STEREOLAB am 14.03. 2004 in der Maria

Bleeps’n’Loops und Kraut’n’Roll…

Die Band um die Französin LAETITIA SADIER und den Engländer TIM GANE kehrte nach dem Unfalltod ihres langjährigen Mitglieds MARY HANSEN im Jahre 2002 nach längerer Pause kürzlich mit ihrem neuen Album Margerine Eclipse zurück, das zwar musikalisch erstaunlich beschwingt und poppig ausgefallen ist, thematisch aber schon größtenteils im Zeichen dieses tragischen Einschnitts steht.

Nach einem beeindruckend explosiven Elektronik-Gewitter des Ein-Mann-Projekts FOUR TET (aka KIERAN HEBDEN) setzte die 7-köpfige (!) Band um SADIER und GANE in der überraschend zum Bersten gefüllten Maria von Beginn an auf ihre äußerst clubtaugliche, pulsierende und effektverliebte ureigene Melange aus Easy Listening, Elektronik und Kraut-/Post-Rock mit jeder Menge Bleeps’n’ Loops, die aber zunächst -auch infolge leichter soundtechnischer Abstimmungsprobleme- noch etwas verhalten ausfiel.
Selbst eingefleischte Kenner erkannten die ersten, noch etwas bedächtig daherkommenden Songs nur mit Mühe, was bei einem derart kreativen Output und unglaublich umfangreichen Backkatalog aus mittlerweile über zehn Jahren Bandgeschichte allerdings auch nichts wirklich Ungewöhnliches ist, und dass STEREOLAB sich live gerne selbst und ihre Fans immer gerne mit den ausgewählten Songs überraschen, ist ja mittlerweile auch kein Geheimnis mehr.

TIM GANE setzte dann erfreulicherweise im Laufe des Sets vermehrt auf dominierende Gitarren-Akzente, und insgesamt entwickelte sich das Set im Wechsel mit den gelegentlich auch schon mal mit treibenden Elektronik-Beats und richtig verzerrten Gitarren sowie den charakteristischen inhärenten Breaks aufwartenden Stücken dann doch zusehends in Richtung schwerer, teilweise ziemlich temporeicher und von herrlich tosenden Orgelsounds versehener Psychedelik mit Songs aus ihrer ‚mittleren’ Phase wie ‚Lo Boob Oscillator‘ oder‘ Exploding Head Movie‘.
Vom neuen Album wurden hingegen überraschend wenige Songs präsentiert, darunter aber immerhin der in einer wunderbar tighten und oszillierenden Version gespielte, vielleicht stärkste Track ‚Sudden Stars‘.

Im Vergleich zu früheren Konzerten überraschte diesmal der ausgiebige und relativ neue Einsatz diverser Blasinstrumente wie Trompete, Posaune oder Waldhorn, die – vermutlich aus der Not geboren- die zweiten bzw. Backing-Vocals der schmerzlich vermissten MARY HANSEN scheinbar ersetzen sollten und inzwischen – auch schon mal auf längere Improvisationsparts ausgedehnt- für völlig neue, frische Live-Akzentuierungen sorgen.

Nach einer furiosen und langen Version ihres ‚Hits’ ‚Cybele’s Reverie‘ zum Ende des regulären Sets ließ sich die trotz ihrer langen Bühnenerfahrung immer noch unglaublich zurückhaltend und introvertiert wirkende Band noch zu zwei Zugaben zurück auf die Bühne bitten, um einen vor allem in der zweiten Hälfte jederzeit schweißtreibenden und intensiven, und somit typischen STEREOLAB-Gig zum glorreichen Abschluss zu bringen.

http://www.stereolab.co.uk
http://www.fourtet.net

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