SOMETREE – Berliner Act des Monats Oktober 2009


Mit Mut zur Lücke dort ankommen, wo man eigentlich gar nicht hin wollte – was sich dann doch genau richtig anfühlt.



Es gibt Bands, die legen sich fast schon einen Masterplan für jedes Album zurecht (oder bekommen ihn wahlweise „von oberer Stelle“ diktiert) und veröffentlichen am laufenden Band – über die Qualität lässt sich dann oft streiten. Und es gibt jene, die sich ihre Zeit und die Dinge so nehmen, wie sie kommen und sich von dem Druck befreien, „abliefern“ zu müssen, um beispielsweise im Gespräch zu bleiben.

SOMETREE haben sich offenbar entschieden, der zweiten Kategorie anzugehören. Als wir Sänger Bernd und Drummer Björn am 23. Oktober kurz vor ihrem Konzert im Berliner Lido zum Gespräch treffen, huscht ein kleines Lächeln über Bernds Gesicht, als er – angesprochen auf die doch etwas längere Pause – konstatiert, drei Jahre wäre „ungefähr ihr Rhythmus“. Yonder heißt das aktuelle Endprodukt des Quartetts und reiht sich zu Vorgängern wie

Ihr habt bereits im Juli im Berliner Babylon ein Vorabkonzert zu Yonder gespielt, in ziemlich speziellem Rahmen, nämlich mit Streichern, Bläsern und weiteren Gästen. Wie ist das beim Publikum angekommen?
(Lachen)
Björn: Sehr schwierig zu sagen, wir selbst haben auch wenig Erinnerung daran, weil es so ein aufregender Abend war. Wir hatten mit diesen Streichern, den Bläsern und dem Chor nie in Gänze geprobt, sondern immer nur mit den einzelnen Sektionen. Da standen also 12 oder 13 weitere Musiker auf der Bühne und wir waren sehr, sehr angespannt, ob alles überhaupt klappen und gut gehen würde. Es ist dann total an uns vorbeigerauscht, auf einmal war’s vorbei und die Leute sind wieder gegangen. Uns ist ein Stein vom Herzen gefallen, auch wenn wir diesen besonderen Abend natürlich gezielt gemacht und gewollt haben. Letztendlich weiß ich also gar nicht, wie’s wirklich war. Manchmal denke ich „oh man, vielleicht hätten wir doch mal mit allen proben sollen, das wäre schon besser gewesen“.

Oder ihr macht es einfach nochmal.
Björn: Es ist halt verdammt viel Arbeit.
Bernd: Das war glaube ich die längste Show, die wir jemals gespielt haben, ich war hinterher extrem fertig. Wir hatten gegen zwei Uhr nachmittags den Soundcheck und sind dann nahtlos in die Show übergegangen. Also standen wir praktisch den dreiviertel Tag auf der Bühne und haben gespielt.

Davor wurde auch ein Dokumentarfilm mit Live- und Studioaufnahmen gezeigt?
Bernd: Genau. Wir haben einen Freund, der zu unserem zweiten Album, das 2002 erschienen ist, …stimmt das?
Björn: 2001? Oder 2000?
Bernd: …also lange her. (Lachen) Der hat jedenfalls den Entstehungsprozess des Albums gefilmt und daraus einen Dokumentarfilm gemacht. Damals war er noch Student, inzwischen dreht er richtig professionell Musikvideos. Er ist dann nach Berlin gezogen und meinte „ich begleite euch nochmal, wenn ihr mit Snow Patrol auf Tour geht, filme wieder und dann zeigen wir ’nen Film“. Bei der Veröffentlichung von „Sold Heart To The One“ haben wir auch einen Film gezeigt und in einem Kino gespielt. Allerdings alleine und ohne Streicher… damals gab’s noch keine Streicher oder andere, additive Instrumente. Also war es so eine Art Revival für uns, in dieser Hinsicht.

Apropos Snow Patrol. Ihr habt dieses Jahr in deren Vorprogramm gespielt und daher auch in großen Hallen – wie war das?
Björn: Eine gute Erfahrung! Das waren riesige Hallen, in denen wir vorher noch nie gespielt haben. Ich glaube in Düsseldorf waren’s ungefähr 6000 Leute und das ist dann schon ein bisschen surreal. Du gehst auf die Bühne, spielst und kannst gar nicht einschätzen, wie viele Leute eigentlich da sind. Natürlich waren sicherlich einige im Publikum, die es nicht so verstanden haben oder verstört waren von unserer Art Musik, aber ich glaube, wir sind auch auf ein paar… wohlwollende Ohren gestoßen.

Das auf jeden Fall. Ich habe begeisterte Stimmen gehört.
Björn: Es war auf jeden Fall auch sehr interessant, mal eine derartig große Produktion mitzubekommen, was hinter der Bühne los ist. Und die Jungs waren sehr nett.

Merkt man als Künstler eigentlich, was vor der Bühne passiert oder ist an der Kante Schluss und es macht keinen Unterschied, wie viele dann davor stehen?
Bernd: Ich weiß nicht, wie die anderen damit umgehen. Für mich ist es eher unbedeutend, man verliert sozusagen den Bezug dazu, ob es nun 6000, oder 4000 oder 3000 sind – es ist komplett egal. Wenn man vorher hinter der Bühne steht und mal rein guckt, dann bekommt man schon irgendwie ein komisches Gefühl. In dem Moment, wo man schließlich auf die Bühne geht, lässt man das aber fallen und spielt einfach die Show. Wobei es natürlich ein anderes Geräusch ist, wenn statt 80 Leuten 6000 klatschen. (Lachen)

Wir würden uns auf jeden Fall freuen, wenn ihr auch nochmal im Rahmen von popmonitor.berlin.live spielen würdet.
Björn: Vielleicht nicht mehr dieses Jahr, das ist ja auch bald vorbei. Aber nächstes Jahr – sehr gerne.

Inzwischen hatte sich das Lido dann auch schon langsam zu füllen begonnen und wir wollten die beiden nicht mehr länger festhalten. War auch gut so, denn sonst hätten wir ein wunderschönes Konzert verpasst.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Album:

SOMETREE
Yonder
(Pop-U-Loud / PIAS)
VÖ: 18.09.2009

SOMETREE auf Tour:
25.10.2009 München Orangehouse
26.10.2009 Stuttgart Universum
28.10.2009 Frankfurt Das Bett
29.10.2009 A – Wien B72
30.10.2009 Dortmund Inside Club (20 Jahre Visions)
31.10.2009 Leipzig Moritzbastei
01.11.2009 Köln Die Werkstatt
02.11.2009 Oberhausen Druckluft
03.11.2009 Heidelberg Zum Teufel
04.11.2009 Würzburg Cairo
05.11.2009 Hamburg Hafenklang
06.11.2009 Hannover Bei Chez Heinz
07.11.2009 Bremen Tower

http://www.sometree.com
http://www.myspace.com/thisissometree
http://www.myspace.com/honourbeforeglory
http://www.myspace.com/andthegoldenchoir

Autor: [EMAIL=verena.gistl@popmonitor.de?Subject=Kontakt von der Website]Verena Gistl[/EMAIL]

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