STEPHEN MALKMUS & THE JICKS + THE CRIBS am 28.09.2005 im Postbahnhof


Von der Ranch auf die Bühne: Der Ex-PAVEMENT-Frontmann auf Tour mit Freunden.



Auch wenn er auf seinen mittlerweile drei Soloalben mit veritablen Indie-Hits ja ein wenig geizte, präsentierte sich Ex-Pavement-Kopf STEPHEN MALKMUS doch auf allen Alben stets als absolut gereifter, vor allem experimentierfreudiger Songwriter. Und so sorgten auf all seinen Soloalben neben Pavement-affinen Gitarren-Smashern stets auch dezente Einflüsse von Country, Funk, Elektronik oder Krautrock für eine über den Indie-Alltagsbrei hinausgehende Würze, so dass sich die am Konzertabend versammelte Slacker-Fanschar sicherlich nicht unbedingt auf ein spritziges Hit-Feuerwerk eingerichtet hatte, und Pavement-Songs sollten dann auch folgerichtig nicht zum Set gehören.

Zunächst standen die zurzeit hoch gehandelten CRIBS aus Leeds mit einem äußerst explosiven Mix aus Rock’n’Roll und Britpop und zahreichen Songs ihres aktuellen Albums The New Fellas für genau den schwitzigen Rock-Gestus, den MALKMUS insbesondere aus der alkoholgetränkten Anfangszeit von Pavement vermutlich nur noch schemenhaft in Erinnerung haben dürfte. Been there, done that, mag er sich mittlerweile altersweise denken (auch wenn er ja erst 39 ist), da überlässt man das von den CRIBS demonstrierte Bier-Exen zum abschließenden ohrenbetäubenden Feedback-Overkill doch gerne der nachrückenden Generation.

STEPHEN MALKMUS muss sich und den Fans nach seiner Vergangenheit als Vorsteher einer der wichtigsten Indie-Bands der 90er und inzwischen drei großartigen Soloalben nun wirklich nichts mehr beweisen, eine Einstellung, die beim Gig im gut besuchten FritzClub im Postbahnhof mehr als deutlich werden sollte. Schnell gewann man den Eindruck, dass es sich bei dem Unternehmen Europatour mit seinen JICKS um einen mal eben zwischen Range- und Family-Life (er wurde vor kurzem erneut Vater) eingeschobenen kurzen Urlaubsausflug mit guten Freunden handelte, der mit einem exzessiv gelebten Rock’n’Roll-Lifestyle nicht mehr unbedingt etwas gemein hat, was gleich zum Auftakt ihres Auftritts durch das Verteilen von Süßigkeiten und dem anschließenden väterlichen Rat, diese dann doch lieber mit Wasser als mit Alkohol runterzuspülen, – natürlich auch augenzwinkernd – versinnbildlicht wurde.
MALKMUS präsentierte sich dann von Beginn an als gut gelaunter Teamplayer („Hello, we’re the JICKS. Thanks for coming“), und zur allgemein lockeren, ja familiären Atmosphäre trugen die von MALKMUS bekannte Ironie, die bestens im Publikum zu vernehmende bandinterne, meist scherzhafte Bühnenkommunikation sowie das gerne gesuchte Zwiegespräch mit den Fans bei, deren zugerufene Sympathie-Bekundungen („You’re The One!“) schon mal aufgegriffen und in improvisierten Nonsens-Reimen weitergesponnen wurden.

Die Band setzte fast ausschließlich auf Songs ihrer letzten beiden Alben und eröffnete ihr Set etwas überraschend mit dem vielleicht stärksten Song ihres vorletzten Albums Pig Lib. ‚(Do Not Feed The) Oyster‘ zeigte gleich ziemlich genau, wohin die Reise an diesem Abend gehen sollte: Smoother, abgeklärter (Indie-) Rock mit mal mehr, mal weniger psychedelisch-krautrockigem Einschlag sowie oftmals herrlich ausuferndem Gitarren-Gegniedel, neben ‚Oyster‘ erstklassig demonstriert im ähnlich gelagerten ‚Witch Mountain Bridge‘ oder dem wahnsinnigen ‚No More Shoes‘ vom aktuellen Album www.stephenmalkmus.com
www.verstaerker.com

Autor: [EMAIL=thomas.stern@b-i-b.de?Subject=Kontakt von der Website]Thomas Stern[/EMAIL]

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