SOULFLY – Prophecy

Eine Prophezeiung, mit der so nicht zu rechnen war…

Ob man bei SOULFLY überhaupt von einer Band sprechen kann, sei dahingestellt, denn Max Cavalera hat fürs neue Album mal wieder seine ganze Mannschaft ausgetauscht. Da er das nach jedem Album macht, musste man kein Prophet sein, um dieses vorauszuahnen.
Genauso wenig, wie man einen wie immer relativ hohen Kitschfaktor zu erwarten haben sollte. Doch wie es das Schicksal will, hat sich eben genau dieser Kitschfaktor der Seelenflieger in ein neckisches Augenzwinkern verwandelt. Mit diesem Augenzwinkern legen SOULFLY mit Prophecy ein progressives Best Of- Album vor, das so gar keines ist. Will heißen, dass die Herren im ersten Viertel ihres Albums in gewohnter Manier auf die Kacke hauen – aber mit Riffs, die eine Spielfreude repräsentieren, die in der Bandhistory so noch nicht vorkam. Die zwei zweiminütigen Hardcorekracher ‚Execution Style‘ und ‚Defeat you‘ sprechen da für sich.

Und da wir eine original Max Cavalera-Produktion (und der Meister macht das jetzt selbst) im CD-Player rotieren haben, kommen im zweiten Viertel die gewohnt weltmusikalischen Abwechslungen in den Liedern zu tragen, und was bei ‚Mars‘ die spanischen Gitarren beisteuern, wird bei ‚Moses‘ von der serbischen Band EYESBURN heavy dazu ge“dub“t und ist der erste Reggae-Song, der nicht zum Kiffen taugt, da einem alle zwei Minuten das Dope aus den Händen fallen dürfte, wenn der „Bob Marley of Metal“ seinen Einsatz findet. ‚I Believe‘ dürfte als herausragenster Song des Albums in naher Zukunft wohl auf dem tatsächlichen Best Of- Album von SOULFLY wiederzufinden sein.

Im Dritten Viertel brummt es wieder mehr und bringt die erste Hälfte noch mehr auf den Punkt, als die eh schon ins Schwarze getroffen hat, und bietet mit der Coverversion von HELMETs ‚In The Meantime‘ seine ganz eigene Premiere. Dort angekommen, gilt es zu erwähnen, dass dem Song in der Neuinterpretation das entspannte Ende sehr gut zu Gesicht steht. ‚Soulfly IV‘ darf natürlich nicht fehlen und ‚Wings‘ setzt einen innovativen Abschluss des finalen Viertels von Prophecy, indem gute deutsche Marschmusik endlich zu cosmopolitischem Allgemeingut erklärt wird.

Also wenn jemand SOULFLY noch nicht kennen sollte, ist Prophecy meiner Meinung nach ein besserer Einstieg als das Debütalbum Soulfly und der Beweis, dass Max Cavalera nicht auf Kollaborationen mit anderen Rock/Metal-Größen angewiesen ist.


SOULFLY
Prophecy
(Roadrunner Records)
veröffentlicht

http://www.soulfly.com
http://www.roadrunnerrecords.de

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