SLO-MO – dto.

The raver is dead. Long live SLO-MO.

Es war Ende der Achtziger, als aus der sogenannten „British Dance Invasion“ die „Rave“-Bewegung wurde, deren namhaftesten Vertreter HAPPY MONDAYS, THE STONE ROSES, THE CHARLATANS oder EMF hießen. Nun, der Rave ist tot: EMF konnten sich nie von ihrem Teenage-Image verabschieden und versanken in z.T. tödlicher Drogenabhängigkeiten, THE STONE ROSES lösten sich 1996 nach einem katastrophalen und vom Publikum ausgebuhten Auftritt auf dem Reading-Festival auf, was die HAPPY MONDAYS derzeit tun, ist unklar, einzig THE CHARLATANS haben den einstigen „Madchester-Hype“ mehr oder weniger erfolgreich überlebt. Was zugebener Maßen ein etwas roher und äußerst unvollständiger Abriss der britischen Popszene Ende der Achtziger bis Mitte der Neunziger darstellt, soll eigentlich nur verdeutlichen, dass der Hype um die musikalische Invasion aus Manchester ein gleicher Maßen berechtigter und gefährlicher war. Sämtliche Bands jener Ära bewegten sich in Schwindel erregendem Speed zwischen Triumph, Niederlage und Wiederauferstehung. Um so erfreulicher, wenn es den Heroen dieser Zeit gelingt, auch heute noch musikalisch zu punkten. Bei mir tat das zuletzt IAN BROWN (ex-Frontmann der STONE ROSES) mit seinem dritten Soloalbum Music Of The Spheres (2002).

Hier nun tritt DAVE GLEDHILL (Sänger, Songwriter, Gitarrist und Produzent), Mastermind von SLO-MO aus Sheffield, an die Tagesordnung: als erklärter Fan eben jener Band um IAN BROWN. Und um von Anfang an Klarheit auf der ganzen Linie zu verschaffen, ist der Opener mit ‚Death Of A Raver‘ in Titelwahl und musikalischer Umsetzung, wenn auch im weitaus elektronischeren Stil, zweifelsfrei eine Hommage an die Zeit der STONE ROSES bevor sie in einem Strudel von Genusssucht und Selbstüberschätzung untergingen. Auch Titel wie ‚Girl From Alaska‘ oder ‚Junkie On A Fast Train‘ lassen eine tiefe Seelenverwandtschaft zu dieser Band feststellen. Dabei gelingt es SLO-MO mit teilweise exzellentem Songwriting und der Verschmelzung verschiedener Elemente aus Disco, Soul, Jazz und HipHop extrem hittaugliche Popmusik, wie sie wahrscheinlich nur im Mutterland der Pop-Musik entstehen kann, zu kreieren.

Vermutlich kommen diese „Hits“ aber genau 10 Jahre zu spät. Was DAVE GLEDHILL aber kalt lässt: „The late 70’s vibe at the moment is good, because I think everyone had had about as much of Britpop as they could stomach. I know I had a long time ago. I really like The Strokes album, and all the stuff they’re ripping off. I just decided to not be part of that scene and do my own stuff.”

SLO-MO
Slo-Mo
(Circus Records / PIAS)
VÖ: 05.04.2004

http://www.slo-mo.co.uk
http://www.piasrecordings.de

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