SPILLSBURY – 2

[b]
Das zweite Album der beiden Hamburger Elektropunks reicht leider nicht an die Qualitäten des 2003er Debüts heran und ist für ihre Verhältnisse viel zu langweilig und angepasst.



Da ist es also, das zweite SPILLSBURY-Album und trägt auch gleich den Namen [i]2[/i]. Diese für Bands und deren Platten recht wichtige Zahl. Franz Ferdinand haben die Hürde des zweiten Albums kürzlich bravourös gemeistert und deren Messlatte war um einiges höher als die von SPILLSBURY. Aber immerhin: [i]Raus[/i], erschienen im Sommer 2003, war ein äußerst gelungener Gegenentwurf zu den abdriftenden und sich in Scheinphilosophie und Peinlichkeit verheddernden MIA. Von ‚Zwei Sekunden‘ bis ‚Was wir machen‘ gab es 13 mal kräftig auf die Ohren. Zwar mit reichlich DAF und Ideal Anleihen, aber gut verpackt in rockenden Elektropunk mit Anarchietenor. Das zwang förmlich zur Bewegung.

Was macht man dann beim Nachfolger? Vom common sense der deutschsprachigen Musik weiter absetzen und härter, negierender, eben punkiger sein?
SPILLSBURY haben sich leider dagegen entschieden und stattdessen mehr Pop und Kuscheln in ihre Musik gepackt – was nicht so recht funktionieren mag.

Streckenweise, bei ‚Auf die Plätze‘, ‚Eins, Zwei, Drei‘ und ‚Weißt Du Wie Es Ist‘, ist die alte Energie zwar noch zu spüren, insgesamt ist [i]2[/i] aber doch zu fad. Auch hat die Reflektion Einzug in die Texte gefunden, was denen einfach nicht steht und stellenweise unsinnige Auswüchse hat. Wenn ZOE MEISSNER bei ‚Ehrlich Gesagt‘ zuerst klarstellt „Ich hör schon lange nicht mehr zu, wenn irgendjemand ungefragt erklärt was alle wollen“, dann aber im gleichen Lied in der dritten Person mit „Für Erlösung zahlen wir gerne mehr“ eine offenbar allgemeingültige Forderung formuliert, ist das mindestens seltsam. Man könnte zwar entgegnen, dass mit „wir“ ZOE und Mitmusiker TOBIAS ASCHE gemeint seien, irgendwie klingt es aber anders. Sei’s drum und zurück zur Musik. Denn ‚Ehrlich Gesagt‘ ist auch musikalisch recht langweilig.
Ruhe und Nachdenklichkeit scheinen SPILLSBURY im Allgemeinen nicht zu liegen. Unpassend verkrampft wirken ‚Common Sense‘ und ‚Zwei Von Vielen‘. Auch der Auftritt des Beginners Denyo bei ‚Nein‘ wirkt eher ulkig.

Eigentlich ist das alles ziemlich schade, denn SPILLSBURY sind eine sehr sympathische Band mit echten Livequalitäten. Vielleicht erhalten auch die neuen Songs live noch den nötigen Pfiff – zu wünschen wär’s ihnen.

SPILLSBURY
[i]2[/i]
(L’AGE D’OR/ Rough Trade)
VÖ: 07.10.2005

www.spillsbury.de
www.lado.de

Autor: [EMAIL=alexander.eckstein@b-i-b.de?Subject=Kontakt von der Website]Alexander Eckstein [/EMAIL]

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