SO SO MODERN am 04.10.2007 im NBI/ Kulturbrauerei


Irrwitziges Synthpunk-Spektakel aus Neuseeland.



Eine glückliche Fügung – die Fangemeinde möge mir verzeihen – will es, dass The Robocob Kraus nach ihrem Popkommkonzert im September keinen weiteren Berlinauftritt im Rahmen ihrer Deutschlandtour eingeplant haben. Auf der werden die Franken nämlich zurzeit von den Electropunk-Newcomern SO SO MODERN begleitet, und so bietet sich exklusiv im NBI die Gelegenheit, die Neuseeländer als Hauptact in einer intimen Club-Atmosphäre zu erleben.

Ungefähr 40 Neugierige haben sich eingefunden, darunter wohl der eine oder andere, dem der schweißtreibende Auftritt der Band im Rio Club vor ein paar Monaten noch in guter Erinnerung geblieben ist. Und furios geht es auch gleich los: Eingehüllt in weiße Kapuzenoveralls, die sie aussehen lassen wie eine Mischung aus Albinoerdmännchen und Gefahrenstoffbeseitigungssquad, springen die vier Musiker – nur mit einem Tamburin bewaffnet – erstmal singend und schreiend durch den Saal, bevor sich jeder einzelne dann doch nach und nach an den großen Instrumentenpool begibt. Der besteht neben Schlagzeug und Gitarren aus einer Wand von Synthesizern, Vocodern und einer ganzen Reihe von Effektgeräten, die bereits erahnen lassen, dass der Bandname im Folgenden auch Programm sein wird.

Im Fahrwasser der britischen New Rave-Welle mit Bands wie den Klaxons oder Shitdisco treffen SO SO MODERN mit ihrer freakigen Synthpunk–Attitüde nämlich schon irgendwie den Nerv der Zeit, auch wenn sich ihr musikalisches Gesamtkonzept ungeschliffener und verspielter präsentiert und Anbiederungen an allzu poppige Hörgewohnheiten vermeidet. Dafür werden die funkigen Schlagzeugbeats und knarzenden Synthie-Bassfiguren zu oft von rohen Gitarrenmisstönen und verrückten Experimentalsounds durchbrochen, werden eingängige Elektroklänge durch hypnotische Instrumentalpassagen dekonstruiert. Ekstatisches Tanzvergnügen bleibt jedoch allemal bestehen, wenn sich die einzelnen Soundfluida zu einem intakten Song-Ganzen verbinden, das bisweilen so klingt, wie The Rapture schon immer gerne geklungen hätten. Die gleich drei Sänger und ein überaus agiler Schlagzeuger verausgaben sich in einer energetischen Show mit Dancepunkhymnen wie ’Fire Fights’ und Instrumentalelectronica wie ’The New International’ und der Funke springt über.

Eine begeisterte Zuhörerschaft dankt es mit viel Beifall und vehementen Zugabeforderungen, was der Band, die sich immerhin von Wellington aus auf die andere Seite des Planeten aufgemacht hat, sichtlich Vergnügen bereitet – ganz altmodisch.

http://www.sosomodern.com/
http://www.myspace.com/sosomodern

Foto: © So So Modern

Autor: [EMAIL=arne.wellding@bands-in-berlin.com?Subject=Kontakt von der Website]Arne Wellding[/EMAIL]

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