Stephen Sanchez – Love, Love, Love

Es ist schon wieder drei Jahre her, als US-Sänger STEPHEN SANCHEZ im Alleingang der Generation Z die Musik der 50er Jahre vorstellte. Sein Debüt Angel Face mit der Hitsingle „Until I Found You“ war in unzähligen Shorts zu finden. Dann folgte 2024 schon der Brite ELLIOT JAMES REAY. Doch Sanchez‘ nächste Single „Baby Blue Bathing Suit“ zeigte, dass er seinen eigentlichen Pop nicht gänzlich loslassen wollte, auch wenn sie zum The Beach Boys-Filmsoundtrack gehörte. Dazu kam ein Strand-Video von der Sorte, die schon RAMMSTEIN veralbert haben („Mein Land“). Nun folgt Love, Love, Love und verbindet den Retrosound mit Edelpop.

Angel Face war ein ausgeklügeltes Konzeptalbum, das vom Leben und Sterben eines Rock’n’Rollers erzählte. Und Love, Love, Love, das zum Tag der Befreiung herauskommt, sagt: „Make love, not war.“ Nun, das ist nichts Neues. Doch erstens sind die USA eine Gesellschaft, die vielleicht bald ähnlich wie die russische merken wird, dass der von ihr losgelassene Krieg auch zu ihrer Haustür kommen kann. Und zweitens werden heutzutage selbst einstige Trivialitäten wie „Jeder braucht doch Liebe.“ (siehe Titelstück) von Asexuellen und Feministinnen in Frage gestellt. Ja, die Welt ist wirklich kompliziert geworden. Und natürlich kann man diese 50’s-Nostalgie als infantile Flucht in eine Zeit verstehen, in der vermeintlich alles einfacher war. Oder man schöpft hier Kraft für das Heute.

„It Might Be Love“ unterstreicht das harmlose Album-Thema mit gezielt eingesetzter Beach Boys-Kopfstimme und lieblichen Chören. Die romantische Schwere des Vorgängers hat sich in Wohlwollen aufgelöst, bis ein fast bitteres Klavier einsetzt. Solche Tempi- und Stimmungswechsel schüttelt der Herr einfach so aus den Ärmel. Mit „Sweet Love“ setzt er dann noch einen drauf bei Falsett, Eingängigkeit und Tanzbarkeit. Da kann man eigentlich spätestens beim zweiten Hören nicht mehr stillsitzen.

Das Titelstück stellt sich als entspannter Jazzpop heraus und das Feature „Home To Mother“ mit dem Nashville-Kollegen STEPHEN DAY als professioneller Blue-Eyed-Soulpop. Sind die RIGHTEOUS BROTHERS für Sanchez wohl doch mehr Vorbilder als die EVERLY BROTHERS?

Schnell gemachte Schmusepopper wie „Ooo Baby“ rauschen einfach so vorbei und unterstreichen lediglich, dass man keine Scheu vor Kitsch hat. Lediglich der Abschluss „You Are So Beautiful“ schafft noch einmal die Raffinesse des Vorgängers: Geschulter 50’s-Gesang umhüllt Lyrics, die die Hörer in den Arm nehmen, wie auch immer sie sich fühlen mögen. Genau dafür braucht es jemanden wie Sanchez.

 

Stephen Sanchez
Love, Love, Love
(Mercury Records/UMG)
VÖ: 08.05.2026

www.stephensanchezofficial.com

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