SNOW PATROL – Eyes Open


Ehemals erfolglose irische Indieband weiter auf dem unaufhaltsamen Weg zum Stadion-Superstardom.



Mit gebotener Skepsis darf man sich der neuen Veröffentlichung von SNOW PATROL ja zunächst durchaus mal nähern, stieg die ursprünglich aus Belfast stammende Band nach etlichen erfolglosen Jahren im vorwiegend durch zurückgenommenen Lofi-Gitarrenrock geprägten Indie-Dasein mit ihrem 2004er Album Final Straw insbesondere in ihrer britischen Heimat zu mit Platin bedachten Megastars auf. Einen nicht unerheblichen Anteil daran hatte der Produzent Garret Lee, der das große Songwriting-Potenzial erkannte, aus der Band herauskitzelte und unter anderem im unwiderstehlich hymnischen großen Single-Erfolg ‚Run‘ münden ließ.

Der als erste Single ausgekoppelte Opener ‚You’re All I Have‘ des erneut von Lee produzierten neuen Albums katapultiert die auf dem Vorgänger erarbeiteten Errungenschaften dann gleich mal mühelos auf eine höhere Stufe. Ein ebenfalls hymnischer, strahlend schöner Song mit mächtig Druck und Leidenschaft, der unter der recht stromlinienenförmigen Oberfläche sogar noch mit der Andeutung schräg gegeneinanderlaufender Gitarren aufwartet und sich somit bestens in den Reigen aus derzeit ähnliches Gitarrenpop-Terrain bespielender Bands wie Coldplay, Feeder oder Embrace einfügt, wenn auch – zumindest in diesem Song – deutlich straighter.
Im Anschluss überrascht dann das mit vehement im Vordergrund stehenden Gitarren druckvoll auf den Punkt gewuchtete ‚Hands Open‘, und auch in ‚Shut Your Eyes‘ oder ‚Headlights On Dark Roads‘ wird ein gelegentlich schon mal allzu dominierender Popappeal zugunsten forscherer Rockismen eingetauscht, während mit dem am ehesten an ‚Run‘ heranreichenden wunderschönen Lovesong ‚Chasing Cars‘ oder “You Could Be Happy‘ die von der ausdrucksstarken Stimme GARY LIGHTBODYs getragenen introspektiv-balladesken Melancholie-Oden natürlich auch keineswegs fehlen.

Im Gegensatz zu Final Straw lassen sich ansonsten auch noch vermehrt integrierte Elektronik-Sprengsel, Background-Vocals befreundeter schottischer und irischer Musiker oder – wie im bezaubernden ‚Set The Fire To The Third Bar‘ – der Vocal-Gastauftritt von MARTHA WAINRIGHT ausmachen, die das neue Album von SNOW PATROL zu allem anderen als einer langweiligen oder vorhersehbaren, im Vorfeld vielleicht befürchteten allzu einseitigen Mainstream-Angelegenheit machen.
Auch wenn man es vielleicht gar nicht möchte: Streckenweise lässt einen diese perfekt produzierte Mixtur aus gefühlvoll-pathosbeladenem Gitarrenpop(-rock) und charmantem Indie-Appeal einfach nicht mehr los.

SNOW PATROL
Eyes Open
(Polydor/ Universal)
VÖ: 28.04.2006

www.snowpatrol.net

Autor: [EMAIL=thomas.stern@popmonitor.de?Subject=Kontakt von der Website]Thomas Stern[/EMAIL]

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