Ryūkishi07.
Various Artists
Silent Hill f – Original Soundtrack
(Konami)
VÖ: 23.09.25